evcc (electric vehicle charge controller) ist eine quelloffene Software, die Ihre Wallbox automatisch mit PV-Überschuss steuert. Statt teuren Strom aus dem Netz zu ziehen, lädt Ihr E-Auto nur dann, wenn Ihre Solaranlage mehr produziert als Ihr Haushalt verbraucht. Die Software unterstützt über 240 Wechselrichter-Hersteller, mehr als 80 Wallbox-Modelle und läuft auf einem Raspberry Pi für unter 100 Euro. In diesem Guide richten Sie evcc Schritt für Schritt ein — ohne IT-Studium, mit einer persönlichen Anleitung für genau Ihre Hardware.
Interaktiver Einrichtungsguide: Ihre persönliche evcc-Anleitung
Wählen Sie Ihren Wechselrichter, Ihre Wallbox und die gewünschte Plattform — der Guide generiert eine maßgeschneiderte Schritt-für-Schritt-Anleitung mit den exakten Einstellungen für Ihr Setup. Inklusive YAML-Konfiguration, Netzwerk-Checkliste und herstellerspezifischen Hinweisen.
Der Guide basiert auf der offiziellen evcc-Dokumentation (docs.evcc.io) und Community-Erfahrungswerten. Stand: April 2026, evcc v0.304+. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was ist evcc — und warum lohnt sich die Einrichtung?
evcc ist eine kostenlose, quelloffene Software für intelligentes PV-Überschussladen. Sie läuft lokal auf einem kleinen Rechner (typischerweise einem Raspberry Pi) in Ihrem Heimnetz und steuert Ihre Wallbox so, dass Ihr E-Auto bevorzugt mit eigenem Solarstrom geladen wird. Im Gegensatz zu Cloud-Lösungen wie clever-PV (ab 5 EUR/Monat) benötigt evcc keine Internetverbindung für die Grundfunktion — alle Ladedaten bleiben auf Ihrem Gerät.
Was evcc konkret leistet: Die Software misst über Ihren Wechselrichter die aktuelle PV-Leistung und den Netzbezug. Sobald genügend Überschuss vorhanden ist (mindestens 1,4 kW bei einphasigem Laden), startet evcc automatisch die Ladung Ihres E-Autos. Bei Wolkendurchzug wird die Ladeleistung stufenweise reduziert oder pausiert. Mit PV-Überschussladen sinken die effektiven Ladekosten auf ca. 8–11 Cent/kWh — gegenüber 30–40 Cent/kWh aus dem Netz bei einem Standard-Stromtarif.
evcc vs. openWB vs. clever-PV: Was passt zu wem?
| Kriterium | evcc | openWB | clever-PV |
|---|---|---|---|
| Typ | Software (Open Source) | Hardware + Software (Open Source) | Cloud-Dienst (kommerziell) |
| Läuft auf | Raspberry Pi, Docker, Linux | Eigene Wallbox-Hardware | Cloud (kein eigener Server nötig) |
| Wallbox-Kompatibilität | 80+ Modelle (jede Marke) | Nur openWB-Hardware | Begrenzt (Modbus, HTTP) |
| Wechselrichter | 240+ Hersteller | Viele (über Software) | Eingeschränkt |
| Kosten | Hardware ab 80 EUR + opt. 4 USD/Monat | ab 1.200 EUR (Wallbox inkl.) | ab 5 EUR/Monat |
| Internet nötig? | Nein (Ausnahme: Easee, Fahrzeug-APIs) | Nein | Ja (Cloud-Pflicht) |
| Ideal für | Bestehende Wallbox + PV nachrüsten | Neuinstallation (Wallbox + Steuerung) | Einfachste Lösung ohne Hardware |
evcc ist die beste Wahl, wenn Sie bereits eine Wallbox besitzen oder eine bestimmte Wallbox kaufen möchten und die Steuerung unabhängig vom Hersteller nachrüsten wollen. Wenn Sie noch keine Wallbox haben und eine All-in-One-Lösung bevorzugen, ist openWB eine Alternative — allerdings sind Sie dann an die openWB-Hardware gebunden.
Was kostet evcc? Hardware, Software und laufende Kosten
evcc selbst ist kostenlos. Kosten entstehen für die Hardware, auf der die Software läuft, und optional für ein Sponsor-Token, das bestimmte Wallbox-Integrationen freischaltet.
| Komponente | Kosten | Pflicht? |
|---|---|---|
| Raspberry Pi 4 (2 GB) | 45–55 EUR | Ja (oder Docker auf vorhandener Hardware) |
| Gehäuse + Netzteil + Kühlung | 15–25 EUR | Ja |
| SD-Karte (16 GB, Class 10) | 8–12 EUR | Ja |
| USB-SSD (empfohlen statt SD-Karte) | 25–35 EUR | Optional (erhöhte Lebensdauer) |
| Ethernet-Kabel | 5–10 EUR | Empfohlen |
| Sponsor-Token (monatlich) | 4 USD/Monat | Für kommerzielle Wallboxen |
| Sponsor-Token (einmalig) | 150 USD | Für kommerzielle Wallboxen |
| Smartmeter (falls nicht vorhanden) | 100–200 EUR | Falls kein Grid-Meter im WR |
Gesamtkosten Einsteiger-Setup: Ein typisches Setup mit Raspberry Pi 4, SD-Karte und monatlichem Sponsor-Token kostet ca. 80 EUR einmalig plus 4 USD/Monat. Für die Einmalzahlung des Sponsor-Tokens liegen die Gesamtkosten bei ca. 230 EUR — ohne laufende Kosten. Das Sponsor-Token ist dabei kein Abo, sondern unterstützt ein unabhängiges Open-Source-Projekt, das von einer aktiven Community ehrenamtlich entwickelt wird.
Kein Sponsor-Token nötig für: Open-Hardware-Wallboxen (openWB, OpenEVSE), Smart Switches (Shelly, Tasmota, Fritz), alle Wechselrichter- und Zähler-Integrationen, sowie die Kern-Ladefunktionen (PV-Modus, Min+PV, Schnell).
Voraussetzungen: Was brauchen Sie für evcc?
Hardware-Checkliste
- PV-Anlage mit Wechselrichter — Fronius, SMA, Huawei, Kostal, SolarEdge oder einer von 240+ unterstützten Herstellern
- Wallbox mit Schnittstelle — go-eCharger, KEBA, openWB, Easee, Heidelberg, ABL oder eine von 80+ unterstützten Modellen
- Grid-Meter / Smartmeter — Misst den Netzbezug am Hausanschluss. Oft im Wechselrichter integriert (Fronius Smart Meter, SMA Home Manager, Huawei Smart Dongle). Falls nicht vorhanden: Shelly 3EM (ca. 100 EUR) als Nachrüstlösung
- Raspberry Pi 4 oder 5 — Mindestens 1 GB RAM, empfohlen 2 GB. Alternativ: Docker auf NAS/Server oder Linux-Rechner. Pi Zero und Pi 1 sind nicht geeignet
- Netzwerkverbindung — Alle Geräte im selben LAN. Ethernet empfohlen, WLAN funktioniert, ist aber weniger zuverlässig
Kompatible Wallboxen: Welche funktioniert mit evcc?
Die folgende Tabelle zeigt die gängigsten Wallboxen in Deutschland und ihre evcc-Kompatibilität. Entscheidend für PV-Überschussladen: Unterstützt die Wallbox Phasenumschaltung (1p/3p)? In der DACH-Region mit häufiger Bewölkung ist das kein Luxus, sondern essentiell — ohne Phasenumschaltung brauchen Sie mindestens 4,1 kW PV-Überschuss, mit Phasenumschaltung genügen 1,4 kW.
| Wallbox | Protokoll | Phasenumschaltung | Sponsor nötig | Steuerung |
|---|---|---|---|---|
| go-eCharger Gemini (flex) | HTTP API v2 | Nein (extern möglich) | Ja | Lokal |
| openWB 2.0 / Pro | MQTT | Ja (Hardware) | Nein | Lokal |
| KEBA P30 X-Serie | Modbus TCP | Ja (Hardware) | Ja | Lokal |
| KEBA P40 | Modbus TCP | Ja (Hardware) | Ja | Lokal |
| Easee Home / Charge | Cloud API | Nein | Ja | Cloud (Internet nötig) |
| Heidelberg Energy Control | Modbus RTU (RS485) | Nein | Ja | Lokal (Adapter nötig) |
| ABL eMH2/3 (OCPP) | OCPP 1.6J | Nein | Ja | Lokal |
| Fronius Wattpilot | HTTP API | Nein | Ja | Lokal |
Empfehlung für Neukäufer: Wenn Sie noch keine Wallbox besitzen und PV-Überschussladen mit evcc planen, achten Sie auf Hardware-Phasenumschaltung und eine lokale Schnittstelle. Die KEBA P30 X-Serie und openWB 2.0 bieten beides. Die go-eCharger-Serie ist wegen ihrer einfachen HTTP-API die am häufigsten mit evcc eingesetzte Wallbox. Die vollständige Kompatibilitätsliste finden Sie auf docs.evcc.io/docs/devices/chargers.
Kompatible Wechselrichter: Fronius, SMA, Huawei und mehr
| Hersteller | Modelle | Protokoll | Port | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Fronius | Primo, Symo, GEN24 Plus | Modbus TCP (SunSpec) | 502 | Modbus ab Firmware 1.34.x unter neuem Menüpfad |
| SMA | Sunny Boy, Sunny Tripower | Modbus TCP / Speedwire | 502 / UDP 9522 | Modbus-ID 126 (nicht 1); Tripower X: eigenes Template |
| Huawei | SUN2000 (kTL-M0–M5) | Modbus TCP via Smart Dongle | 502 | Dongle-FW SPC127+ nötig; nur 1 Client (SDongleA-03) |
| Kostal | PLENTICORE, PIKO IQ/MP | Modbus TCP (SunSpec) | 1502 | Port 1502 statt 502 |
| SolarEdge | SE-Serie | Modbus TCP (SunSpec) | 502 | Konfiguration über SetApp |
| Weitere | Goodwe, Growatt, Enphase, RCT, E3DC, Sungrow, … | SunSpec / HTTP / Modbus | variiert | 240+ Hersteller in der evcc-Datenbank |
Alle SunSpec-kompatiblen Wechselrichter funktionieren mit dem generischen sunspec-inverter-Template in evcc — auch wenn der Hersteller nicht explizit gelistet ist. Die Voraussetzung: Modbus TCP muss im Wechselrichter aktiviert sein. Das ist bei den meisten Herstellern ab Werk deaktiviert und muss manuell eingeschaltet werden.
evcc installieren: Drei Wege im Vergleich
Die Installation hängt davon ab, welche Hardware Sie verwenden möchten. Für Einsteiger empfehlen wir den Raspberry Pi mit fertigem Image — die Software läuft in unter 10 Minuten.
| Methode | Schwierigkeit | Zeitaufwand | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Raspberry Pi Image | Einfach | 10–15 Min. | Einsteiger ohne Linux-Kenntnisse |
| Docker | Mittel | 15–30 Min. | NAS-Besitzer (Synology, QNAP, Unraid) |
| Debian/Ubuntu (APT) | Fortgeschritten | 15–20 Min. | Linux-erfahrene Nutzer mit bestehendem Server |
Raspberry Pi Image (empfohlen): Laden Sie das aktuelle Image von der evcc GitHub-Seite herunter, flashen Sie es mit dem Raspberry Pi Imager auf eine SD-Karte (mindestens 16 GB), stecken Sie die Karte in den Pi und schließen Sie Strom und Ethernet an. Nach ca. 2 Minuten ist evcc unter http://evcc.local:7070 erreichbar. Der interaktive Guide oben generiert die exakten Schritte für Ihre Konfiguration.
Praxis-Tipp: SD-Karten verschleißen bei Dauerbetrieb nach 1–2 Jahren. Die evcc-Community empfiehlt für den Langzeitbetrieb eine USB-SSD (ab ca. 25 EUR) statt der SD-Karte. Seit 2026 können Sie evcc komplett über die Browser-Oberfläche konfigurieren — YAML-Dateien bearbeiten ist nicht mehr nötig.
Die drei Lademodi: PV, Min+PV und Schnell
evcc bietet drei Lademodi, die Sie jederzeit in der Weboberfläche umschalten können. Die Wahl des Modus hängt von Ihrer Situation ab — nicht jeder Modus passt zu jeder Wetterlage und jedem Fahrzeug.
| Modus | So funktioniert er | Wann sinnvoll | Netzbezug |
|---|---|---|---|
| PV (Solar) | Lädt nur bei PV-Überschuss. Pausiert bei Wolken. Maximiert die Eigenverbrauchsquote. | Sonnige Tage, Fahrzeug steht laenger (Homeoffice, Wochenende) | Keiner (0 Cent/kWh effektiv) |
| Min+PV | Lädt immer mit Mindestleistung (1,4 kW). Skaliert bei Sonne hoch. Pausiert nie. | Wechselhaftes Wetter, Fahrzeug wird abends gebraucht | Minimal (6A Grundlast) |
| Schnell | Volle Wallbox-Leistung, ignoriert PV komplett. | Dringender Ladebedarf, Abreise in Kürze | Voll (Netzstrompreis) |
Praxis-Szenario: Bei einer 10-kWp-Anlage mit Südausrichtung haben Sie an einem bewölkten Apriltag oft nur 1–3 kW Überschuss. Im PV-Modus mit 3-phasiger Wallbox (Minimum 4,1 kW) würde die Ladung nie starten. Mit Phasenumschaltung (Minimum 1,4 kW) oder im Min+PV-Modus laden Sie trotzdem. Fazit: Phasenumschaltung ist in der DACH-Region kein Komfort-Feature, sondern entscheidend für zuverlässiges Solarladen.
Dynamische Stromtarife: evcc lädt auch ohne Sonne günstig
Neben PV-Überschussladen unterstützt evcc auch dynamische Stromtarife von Tibber, Ostrom und aWATTar. Damit verschiebt evcc die Ladung automatisch in die günstigsten Stunden der Nacht — ideal, wenn tagsüber nicht genug Sonne scheint. Die Kombination aus PV-Überschussladen am Tag und günstigen Börsenstrompreisen in der Nacht minimiert Ihre Ladekosten über das ganze Jahr. Die Konfiguration erfolgt in der evcc-Weboberfläche unter Konfiguration → Tarife.
Häufige Fehler bei der evcc-Einrichtung — und wie Sie sie vermeiden
- Dynamische IP-Adressen: Nach einem Router-Neustart bekommen Wechselrichter, Wallbox oder Pi eine neue IP-Adresse — evcc verliert die Verbindung. Lösung: DHCP-Reservierung (feste IP) im Router für alle Geräte.
- Modbus TCP nicht aktiviert: Die meisten Wechselrichter (Fronius, SMA, Huawei, Kostal) liefern Modbus TCP ab Werk deaktiviert. Aktivierung in der Wechselrichter-Weboberfläche oder App erforderlich.
- Fahrzeug-Sperrzustand: BMW i4/iX, VW ID.-Modelle und andere Fahrzeuge gehen in einen Sperrzustand, wenn die Wallbox die Ladung innerhalb kurzer Zeit mehrfach unterbricht. Lösung: Enable-Delay mindestens 1 Minute, Disable-Delay mindestens 10 Minuten in evcc konfigurieren.
- SMA: Falsche Modbus-ID: SMA verwendet standardmäßig die Modbus-ID 126 — nicht 1 wie die meisten anderen Hersteller. Häufigstes Konfigurationsproblem bei SMA-Setups.
- Huawei: Nur ein Modbus-Client: Der SDongleA-03 erlaubt nur eine gleichzeitige Modbus-TCP-Verbindung. Wenn Home Assistant ebenfalls zugreift: Modbus-Proxy in evcc konfigurieren. Der neuere SDongleA-05 (ab 2026) unterstützt zwei Verbindungen.
- Docker: Bridge-Modus statt Host: Im Docker-Bridge-Netzwerk funktionieren UDP-Discovery (SMA Speedwire) und direkte Modbus-Verbindungen nicht. Lösung:
--network hostverwenden.
Sicherheitshinweise: Was Sie bei der Wallbox-Installation beachten müssen
Die Software-Konfiguration von evcc können Sie selbst vornehmen — dafür brauchen Sie keinen Elektriker. Die Montage und der elektrische Anschluss der Wallbox hingegen müssen von einem konzessionierten Elektroinstallationsbetrieb (Elektrofachkraft nach DIN VDE 1000-10) gemäß VDE 0100-722 und den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) Ihres Netzbetreibers durchgeführt werden. Die TAB variieren je nach Netzbetreiber — prüfen Sie die Anforderungen vor der Anmeldung.
Anmeldung und Genehmigung: Wallboxen bis einschließlich 11 kW sind beim Netzbetreiber meldepflichtig. Wallboxen ab 12 kW (also 22-kW-Modelle) sind darüber hinaus genehmigungspflichtig. Für den Fehlerstromschutz ist in der Zuleitung ein RCD Typ A-EV (nach IEC 62955) oder Typ B erforderlich, sofern die Wallbox nur einen integrierten Typ-A-RCD hat.
Weiterführende Tools und Ratgeber
- Wallbox-Finder — Welche Wallbox passt zu Ihrer Wohnsituation, PV-Anlage und Ihrem Budget?
- Wallbox-Gesamtkosten-Rechner — Was kostet Wallbox + Installation + Betrieb?
- PV-Überschussladen — Grundlagen, Eigenverbrauchsoptimierung und Wirtschaftlichkeit
- evcc-Dokumentation — Offizielle Dokumentation mit vollständiger Gerätedatenbank
Häufige Fragen zu evcc
Was kostet evcc?
Welchen Raspberry Pi brauche ich für evcc?
Funktioniert evcc auch ohne PV-Anlage?
Muss ich YAML-Dateien bearbeiten?
Wie viel PV-Überschuss brauche ich zum Laden?
Kann ich evcc parallel zu Home Assistant nutzen?
Alle Angaben basieren auf der evcc-Dokumentation (docs.evcc.io, Stand April 2026) und Erfahrungswerten der Community. evcc wird unter der MIT-Lizenz als Open-Source-Software entwickelt. elektronik-zeit.de steht in keiner geschäftlichen Verbindung zum evcc-Projekt.
→ Alle kostenlosen Online-Tools im Überblick
Alle Wallboxen im Überblick, aktuelle Tests und den interaktiven Wallbox-Finder finden Sie in unserem Wallbox-Ratgeber 2026.