PVGIS-Anleitung 2026: Solar-Ertrag berechnen (Schritt für Schritt)

Hausbesitzer am Laptop berechnet mit dem PVGIS-Rechner den Solarertrag seiner geplanten Photovoltaik-Anlage
Marco Amato17 Min. Lesezeit

Der PVGIS-Rechner (Photovoltaic Geographical Information System) ist ein kostenloses Online-Tool der Europäischen Kommission, mit dem Sie den Ertrag jeder Photovoltaikanlage auf Basis von Satelliten-Strahlungsdaten präzise berechnen können – von der 10-kWp-Dachanlage bis zum 800-Wp-Balkonkraftwerk. Das Tool nutzt die PVGIS-SARAH2-Datenbank mit stundengenauen Messdaten aus über 15 Jahren Satellitenbeobachtung und erreicht eine Genauigkeit von ±3–5 % am konkreten Standort. Fachbetriebe, Energieberater und Privatpersonen nutzen den PVGIS Rechner (auch geschrieben als PVGIS-Rechner) gleichermaßen – zur Angebotsprüfung, Standortanalyse und Wirtschaftlichkeitsberechnung. Diese Anleitung führt Sie mit Screenshots Schritt für Schritt durch PVGIS, zeigt Beispielrechnungen für verschiedene Anlagentypen und erklärt, wie Sie die Ergebnisse richtig interpretieren. Zuletzt aktualisiert: März 2026.

Was ist der PVGIS-Rechner und warum sollten Sie ihn nutzen?

Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links (*). Wenn Sie über diese Links kaufen, erhalten wir eine Provision – ohne Mehrkosten für Sie. Unsere redaktionelle Bewertung ist davon unabhängig.

PVGIS wird vom Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission betrieben und steht unter re.jrc.ec.europa.eu/pvg_tools/ kostenlos und ohne Registrierung zur Verfügung. Das Tool berechnet den zu erwartenden Jahresertrag einer PV-Anlage auf Basis von Satelliten-Strahlungsdaten (PVGIS-SARAH2: stundengenaue Messungen 2005–2020), topografischen Geländedaten, technischen Anlagendaten und einer optionalen Wirtschaftlichkeitsberechnung.

PVGIS-Startseite mit interaktiver Europakarte zur Standortauswahl auf Deutsch
Die PVGIS-Startseite mit der interaktiven Karte zur Standortauswahl. Auf Deutsch eingestellt zeigt das Tool die Globalstrahlung farblich codiert – Süddeutschland (gelb/orange) erhält deutlich mehr Strahlung als Norddeutschland (grün).

PVGIS eignet sich für alle PV-Anlagentypen: große Dachanlagen, Freiflächenanlagen, Balkonkraftwerke, Fassaden-PV und sogar nachgeführte Tracker-Systeme. Im Vergleich zu einfachen Faustformel-Rechnern (Abweichung ±25–35 %) liefert PVGIS deutlich präzisere Ergebnisse (±3–5 %). Auch Fachbetriebe und Energieberater nutzen PVGIS regelmäßig zur Angebotsüberprüfung – wenn Ihnen ein Installateur einen Ertragswert nennt, können Sie ihn hier verifizieren.

PVGIS auf einen Blick
EigenschaftDetails
BetreiberJoint Research Centre, Europäische Kommission
KostenKostenlos, keine Registrierung
Datenbank (empfohlen)PVGIS-SARAH2 (2005–2020)
Genauigkeit±3–5 % am konkreten Standort
AbdeckungEuropa, Afrika, Teile Asiens
AnlagentypenDach, Freifläche, Balkon, Fassade, Tracker
SpracheDeutsch verfügbar
EinschränkungKeine lokale Verschattung (Bäume, Gebäude)
URLre.jrc.ec.europa.eu/pvg_tools/de/

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Video-Anleitung: vollständiger Durchlauf durch das PVGIS-Tool in 10 Minuten. Marco zeigt jeden Schritt am Bildschirm und erklärt die Eingaben für Dach- und Balkonkraftwerk-Berechnung.

Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Screenshots

Schritt 1 – PVGIS aufrufen und Sprache auf Deutsch stellen

Öffnen Sie re.jrc.ec.europa.eu/pvg_tools/ in Ihrem Browser. Oben rechts können Sie die Sprache auf Deutsch umstellen.

PVGIS Sprache auf Deutsch umschalten im Dropdown oben rechts
Sprache umstellen: Oben rechts „Deutsch“ auswählen. Die wichtigsten Eingabefelder und Ergebnisse werden dann auf Deutsch angezeigt.

Schritt 2 – Berechnungsmodus wählen

PVGIS bietet drei Modi: „Netzgekoppelt“ für Anlagen, die ins Stromnetz einspeisen (Dachanlagen, Balkonkraftwerke) – die richtige Wahl für die meisten Nutzer. „Nachgeführt“ für Tracker-Anlagen, die der Sonne folgen. „Netzunabhängig“ für Inselsysteme ohne Netzanschluss (z. B. Gartenhäuser, Wohnmobile).

PVGIS Berechnungsmodus: Netzgekoppelt, Nachgefuehrt, Netzunabhaengig
Für Dachanlagen und Balkonkraftwerke: „Netzgekoppelt“ wählen.

Schritt 3 – Standort wählen

Klicken Sie auf die Karte oder geben Sie Ihre Adresse bzw. GPS-Koordinaten ein. Zoomen Sie so nah wie möglich an Ihr Gebäude – die Strahlungsdaten variieren innerhalb weniger Kilometer, besonders in Tal- oder Hügellagen. Für große Dachanlagen: Exakt auf das Gebäude klicken, da die Höhenlage und die Horizontlinie den Ertrag beeinflussen.

PVGIS Standortwahl per Adresseingabe, Koordinaten oder Kartenklick
Standort präzise wählen: Adresse eintippen, GPS-Koordinaten eingeben oder direkt auf die Karte klicken. Je genauer, desto präziser das Ergebnis.

Schritt 4 – Datenbank und PV-Technologie wählen

Wählen Sie „PVGIS-SARAH2“ als Datenbank (aktuellste und genaueste für Deutschland und Mitteleuropa). Bei der PV-Technologie: „Kristallines Silizium“ für die allermeisten Module (PERC, TOPCon, HJT – 97 % Marktanteil). „Dünnschicht (CIS/CIGS)“ nur bei entsprechenden Modulen. „Dünnschicht (CdTe)“ für First Solar-Module.

PVGIS Datenbank-Auswahl: PVGIS-SARAH2 empfohlen
Datenbank: PVGIS-SARAH2 wählen.
PVGIS PV-Technologie: Kristallines Silizium
PV-Technologie: „Kristallines Silizium“ für Standard-Module.

Schritt 5 – Leistung eingeben und Systemverluste einstellen

Tragen Sie die Gesamtleistung Ihrer Module in kWp ein. Beispiele: Dachanlage 10 kWp, Balkonkraftwerk 0,8 kWp (800 Wp). Unsicher bei der Leistung? Geben Sie 1 kWp ein und rechnen das Ergebnis später hoch – der Ertrag skaliert linear. Die Systemverluste sind mit 14 % voreingestellt – ein guter Ausgangswert. Für professionell installierte Dachanlagen mit modernen Wechselrichtern (SMA, Fronius) können Sie auf 10–12 % reduzieren.

Schritt 6 – Neigung und Ausrichtung eingeben

Die Neigung in Grad: 0° = flach, 30–35° = optimal für Deutschland, 90° = senkrecht (Fassade/Balkongeländer). Die Ausrichtung (Azimut): 0° = Süd (optimal), –90° = Ost, +90° = West. Bei Dachanlagen: Neigung = Dachneigung. Tipp: Kompass-App auf dem Smartphone für den Azimut, Wasserwaagen-App für die Neigung.

Neigungswinkel eines Solarmoduls: 30-35 Grad optimal fuer Deutschland
Die Neigung bestimmt den Einfallswinkel. 30–35° ist optimal; am Balkongeländer (90°) sinkt der Ertrag auf 55–65 %.
Azimut-Winkel: Sued = 0 Grad, Ost = -90, West = +90
Der Azimut gibt die Himmelsrichtung an. Süd = 0°. Per Kompass-App bestimmbar.
PVGIS Montageoptionen: Feste Neigung, optimieren oder beides optimieren
PVGIS bietet drei Optionen: Feste Eingabe (wenn Montageort vorgegeben), Neigung optimieren oder beides optimieren lassen – nützlich bei Freiflächenanlagen mit flexibler Aufstellung.

Schritt 7 – Montagetyp und Wirtschaftlichkeit

„Freistehend“ für Aufständerungen mit Hinterlüftung (Flachdach, Garten, Freifläche, Schrägdach mit Abstand). „Gebäudeintegriert“ für Module direkt auf dem Dach ohne Luftspalt, an Fassaden oder am Balkongeländer (höhere Temperaturverluste, ca. 2–4 % weniger Ertrag).

Freistehende PV-Anlage mit guter Belueftung
„Freistehend“: Bessere Kühlung, höherer Ertrag. Standard bei Dachanlagen.
Gebaeudeintegrierte PV ohne Luftspalt, hoehere Temperaturverluste
„Gebäudeintegriert“: Höhere Temperatur, etwas weniger Ertrag. Typisch bei Indach-PV und Fassaden.
PVGIS Wirtschaftlichkeitsberechnung: Anlagenkosten, Zinssatz und Lebensdauer
Optional: Wirtschaftlichkeit berechnen. Anschaffungskosten, Zinsen (0 bei Barzahlung) und Lebensdauer (25–30 Jahre) eingeben. Besonders nützlich für größere Dachanlagen mit Finanzierung.

Schritt 8 – Berechnung starten und Ergebnis ablesen

Klicken Sie auf „Berechnen“. PVGIS zeigt den Jahresertrag (E_y), die monatliche Verteilung als Balkendiagramm, die Globalstrahlung und optional den Horizontverlauf. Laden Sie das Ergebnis als PDF herunter – nützlich zur Dokumentation und zum Vergleich mit Fachbetrieb-Angeboten.

PVGIS-Ergebnis: Monatlicher Energieertrag als Balkendiagramm
Ergebnis-Diagramm: Maximum im Juni/Juli, Minimum im Dezember/Januar. Typisch für Mitteleuropa: 5× mehr Ertrag im Sommer als im Winter.
PVGIS-Ergebnistabelle: Jahresertrag und Globalstrahlung
Ergebnistabelle mit Jahresertrag (E_y) und spezifischem Ertrag pro kWp.
PVGIS-Ergebnis: Monatliche Sonneneinstrahlung auf geneigte Flaeche
Monatliche Einstrahlung auf die geneigte Modulfläche – die Berechnungsgrundlage für den Ertrag.
Einfach erklärt – Was bedeuten die Ergebnis-Zahlen?

Die wichtigste Zahl ist der Jahresertrag (E_y) in kWh – so viel Strom erzeugt Ihre Anlage pro Jahr. Der spezifische Ertrag (kWh/kWp) zeigt die Effizienz am Standort: In München ca. 1.100 kWh/kWp, in Hamburg ca. 950 kWh/kWp. Damit können Sie verschiedene Standorte und Ausrichtungen direkt vergleichen.

Die richtigen PVGIS-Einstellungen nach Anlagentyp

Die häufigsten Fehler bei PVGIS entstehen durch falsche Einstellungen. Hier die optimalen Werte für verschiedene Anlagentypen:

EinstellungDachanlage (Schrägdach)Flachdach / AufständerungBKW BalkongeländerFassaden-PV
ModusNetzgekoppeltNetzgekoppeltNetzgekoppeltNetzgekoppelt
DatenbankPVGIS-SARAH2PVGIS-SARAH2PVGIS-SARAH2PVGIS-SARAH2
PV-TechnologieKristallines SiliziumKristallines SiliziumKristallines SiliziumKristallines Silizium
NeigungDachneigung (typ. 25–45°)25–35°90° (senkrecht)90°
MontagetypFreistehendFreistehendGebäudeintegriertGebäudeintegriert
Systemverluste10–12 % (prof. Installation)12–14 %14–16 %14–16 %
Empfohlene PVGIS-Einstellungen nach Anlagentyp. Leistung immer in kWp eingeben (z. B. 10 kWp Dach, 0,8 kWp BKW). Passende Komplettsets für Balkongeländer und Flachdach: Solakon onBasic 800*, weitere Bezugsquellen im Annex unten.
Tipp: Ost-West-Aufstellung berechnen

PVGIS kann nur eine Ausrichtung gleichzeitig berechnen. Für eine Ost-West-Aufstellung (z. B. 5 kWp Ost + 5 kWp West auf einem Flachdach): Berechnen Sie zwei separate Simulationen – eine mit Azimut –90° (Ost) und eine mit +90° (West). Addieren Sie die Erträge. Das gleiche Prinzip gilt für Balkonkraftwerke mit Ost-West-Aufstellung.

Ingenieur Deep Dive

Was die 14 % Systemverluste wirklich bedeuten

Die PVGIS-Voreinstellung von 14 % aggregiert fünf physikalische Verlustquellen: Wechselrichter-Verluste 3–4 % (96–97 % Wirkungsgrad; SMA/Fronius/Huawei erreichen 97–98 %, Hoymiles BKW-WR 96–97 %, wie er z. B. in Solakon onLite-Sets* verbaut ist), Kabelverluste 0,5–1,5 % (länger bei Dachanlagen, minimal bei BKW), Temperaturverluste 5–8 % (Module erreichen im Sommer 60–70°C; PERC –0,35 %/K, TOPCon –0,29 %/K, HJT –0,24 %/K), Verschmutzung 1–3 % (abhängig von Neigung und Umgebung), Mismatch und Degradation 1–2 %.

Für eine professionell installierte 10-kWp-Dachanlage mit SMA-Wechselrichter und TOPCon-Modulen sind 10–11 % realistisch. Für ein BKW am Balkongeländer ohne Hinterlüftung: 15–16 %.

Vier Beispielrechnungen: Dach, Balkon, Flachdach, Garten

ParameterDachanlage SüdBKW SüdbalkonBKW FlachdachBKW Garten Ost-West
StandortMünchenFrankfurtMünchenHamburg
Leistung10 kWp0,8 kWp (800 Wp)0,9 kWp (900 Wp)2,0 kWp (2.000 Wp)
Neigung30°90° (senkrecht)30° (optimal)25°
AusrichtungSüd (0°)Süd (0°)Süd (0°)Ost + West (je 1 kWp)
MontagetypFreistehendGebäudeintegriertFreistehendFreistehend
Systemverluste11 %14 %12 %14 %
PVGIS-Jahresertragca. 10.700 kWhca. 510 kWhca. 950 kWhca. 1.500 kWh*
Spez. Ertrag (kWh/kWp)ca. 1.070ca. 638ca. 1.056ca. 750
* PVGIS zeigt den Gesamtertrag ohne 800-W-Einspeisebegrenzung. Nutzbarer BKW-Ertrag nach Abregelung: ca. 870 kWh. Genauere BKW-Berechnung: Balkonkraftwerk-Rechner. Komplettsets dieser Größenklassen siehe Bezugsquellen-Annex am Seitenende.
Wichtig: PVGIS berücksichtigt keine Einspeisebegrenzung

PVGIS berechnet den theoretischen Modulertrag. Bei Balkonkraftwerken mit 2.000 Wp Modulleistung, aber nur 800 W Wechselrichterleistung, begrenzt der WR die Einspeisung an sonnigen Mittagen. Der tatsächlich nutzbare Ertrag liegt 10–15 % unter dem PVGIS-Wert. Bei großen Dachanlagen mit angemessen dimensioniertem Wechselrichter ist dieser Effekt vernachlässigbar.

Ergebnis richtig interpretieren

Das PVGIS-Ergebnis zeigt den theoretisch erzeugten Strom. Für Ihre Wirtschaftlichkeitsberechnung müssen Sie weiterrechnen:

Für Dachanlagen (mit Einspeisevergütung)

Eigenverbrauch: Typischerweise 25–35 % ohne Speicher, 50–70 % mit Speicher. Eigenverbrauchter Strom spart den vollen Strompreis (ca. 34 Ct/kWh). Einspeisung: Der Rest wird ins Netz eingespeist und nach EEG vergütet (aktuell ca. 8 Ct/kWh). Gesamtersparnis: Eigenverbrauch × Strompreis + Einspeisung × Einspeisevergütung. Mehr dazu: Photovoltaik-Leitfaden 2026.

Für Balkonkraftwerke (ohne Einspeisevergütung)

1. Abregelungsverlust abziehen (nur bei Modulleistung > 800 Wp): Bei 2.000 Wp ca. 10–15 %. Bei 800–1.000 Wp vernachlässigbar.

2. Eigenverbrauchsquote anwenden: Ohne Speicher: 28–45 %. Mit Speicher: 60–80 %. Ihre Grundlast bestimmt die Quote.

3. Ersparnis berechnen: Nutzbarer Ertrag × Strompreis. Amortisation = Anschaffungskosten ÷ Ersparnis/Jahr. Anschaffungskosten variieren stark: 250–500 € für ein 800-Wp-Set ohne Speicher, 400 € bis 1.200 € für Speicher-BKW wie Anker SOLIX Solarbank 2 Pro* oder Solakon ONE*. Oder nutzen Sie unseren Balkonkraftwerk-Rechner, der all diese Schritte automatisch durchführt.

Sobald Sie sich für ein System entschieden haben: Die Anmeldung im Marktstammdatenregister dauert nur 10–15 Minuten.

Schritt 9 – Ergebnis gegen Marktangebote prüfen

Der PVGIS-Wert ist die Pflicht, der Marktvergleich die Kür: Erst wenn Ihr berechneter Ertrag gegen reale Angebote oder den realen Eigenverbrauch geprüft ist, wird die Investition kalkulierbar. Für Dachanlagen: Holen Sie zwei bis vier Angebote von Fachbetrieben ein und vergleichen Sie deren Ertragsprognose mit Ihrem PVGIS-Wert – Abweichungen über 15 % sind ein Anlass zur Rückfrage. Den regionalen Photovoltaik-Angebotsvergleich nutzen Sie als unabhängige Zweitmeinung. Für Balkonkraftwerke: Ermitteln Sie zuerst Ihre Grundlast, leiten Sie daraus die nutzbare Setgröße ab (typisch 600 bis 900 Wp ohne Speicher, 1.600 bis 2.000 Wp mit Speicher) und wählen Sie ein Komplettset, dessen Modulleistung zum PVGIS-Ertrag passt.

PVGIS vs. Online-Rechner: Wann welches Tool?

KriteriumPVGIS (EU-Tool)Online-Rechner (z. B. unser BKW-Rechner)
Genauigkeit±3–5 % (Einzelstandort)±8–12 % (regionale Mittelwerte)
EingabeaufwandHöher (8+ Felder, Karte)Niedrig (4–6 Felder)
Zeitaufwand10–15 MinutenUnter 1 Minute
AnlagentypenAlle (Dach, Fassade, Tracker, BKW)Oft spezialisiert (z. B. nur BKW)
EigenverbrauchNein (nur Erzeugung)Oft ja
EinspeisebegrenzungNeinOft ja (BKW-Rechner)
WirtschaftlichkeitOptional (extra Modul)Oft automatisch
Ideal fürPräzise Standortanalyse, Angebotsprüfung, Dachanlagen-PlanungSchnelle Erstschätzung, BKW-Kaufentscheidung

Empfehlung: Für Balkonkraftwerke starten Sie mit unserem Balkonkraftwerk-Rechner für die schnelle Ersteinschätzung. Für die präzise Standortanalyse, Dachanlagen-Planung oder die Überprüfung eines Fachbetrieb-Angebots nutzen Sie PVGIS. Für die optimale BKW-Größe ist Ihre Grundlast der entscheidende Faktor.

Häufige Fragen zu PVGIS

Ja. Seit PVGIS 5.2 können Sie die Sprache oben rechts auf Deutsch umstellen. Die wichtigsten Eingabefelder und Ergebnisse werden dann auf Deutsch angezeigt.

PVGIS-SARAH2 – die aktuellste und genaueste Datenbank für Mitteleuropa (Satellitendaten 2005–2020). CMSAF liefert ähnliche Ergebnisse. ERA5 eignet sich besser für Südeuropa.

Nein. PVGIS berechnet nur die topografische Verschattung (Berge, Hügel). Lokale Hindernisse wie Bäume, Schornsteine oder Nachbargebäude werden nicht eingerechnet. Empfehlung: An einem sonnigen Tag prüfen, wann Ihre Modulfläche im Schatten liegt. 2–3 Stunden Verschattung zur Mittagszeit können den Ertrag um 20–30 % reduzieren.

Studien von Fraunhofer ISE und HTW Berlin zeigen: 68 % der Anlagen weichen weniger als 10 % vom PVGIS-Ergebnis ab. Die mittlere Abweichung liegt bei ±3–5 %. PVGIS tendiert leicht zur Überschätzung, da lokale Verschattung nicht einberechnet wird. Einfache Faustformel-Rechner weichen ±25–35 % ab.

Ja, PVGIS ist sogar primär für größere PV-Anlagen gedacht. Geben Sie Ihre Gesamtleistung in kWp ein (z. B. 10 kWp), die Dachneigung, die Ausrichtung und wählen Sie „Freistehend“ als Montagetyp. Das Ergebnis können Sie direkt mit dem Angebot Ihres Installateurs vergleichen. Wer noch keinen Anbieter hat, fordert als nächsten Schritt über unseren Photovoltaik-Angebotsvergleich bis zu vier regionale Vergleichsangebote an.

Professionelle Dachanlage: 10–12 %. Standard-BKW: 14 %. BKW am Balkongeländer ohne Hinterlüftung: 15–16 %. Die Verluste setzen sich zusammen aus: Wechselrichter (3–4 %), Temperatur (5–8 %), Kabel (0,5–1,5 %), Verschmutzung (1–3 %), Degradation (1–2 %).

Schrägdächer in Deutschland haben typischerweise 25–45°. Module am Balkongeländer stehen senkrecht (90°) oder leicht geneigt (70–80°). Für den genauen Winkel: Wasserwaagen-App auf dem Smartphone. Alternativ: Im Bauplan oder der Baubeschreibung nachsehen.

PVGIS berechnet nur eine Ausrichtung pro Simulation. Führen Sie zwei separate Berechnungen durch: Eine mit Azimut –90° (Ost) für die Hälfte der Leistung, eine mit +90° (West) für die andere Hälfte. Addieren Sie die Jahreserträge. Vorteil einer Ost-West-Aufstellung: Gleichmäßigere Erzeugung über den Tag, höherer Eigenverbrauch.

Ja. Jede PV-Anlage – vom Balkonkraftwerk bis zur Dachanlage – muss im Marktstammdatenregister registriert werden. Bei BKW innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme. Anleitung: Balkonkraftwerk anmelden. Bei größeren Dachanlagen übernimmt in der Regel der Installateur die Anmeldung.

Ja. Der PVGIS-Rechner der Europäischen Kommission ist vollständig kostenlos, ohne Registrierung und ohne Werbung nutzbar. Sie können das Tool direkt über re.jrc.ec.europa.eu aufrufen. Kommerzielle Online-Rechner von Installateuren oder Energieberatern setzen meist Ihre Kontaktdaten voraus – PVGIS verzichtet darauf komplett und speichert keine Nutzerdaten.

Der PVGIS-Wert ist eine Ertragsprognose, kein Wirtschaftlichkeits-Ergebnis. Drei Schritte folgen: 1. Verschattung prüfen – PVGIS rechnet Bäume, Schornsteine und Nachbargebäude nicht ein, eine Sichtprüfung am sonnigen Tag ist Pflicht. 2. Eigenverbrauch ermitteln – bei Balkonkraftwerken über den Grundlast-Rechner, bei Dachanlagen über den Photovoltaik-Angebotsvergleich mit Speicher-Dimensionierung. 3. Anlage anmelden – jede PV-Anlage muss innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme im Marktstammdatenregister registriert werden (Schritt-für-Schritt-Anleitung).

Ein seriöses Fachbetrieb-Angebot enthält eine Ertragsprognose in kWh / Jahr. Vergleichen Sie diese direkt mit dem PVGIS-Jahresertrag (E_y) bei identischen Eingaben (Standort, Leistung in kWp, Neigung, Ausrichtung, Systemverluste 10 bis 12 %). Abweichung unter 5 %: plausibel, das Angebot rechnet sauber. 5 bis 15 %: meist erklärbar durch unterschiedliche Verlustannahmen, Modul-Datenblätter oder lokale Verschattung – Rückfrage beim Anbieter ist sinnvoll. Über 15 %: das Angebot ist entweder zu optimistisch (Verkaufsargument) oder zu konservativ (Risikoabschlag). Holen Sie zur Gegenprüfung über den Photovoltaik-Angebotsvergleich zwei bis vier weitere regionale Angebote ein.

Die Setgröße folgt nicht dem PVGIS-Ertrag, sondern Ihrer Grundlast (typisch 100 bis 200 W in deutschen Haushalten). Faustregel: 500 bis 700 kWh PVGIS-Ertrag / Jahr (Südbalkon, ein Modul) passt zu einem 800-Wp-Set ohne Speicher. 800 bis 1.000 kWh / Jahr (zwei Module Süd, Flachdach oder Garten) lohnt ein 800-Wp-Set mit kleinem Speicher (1,6 kWh) zur Eigenverbrauchs-Optimierung. 1.200 kWh und mehr rechtfertigen ein Speicher-BKW mit 2,7 kWh oder größer, weil sonst zu viel Mittagsstrom abgeregelt wird. Konkrete Setgrößen-Empfehlungen finden Sie im Balkonkraftwerk-Vergleich 2026.

Bezugsquellen für die berechneten Anlagengrößen

Affiliate-Hinweis: Die mit (*) markierten Links sind Provisions-Links. Bei einem Kauf erhalten wir eine Vergütung – ohne Mehrkosten für Sie. Die Auswahl folgt der redaktionellen Linie, nicht der Provisionshöhe.

Die folgenden Empfehlungen decken exakt die in den Beispielrechnungen modellierten Setgrößen ab. Wer eine Dachanlage plant, findet am Ende dieses Blocks den Pfad zum unabhängigen Fachbetrieb-Vergleich.

Beispielrechnung 2 & 3 – BKW 800 bis 960 Wp

Solakon onLite oder onBasic

Beide Sets nutzen einen Hoymiles-Mikrowechselrichter (96 bis 97 % Wirkungsgrad), der dem in Beispielrechnung 2 (Frankfurt, Südbalkon, 0,8 kWp) angesetzten Verlustmodell entspricht. Das onLite kombiniert zwei monofaziale Module (900 Wp) und ist die schlanke Variante für Balkongeländer und Wandmontage. Das onBasic setzt auf bifaziale Module (1.000 Wp) mit Mehrertrag bei reflektierendem Untergrund – die bessere Wahl für Flachdach und Garten (Beispielrechnung 3, München, 30°, 0,9 kWp).

PVGIS-Ertrag ab ca. 1.200 kWh / Jahr – BKW mit Speicher

Anker SOLIX Solarbank 2 Pro oder Solakon ONE

Sobald der PVGIS-Ertrag die typische Grundlast spürbar überschreitet, lohnt ein Speicher. Anker SOLIX Solarbank 2 Pro (bis 9,6 kWh erweiterbar, 4 MPPT für bis zu acht Panels, IP65) passt zu Setgrößen ab 1.600 Wp Modulleistung und ist die robustere Außenlösung. Solakon ONE ist die kompaktere All-in-One-Variante: kleinerer Speicher, einfachere Inbetriebnahme, modular per Erweiterungsspeicher skalierbar – geeignet für Balkon- und Wandmontage mit limitiertem Bauraum.

Beispielrechnung 1 – Dachanlage 5 bis 10 kWp (Selbstmontage / Reseller)

Tepto-Komplettsets (FoxEss / Growatt mit Trina-Modulen)

Tepto liefert vorkonfigurierte 5- bis 10-kWp-Sets mit Trina-Modulen (445 bis 460 Wp, bifazial oder Glas-Glas), FoxEss- oder Growatt-Hybrid-Wechselrichtern und Speichern zwischen 5 und 12 kWh. Konkrete Varianten: 5-kWp-FoxEss-Set mit 5-kWh-Speicher (Schrägdach), 6-kWp-FoxEss-Set mit 10-kWh-Speicher und Smart Meter, 10-kWp-Growatt-Set mit 10-kWh-Speicher (notstromfähig). Geeignet für Selbstbauer mit Elektrofachkraft – die Inbetriebnahme und der Netzanschluss bleiben in jedem Fall Aufgabe eines Fachbetriebs.

VDE-AR-N 4105 Anschluss und Inbetriebnahme einer Dachanlage müssen durch einen Elektrofachbetrieb erfolgen. Selbstmontage betrifft ausschließlich die mechanische Vorarbeit (Modul-Aufständerung).

Lieber Komplettpaket mit Installation?

Photovoltaik-Angebotsvergleich – Fachbetrieb-Angebot gegenrechnen

Wer schlüsselfertig planen will, fordert über unseren Photovoltaik-Angebotsvergleich bis zu vier regionale Angebote an. Vorteil: Sie haben mit Ihrem PVGIS-Wert einen unabhängigen Plausibilitäts-Anker und können unterschiedliche Speicher- und Modul-Kombinationen direkt gegen Ihre Berechnung halten.

Zum Photovoltaik-Angebotsvergleich

MA

Marco Amato

Gründer und Technik-Redakteur · elektronik-zeit.de

Marco nutzt PVGIS seit 2022 für die Ertragsabschätzung von PV-Anlagen und Balkonkraftwerken und vergleicht die Prognosen regelmäßig mit realen Ertragsdaten aus dem Feld.