evcc: Der komplette Ratgeber für PV-Überschussladen (2026)

Marco Amato10 Min. Lesezeit

Methodik-Hinweis: Grundlage dieses Ratgebers sind die offizielle evcc-Dokumentation (docs.evcc.io) und öffentliche Community-Beispiele (GitHub Discussions, Projekt-Threads). Marco Amato setzt evcc nicht selbst ein – Empfehlungen und Praxis-Hinweise basieren auf aufbereiteten Nutzerberichten und Primärquellen, nicht auf eigenen Installationen oder Messwerten.

evcc ist eine Open-Source-Software, die Wallbox, Photovoltaik-Anlage und dynamischen Stromtarif so koordiniert, dass ein Elektroauto bevorzugt mit Solarüberschuss oder zum günstigsten Börsenpreis lädt. Das Projekt läuft seit 2019 unter MIT-Lizenz und unterstützt laut offizieller Kompatibilitätsliste über 100 Wallbox-Modelle. Ob sich die Einrichtung für Sie lohnt, hängt von drei Faktoren ab: der vorhandenen Hardware, Ihrem Stromtarif und dem Aufwand für die Erstkonfiguration. Dieser Ratgeber ordnet die Voraussetzungen ein und verweist für jedes Teilthema auf die passende Detailseite.

TL;DR – evcc auf einen Blick

  • Was: Open-Source-Software für PV-Überschussladen und dynamische Stromtarife
  • Läuft auf: Raspberry Pi, Docker, Synology DSM, Linux
  • Unterstützt: über 100 Wallboxen, 100+ Wechselrichter von 80+ Herstellern
  • Lizenz: MIT (kostenlos), Version 0.305 (April 2026)
  • Sponsor-Token: optional, für kommerzielle Wallboxen (Details im Update-Ratgeber)
  • Keine Cloud-Pflicht: läuft vollständig lokal im Heimnetz

Was ist evcc?

evcc (Electric Vehicle Charge Controller) ist ein lokales Energiemanagementsystem für Elektrofahrzeuge. Die Software koordiniert Wallbox, Wechselrichter und – optional – Heimspeicher und dynamischen Stromtarif so, dass Ihr E-Auto möglichst günstig und mit eigenem Solarstrom lädt.

Das Projekt startete 2019 als Open-Source-Initiative und wird heute von einer aktiven Community auf GitHub weiterentwickelt (Stand Juni 2026: über 7.000 Sterne, regelmäßige wöchentliche Releases). evcc steht unter der MIT-Lizenz – die Software ist kostenlos, quelloffen und läuft vollständig lokal ohne Pflicht zur Cloud-Anbindung.

Was evcc nicht ist: evcc ist keine Wallbox-Firmware und kein herstellergebundenes System. Die Software läuft als eigenständige Anwendung auf einem kleinen Rechner in Ihrem Heimnetz und kommuniziert mit Wallbox und Wechselrichter über offene Protokolle (OCPP, Modbus TCP, HTTP-APIs).

Einige kommerzielle Wallboxen (z. B. von KEBA, go-e, Easee) setzen für die evcc-Integration ein optionales Sponsor-Token voraus, das das Projekt finanziell unterstützt. Open-Hardware-Wallboxen (openWB, OpenEVSE) funktionieren ohne Token. Details zum Sponsor-Token erklärt der evcc Update-Ratgeber.

Kernfunktionen von evcc

  • PV-Überschussladen: Ladet das Fahrzeug bevorzugt mit eigenem Solarstrom, regelt die Ladeleistung minütlich nach.
  • Lastmanagement: Verhindert Überlastung des Hausanschlusses bei gleichzeitigem Verbrauch anderer Verbraucher.
  • Dynamische Tarif-Steuerung: Integriert Tibber, aWATTar und weitere Anbieter für preisbasiertes Laden.
  • Fahrzeug-State-of-Charge (SoC): Liest den Akkustand direkt aus (bei kompatiblen Fahrzeug-APIs), ermöglicht SoC-basierte Ladegrenzen.
  • Heimspeicher-Koordination: Koordiniert Laden, Einspeisung und Speicherladung zu einem gemeinsamen Optimum.
  • Multi-Loadpoint-Betrieb: Verwaltet bis zu mehrere Wallboxen gleichzeitig mit individuellem Energiebudget pro Ladepunkt.
  • Notifications und UI: Lokale Web-Oberfläche (Port 7070) und optionale Push-Benachrichtigungen ohne Cloud-Pflicht.

Was wollen Sie als Nächstes?

Diese Seite ist der Cluster-Einstiegspunkt für alle evcc-Themen. Wählen Sie Ihr Szenario:

Ihr SzenarioEmpfehlungWeiter zu
Welche Wallbox kaufen für evcc?Kompatibilitätsmatrix (8 Modelle, 6 Kriterien) prüfenevcc-kompatible Wallboxen →
evcc + Home Assistant verbindenMQTT-Bridge oder offizielles HA-Add-on einrichtenevcc + Home Assistant (folgt in Kürze)
evcc installieren oder aktualisierenInstallationswege, Sponsor-Token, Update-Prozessevcc Update-Ratgeber (folgt in Kürze)
evcc mit Tibber, aWATTar & Co. nutzen5 DE-Provider im Vergleich, Planer-Modus erklärtevcc mit dynamischem Stromtarif (folgt in Kürze)

Wie evcc funktioniert

evcc arbeitet in Echtzeit: Die Software liest alle 5–30 Sekunden die aktuelle PV-Leistung vom Wechselrichter und den Netzbezug vom Grid-Meter. Aus der Differenz errechnet sie den verfügbaren Solarüberschuss und regelt die Wallbox entsprechend.

ModusBeschreibungSinnvoll wenn
PV (Solar)Lädt nur bei ausreichend PV-Überschuss, pausiert bei WolkenSonnige Tage, Fahrzeug steht lange
Min+PVGarantiert Mindestladung (6 A), skaliert bei Sonne hochWechselhaftes Wetter, Abendfahrt geplant
SchnellVolle Wallbox-Leistung, PV wird ignoriertDringender Ladebedarf

Planer-Modus für dynamische Tarife: Bei Anbindung eines dynamischen Stromtarifs (Tibber, aWATTar oder drei weiteren DE-Providern) verschiebt evcc die Ladung automatisch in die Stunden mit günstigen Börsenstrompreisen. Die erzielbaren Einsparungen hängen von Tarifmodell, Fahrprofil und Marktlage ab; pauschale Versprechen sind ohne individuelle Datenbasis nicht möglich.

Phasenumschaltung als Schlüsselfunktion: Wallboxen mit Hardware-Phasenumschaltung (1-phasig auf 3-phasig) starten PV-Laden bereits ab 1,4 kW Überschuss. Ohne diese Funktion liegt der Schwellwert bei 4,1 kW – in der DACH-Region mit häufiger Bewölkung ein entscheidender Unterschied für die Nutzungsrate. Welche Modelle Phasenumschaltung unterstützen, erklärt evcc-kompatible Wallboxen.

HEMS-Option: evcc kann neben Wallbox und Wechselrichter auch Wärmepumpe und Heimspeicher koordinieren und fungiert dann als vollständiges Home Energy Management System (HEMS). Das ist im Grundbetrieb optional und erfordert kompatible Geräte.

Datenfluss und Reaktionszeit: evcc kommuniziert je nach Geräteschnittstelle über Modbus TCP, HTTP-REST-API oder OCPP 1.6J. Der Regelzyklus läuft alle 5–30 Sekunden. Für die Home-Assistant-Integration steht ein MQTT-Interface zur Verfügung: evcc publiziert alle Messwerte als Topics und empfängt Steuerbefehle darüber – das erlaubt HA-Automationen ohne Polling. Details dazu: evcc mit Home Assistant.

Wofür sich evcc lohnt

Szenario 1 – PV-Anlage vorhanden, Wallbox vorhanden oder geplant

Wer eine Photovoltaik-Anlage betreibt und ein E-Auto lädt, kann mit evcc die Eigenverbrauchsquote erhöhen: Das Fahrzeug lädt bevorzugt dann, wenn die Anlage mehr produziert als der Haushalt verbraucht. Die konkrete Steigerung hängt von Anlagengröße, Fahrprofil und Wetterlage ab und lässt sich ohne individuelle Messdaten nicht pauschal beziffern. Der typische Eigenverbrauchsanstieg liegt je nach Anlagengröße und Fahrprofil bei 10–20 Prozentpunkten gegenüber nächtlichem Netzbezug.

Szenario 2 – PV und dynamischer Stromtarif (Hybridstrategie)

Die Kombination aus PV-Überschussladen tagsüber und Planer-Modus in der Nacht maximiert die Nutzung günstiger Stromphasen über das gesamte Jahr, besonders im Winter mit geringer Solarproduktion. Welche Provider und Tarifmodelle infrage kommen, erklärt die Übersichtsseite zu dynamischen Stromtarifen.

Weniger geeignet für: Nutzer ohne Wallbox mit lokaler Schnittstelle (Cloud-only-Wallboxen haben eingeschränkte evcc-Unterstützung), Nutzer die eine reine Cloud-Lösung ohne eigene Hardware bevorzugen, sowie Mietverhältnisse ohne Möglichkeit zur Wallbox-Installation.

Szenario 3 – Dynamischer Stromtarif ohne PV

Auch ohne Photovoltaik-Anlage bietet evcc einen messbaren Vorteil: Bei Nutzung eines dynamischen Börsenstromtarifs (z. B. Tibber oder aWATTar) verschiebt evcc die Ladung automatisch in die Stunden mit den günstigsten Stundenpreisen – typischerweise nachts zwischen 1 und 6 Uhr sowie in windarmen Mittagsstunden bei Überkapazitäten. Das Fahrzeug ist trotzdem pünktlich geladen, weil der Abfahrts-Planer in evcc eine Mindestladung zur eingestellten Abfahrtszeit garantiert.

Die konkrete Ersparnis hängt von Fahrprofil, Ladeschwelle und Marktvolatilität ab; pauschale Versprechen sind ohne individuelle Datenbasis nicht möglich. Wer evcc mit dynamischem Tarif betreibt, findet in der Detailseite evcc mit dynamischem Stromtarif eine vollständige Anleitung zu Konfiguration und realistischen Einsparerwartungen.

Systemanforderungen

  • Steuerrechner: Raspberry Pi 4 oder 5 (min. 1 GB RAM), Docker auf NAS (Synology, QNAP, Unraid) oder Linux-Server. Raspberry Pi Zero, 1 und 2 werden nicht unterstützt.
  • Wallbox: Eine der über 100 kompatiblen Modelle – vollständige Liste: docs.evcc.io/docs/devices/chargers. Welche Modelle für PV-Überschussladen besonders geeignet sind: evcc-kompatible Wallboxen.
  • Wechselrichter oder Grid-Meter: Fronius, SMA, Huawei, Kostal und 100+ weitere Hersteller unterstützt. Erforderlich ist ein Gerät, das PV-Leistung oder Netzbezug über eine lokale Schnittstelle (Modbus TCP, HTTP) meldet.
  • Netzwerk: Alle Geräte im selben LAN, Ethernet empfohlen.
  • Optional: Sponsor-Token für kommerzielle Wallboxen. Open-Hardware-Lösungen (openWB, OpenEVSE) benötigen keinen Token.

Die konkrete Einrichtung, Installationswege und den Update-Prozess erklärt der evcc Update-Ratgeber mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Docker, Debian und Synology DSM.

evcc, openWB und Hersteller-Apps im Vergleich

Die drei häufigsten Ansätze für PV-gesteuertes Laden unterscheiden sich in der Grundarchitektur:

evccopenWB (Software)Hersteller-App
Wallbox-BindungKeine (100+ Modelle, herstellerunabhängig)openWB-eigene HardwareEigene Hardware
Cloud-PflichtNein (vollständig lokal)Nein (lokal)Häufig ja
Steuerrechner nötigJa (RasPi, Docker, NAS)Nein (in Wallbox integriert)Nein
StärkenMaximale Kompatibilität, HEMS-Option, aktive CommunityIntegriertes Hardware-Bundle, optimierte PV-SteuerungEinfachste Einrichtung, kein eigener Server
EinschränkungenEigene Hardware für Betrieb nötigBindung an openWB-Wallbox-HardwareKeine herstellerübergreifende Integration

Diese Gegenüberstellung beschreibt technische Eigenschaften der Systeme und ersetzt keine individuelle Bewertung für den konkreten Anwendungsfall.

Wann ist evcc die richtige Wahl? evcc eignet sich für Nutzer, die eine herstellerunabhängige, lokal betriebene Lösung bevorzugen und bereit sind, einen Raspberry Pi oder NAS als Steuerrechner einzurichten. Der Konfigurationsaufwand liegt bei einer Erstinstallation bei zwei bis vier Stunden; danach läuft das System wartungsarm im Dauerbetrieb. Regelmäßige Updates (wöchentlicher Release-Rhythmus) bringen neue Geräte-Integrationen und Funktionen.

Wann sind Alternativen sinnvoller? Wer keinen eigenen Steuerrechner betreiben möchte und ausschließlich Hardware eines einzigen Herstellers einsetzt, ist mit der nativen Hersteller-App (z. B. KEBA Energy Partner, Fronius Solar.API) oder einer openWB-Komplettlösung einfacher bedient. Für reine Cloud-Wallboxen (Easee in Cloud-Mode, Vestel) ist die evcc-Anbindung eingeschränkt oder nicht verfügbar.

evcc installieren: Erste Schritte

Die Einrichtung von evcc folgt einem klaren Schema: Steuerrechner aufsetzen, evcc installieren, Gerätekonfiguration anlegen und ersten Ladevorgang starten. Für Docker auf einem NAS dauert der Weg von der leeren Konsole bis zur ersten PV-gesteuerten Ladung erfahrungsgemäß zwei bis drei Stunden.

Empfohlene Installationswege (Stand evcc v0.200+):

  • Docker (empfohlen): Läuft auf NAS (Synology, QNAP, Unraid) oder Linux-Servern. Ein docker-compose.yml mit einem einzigen Container genügt für den Start.
  • Debian/Ubuntu-Paket: Offizielles APT-Repository, ideal für dedizierte Raspberry-Pi-Installationen. Systemd-Service übernimmt den Autostart.
  • Home Assistant Add-on: Installierbar aus dem offiziellen evcc-Add-on-Repository. Port 7070 läuft intern, kein Ingress. Konfigurationspfad: /addon_configs/49686a9f_evcc/evcc.yaml.

Die Konfiguration erfolgt über eine einzelne YAML-Datei (evcc.yaml). Für jeden Gerätetyp – Wechselrichter, Wallbox, Fahrzeug, Grid-Meter – gibt es einen eigenen Abschnitt. Die Gerätedokumentation unter docs.evcc.io listet alle unterstützten Modelle mit dem jeweiligen Konfigurationsblock.

Nach dem ersten Start ist evcc unter http://[IP]:7070 erreichbar. Der Assistent führt durch Geräte-Zuweisung und ersten Test-Lademodus. Für Updates, den Sponsor-Token und den Wechsel zwischen Versionen: evcc updaten – vollständiger Ratgeber.

Häufige Fragen zu evcc

evcc (Electric Vehicle Charge Controller) ist eine Open-Source-Software unter MIT-Lizenz, die Wallbox, PV-Wechselrichter und – optional – Heimspeicher und dynamischen Stromtarif koordiniert. Die Software läuft lokal auf einem Raspberry Pi oder Docker-Container und benötigt keine permanente Internetverbindung.

Die Software ist kostenlos (MIT-Lizenz). Kosten entstehen für den Steuerrechner (Raspberry Pi oder vorhandenes NAS) und optional für ein Sponsor-Token, das die Integration bestimmter kommerzieller Wallboxen ermöglicht und das Projekt unterstützt. Preise und Umfang erklärt der evcc Update-Ratgeber im Abschnitt Sponsor-Token.

Nein. Ohne PV-Anlage nutzt evcc den Planer-Modus für dynamische Stromtarife: Die Ladung wird automatisch in die günstigsten Börsenstrom-Stunden verschoben. Eine PV-Anlage ergänzt die Nutzung durch PV-Überschussladen tagsüber.

Über 100 Modelle von mehr als 80 Herstellern werden offiziell unterstützt (Stand April 2026). Die vollständige Liste steht auf docs.evcc.io/docs/devices/chargers. Welche Modelle für PV-Überschussladen mit Phasenumschaltung besonders geeignet sind, erklärt die Detailseite evcc-kompatible Wallboxen.

evcc ist reine Software, die auf beliebiger Hardware läuft und mit über 100 verschiedenen Wallboxen kompatibel ist. openWB ist ein Hardware-Bundle (Wallbox inklusive Steuerungssoftware), das keinen zusätzlichen Steuerrechner erfordert. evcc ist die bessere Wahl bei bereits vorhandener oder frei gewählter Wallbox; openWB eine Alternative für Neukauf, wenn Hardware und Software aus einer Hand bevorzugt werden.

Ja. evcc steht unter der MIT-Lizenz. Der Quellcode ist auf GitHub unter github.com/evcc-io/evcc vollständig einsehbar, modifizierbar und redistribuierbar. Neue Wallbox- und Wechselrichter-Integrationen entstehen häufig durch Beiträge der Community.

Weiterführende Detailseiten

Alle Angaben basieren auf der offiziellen evcc-Dokumentation (docs.evcc.io, Stand April 2026) und dem GitHub-Repository evcc-io/evcc. evcc wird unter der MIT-Lizenz als Open-Source-Software entwickelt. elektronik-zeit.de steht in keiner geschäftlichen Verbindung zum evcc-Projekt.