Home Energy Management System (HEMS) 2026: Smart Home trifft Energiewende

Marco A.14 Min. Lesezeit

Ein Home Energy Management System (HEMS) koordiniert Photovoltaikanlage, Heimspeicher, Wärmepumpe und Wallbox so, dass möglichst wenig Strom aus dem Netz bezogen und möglichst viel selbst erzeugter Solarstrom direkt verbraucht wird. Laut einer Studie des Fraunhofer IEE kann ein HEMS den Eigenverbrauchsanteil einer PV-Anlage von rund 30 Prozent ohne Speicher auf über 70 Prozent mit Speicher und intelligenter Steuerung anheben. Damit senken Haushalte ihre Stromkosten um mehrere Hundert Euro pro Jahr – je nach Anlagengröße und Verbrauchsprofil. Seit dem 1. Januar 2024 gilt zudem der novellierte §14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG): Wer steuerbare Verbraucher wie Wärmepumpen oder Wallboxen betreibt, erhält reduzierte Netzentgelte, muss dem Netzbetreiber jedoch eine Steuerungsmöglichkeit einräumen. Ein HEMS übernimmt genau diese Aufgabe und sorgt dafür, dass Sie trotz externer Steuerungssignale komfortabel und kostenoptimiert Energie nutzen.

Auf dieser Seite erfahren Sie, welche HEMS-Lösungen 2026 am Markt verfügbar sind, welche Protokolle Ihre Geräte beherrschen müssen und wie sich die Investition in ein Energiemanagementsystem innerhalb weniger Jahre rechnet. Wenn Sie Ihre PV-Anlage planen oder bereits betreiben, ist ein HEMS der logische nächste Schritt zur vollständigen Energieautarkie.

HEMS im Fakten-Überblick: Aufgaben, Einsparpotenzial und Marktführer

  • Kernaufgabe: Automatische Verteilung von PV-Strom auf Verbraucher, Speicher und Netzeinspeisung – in Echtzeit und vorausschauend.
  • Einsparpotenzial: Zwischen 300 und 800 Euro pro Jahr für einen Vier-Personen-Haushalt mit PV-Anlage (10 kWp), Speicher (10 kWh) und Wärmepumpe.
  • §14a EnWG: Seit 01.01.2024 Pflicht zur Steuerbarkeit für neue Wärmepumpen und Wallboxen – ein HEMS erfüllt diese Anforderung.
  • Marktführer 2026: SMA Sunny Home Manager 2.0, E3/DC Hauskraftwerk, Kostal KSEM, 1KOMMA5° Heartbeat, Home Assistant Energy (Open Source).
  • Protokolle: SG-Ready, EEBUS, OCPP, Modbus TCP und MQTT bilden das Kommunikationsgerüst moderner HEMS.

Quellen: Fraunhofer IEE – Flexibilitätsvermarktung in Haushalten; BNetzA Beschluss BK6-22-300 zur Novellierung des §14a EnWG; Herstellerangaben von SMA, E3/DC, Kostal und 1KOMMA5°.

Was ein HEMS leistet – und warum es ohne PV keinen Sinn ergibt

Ein HEMS ist kein Smart-Home-Gadget, sondern ein Energieregler. Es misst sekundengenau die Erzeugung Ihrer PV-Anlage, den aktuellen Hausverbrauch und den Ladezustand Ihres Heimspeichers. Aus diesen Daten berechnet das System, welcher Verbraucher wann eingeschaltet wird. Die Wärmepumpe heizt den Pufferspeicher auf, solange die Sonne scheint. Die Wallbox lädt das E-Auto mit dem verbleibenden Überschuss. Der Batteriespeicher fängt den Rest auf und gibt ihn abends wieder ab.

Ohne Photovoltaikanlage fehlt dem HEMS die steuerbare Energiequelle. Zwar können auch Haushalte mit reinem Netzbezug von dynamischen Stromtarifen profitieren, doch das volle Potenzial entfaltet ein HEMS erst, wenn eigener Solarstrom vorhanden ist. Die Orchestrierung von PV, Speicher, Wärmepumpe und Wallbox – oft als Sektorenkopplung bezeichnet – erfordert ein zentrales System, das alle Komponenten kennt und deren Betrieb optimiert.

Im Kern arbeitet ein HEMS nach einem einfachen Prinzip: Eigenverbrauch maximieren, Netzbezug minimieren, Einspeisevergütung nur dann nutzen, wenn kein sinnvoller Eigenverbrauch möglich ist. Fortgeschrittene Systeme berücksichtigen zusätzlich Wetterprognosen, Fahrpläne des E-Autos und die Preissignale dynamischer Tarife, um den wirtschaftlichen Nutzen weiter zu steigern. Mit dem Start von Energy Sharing im Juni 2026 kommt eine weitere Optimierungsstufe hinzu: Ein HEMS kann überschüssigen PV-Strom, der weder selbst verbraucht noch gespeichert wird, automatisch einer Sharing-Community zuordnen.

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht den Nutzen: An einem sonnigen Apriltag erzeugt eine 10-kWp-Anlage zwischen 10 und 14 Uhr rund 7 kW Leistung. Der Grundverbrauch des Haushalts liegt bei 500 Watt. Ohne HEMS fließen rund 6,5 kW ins Netz – zum Einspeisepreis von 8,1 Cent pro Kilowattstunde. Mit HEMS erkennt das System den Überschuss und aktiviert nacheinander: erst den Speicher (3 kW Ladeleistung), dann die Wärmepumpe (2 kW), dann die Wallbox (1,5 kW). Von den 6,5 kW Überschuss werden so 6,5 kW im Haus verbraucht – zum Gegenwert des vermiedenen Netzbezugs von 30 bis 35 Cent pro Kilowattstunde. Die Differenz zwischen Einspeisevergütung und vermiedenem Netzbezug beträgt pro Kilowattstunde über 20 Cent. Auf ein Jahr gerechnet ergibt sich daraus die Wirtschaftlichkeit eines HEMS.

Infografik: So verteilt das HEMS Ihren PV-Ueberschuss. An einem sonnigen Apriltag mit 10 kWp PV-Anlage und 7 kW Erzeugung um 12 Uhr werden 0,5 kW fuer den Haushalt, 3,0 kW fuer den Speicher, 2,0 kW fuer die Waermepumpe und 1,5 kW fuer die Wallbox verwendet. Netzeinspeisung 0 kW. Vermiedener Netzbezug: 6,5 kW mal 26 Cent Spread gleich 1,69 Euro pro Stunde.
So verteilt das HEMS 7 kW PV-Ueberschuss auf Haushalt, Speicher, Waermepumpe und Wallbox. Quellen: SMA, E3/DC, evcc.

Die wichtigsten HEMS-Produkte im Vergleich

Der Markt bietet 2026 sowohl herstellergebundene als auch offene Lösungen. Die folgende Tabelle zeigt die relevantesten Systeme mit ihren Stärken und Einschränkungen.

SystemTypProtokolleStärkenEinschränkungen
SMA Sunny Home Manager 2.0Hardware (Gateway)SG-Ready, EEBUS, ModbusBreite Gerätekompatibilität, bewährte Prognose-Algorithmen, lokale VerarbeitungNur mit SMA-Wechselrichtern volle Funktionalität
E3/DC HauskraftwerkAll-in-One (WR + Speicher + HEMS)SG-Ready, Modbus, RSCPNotstromfähig, vollintegriert, hohe Autarkie durch InselbetriebGeschlossenes System, eingeschränkte Drittanbieter-Integration
Kostal KSEM (Smart Energy Meter)Hardware (Energiemeter)SG-Ready, Modbus TCPGünstig, einfache Installation, präzise MessungBegrenzte Automatisierung ohne Kostal-Wechselrichter
1KOMMA5° HeartbeatCloud-HEMSEEBUS, SG-Ready, OCPPKI-gestützte Prognose, dynamische Tarifanbindung, automatische OptimierungCloud-Abhängigkeit, Datenschutz-Fragen, nur mit 1KOMMA5°-Hardware
Home Assistant EnergyOpen Source (Software)MQTT, Modbus, REST-APIMaximale Flexibilität, keine Cloud-Pflicht, große CommunityTechnisches Know-how erforderlich, kein offizieller Support

Quellen: Produktdatenblätter der jeweiligen Hersteller (Stand: Q1 2026).

SG-Ready, EEBUS und OCPP: Welche Protokolle Ihr System sprechen muss

Damit ein HEMS Wärmepumpe, Wallbox und Speicher tatsächlich steuern kann, müssen alle Geräte eine gemeinsame Sprache sprechen. In der Praxis haben sich drei Kommunikationsstandards durchgesetzt, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

SG-Ready (Smart Grid Ready) ist ein einfaches Signalprotokoll für Wärmepumpen. Über zwei potentialfreie Kontakte empfängt die Wärmepumpe einen von vier Betriebsmodi – von Sperrung bis Zwangseinschaltung. Nahezu alle aktuellen Wärmepumpen unterstützen SG-Ready. Das Protokoll ist robust, aber in seinen Möglichkeiten begrenzt: Es überträgt keine Leistungswerte, sondern nur Schaltbefehle.

EEBUS geht einen Schritt weiter. Dieser offene Kommunikationsstandard wurde speziell für die Energiewende im Gebäude entwickelt und ermöglicht eine differenzierte Leistungssteuerung. Über EEBUS kann das HEMS der Wallbox beispielsweise mitteilen, mit genau 4,2 kW zu laden – statt nur „an“ oder „aus“. Der §14a EnWG setzt auf EEBUS als Kommunikationsweg zwischen Netzbetreiber und steuerbarem Verbraucher.

OCPP (Open Charge Point Protocol) ist der Standard für die Kommunikation zwischen Wallbox und Lademanagement-Backend. Wer mehrere Ladepunkte betreibt oder öffentliches Laden anbietet, kommt an OCPP nicht vorbei. Für die Integration ins HEMS spielt OCPP vor allem bei der Lastverteilung eine Rolle.

Zusätzlich nutzen viele Systeme Modbus TCP für die direkte Kommunikation mit Wechselrichtern und Energiemessgeräten sowie MQTT als leichtgewichtiges Protokoll im Smart-Home-Umfeld. Achten Sie beim Kauf neuer Geräte darauf, dass mindestens SG-Ready und idealerweise EEBUS unterstützt werden.

Infografik: Protokoll-Stack zeigt vier Kommunikationsschichten fuer Energiegeraete. Unten SG-Ready mit 2 Kontakten und 4 Modi, darueber Modbus TCP fuer Wechselrichter, dann EEBUS fuer differenzierte Leistungssteuerung, oben OCPP fuer Ladepunkt-Management. MQTT verbindet seitlich die oberen drei Schichten.
Der Protokoll-Stack: SG-Ready, Modbus, EEBUS und OCPP im Zusammenspiel. Quellen: VDE, EEBUS Initiative.

§14a EnWG: Warum steuerbare Verbraucher ein HEMS brauchen

Mit dem Beschluss BK6-22-300 der Bundesnetzagentur (BNetzA) wurde der §14a des Energiewirtschaftsgesetzes zum 1. Januar 2024 neu gefasst. Die Regelung betrifft steuerbare Verbrauchseinrichtungen – konkret Wärmepumpen, Wallboxen und Klimaanlagen. Wer solche Geräte neu in Betrieb nimmt, muss dem Netzbetreiber eine Steuerungsmöglichkeit einräumen. Im Gegenzug erhalten Betreiber ein reduziertes Netzentgelt – je nach Netzgebiet und gewähltem Modul um bis zu 60 Prozent.

In der Praxis bedeutet das: Der Netzbetreiber darf in Engpasssituationen die Leistung steuerbarer Verbraucher auf 4,2 kW begrenzen – aber nicht vollständig abschalten. Für Haushalte mit einem Komplettsystem aus PV, Wallbox und Wärmepumpe ist ein HEMS hier entscheidend: Es verteilt die verfügbare Leistung intelligent auf die Verbraucher, sodass trotz Netzengpass weder das E-Auto ungeladen bleibt noch die Heizung ausfällt.

Ohne HEMS müssen Sie die Priorisierung selbst vornehmen oder riskieren, dass der Netzbetreiber Geräte undifferenziert drosselt. Ein HEMS dagegen bewertet die Situation automatisch: Ist der Speicher voll und das Auto braucht Strom, wird die Wärmepumpe kurzzeitig heruntergefahren. Kommt gleichzeitig PV-Strom vom Dach, wird dieser bevorzugt genutzt, bevor Netzstrom zugeteilt wird.

PV-Überschussladen: So fließt Sonnenstrom in Ihr E-Auto

PV-Überschussladen bedeutet, dass Ihre Wallbox nur dann lädt, wenn mehr Solarstrom erzeugt wird, als der Haushalt gerade verbraucht. Das klingt einfach, stellt in der Praxis aber einige Anforderungen: Die Wallbox muss die Ladeleistung stufenlos regeln können, und ein Energiemessgerät am Hausanschluss muss den Überschuss in Echtzeit ermitteln.

Das Open-Source-Projekt evcc hat sich als Standard für PV-Überschussladen etabliert. Die Software unterstützt über 80 Wallbox-Modelle und kommuniziert direkt mit dem Wechselrichter, um den verfügbaren Überschuss zu berechnen. Viele HEMS-Systeme wie der SMA Sunny Home Manager oder Home Assistant Energy nutzen ähnliche Algorithmen, während evcc sich durch seine Herstellerunabhängigkeit auszeichnet.

Eine typische PV-Überschussladung funktioniert so: Die PV-Anlage erzeugt am Mittag 7 kW. Der Haushalt verbraucht 1,5 kW, der Speicher ist bereits voll. Das HEMS erkennt 5,5 kW Überschuss und weist die Wallbox an, das E-Auto mit dieser Leistung zu laden. Zieht eine Wolke auf und die Erzeugung sinkt auf 3 kW, reduziert das System die Ladeleistung automatisch auf 1,5 kW – oder pausiert die Ladung, falls die Mindestladeleistung der Wallbox (oft 1,4 kW einphasig) unterschritten wird.

Für die praktische Umsetzung benötigen Sie drei Komponenten: einen kompatiblen Wechselrichter mit Kommunikationsschnittstelle (Modbus TCP oder SunSpec), ein Energiemessgerät am Hausanschluss und eine Wallbox mit stufenloser Leistungsregelung. Empfehlenswerte Wallboxen für PV-Überschussladen unterstützen OCPP oder Modbus und können die Ladeleistung zwischen 1,4 kW (einphasig, 6 A) und 11 kW (dreiphasig, 16 A) dynamisch anpassen. Weitere Details zur Wallbox-Auswahl finden Sie in unserem Wallbox-Ratgeber.

Wärmepumpe intelligent steuern: SG-Ready in der Praxis

SG-Ready definiert vier Betriebsmodi, die ein HEMS über zwei Schaltkontakte an die Wärmepumpe sendet:

  • Modus 1 (Sperrung): Die Wärmepumpe wird für maximal zwei Stunden gesperrt – etwa bei extrem hohen Netzentgelten oder auf Signal des Netzbetreibers gemäß §14a.
  • Modus 2 (Normalbetrieb): Die Wärmepumpe arbeitet nach ihrer eigenen Regelung. Das HEMS greift nicht ein.
  • Modus 3 (Empfehlung Einschalten): Das HEMS signalisiert PV-Überschuss. Die Wärmepumpe erhöht die Vorlauftemperatur und nutzt den Pufferspeicher als thermischen Energiespeicher.
  • Modus 4 (Zwangseinschaltung): Bei sehr hohem PV-Überschuss läuft die Wärmepumpe mit voller Leistung. Dieser Modus wird selten verwendet und dient der Abregelung bei drohender Netzeinspeisung über der Begrenzung.

In der Praxis nutzt ein gut konfiguriertes HEMS vorwiegend Modus 2 und 3. An sonnigen Tagen schaltet es die Wärmepumpe in Modus 3, sobald der PV-Überschuss die Leistungsaufnahme der Wärmepumpe übersteigt. Der Pufferspeicher wird dann auf bis zu 55 Grad Celsius aufgeheizt – abends kann die Wärmepumpe ruhen, weil die gespeicherte Wärme den Bedarf deckt. In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus mit Fußbodenheizung lässt sich so der Strombezug der Wärmepumpe aus dem Netz um 40 bis 60 Prozent reduzieren.

Dynamische Stromtarife und HEMS: Arbitrage mit dem Heimspeicher

Seit 2025 sind alle Stromversorger in Deutschland verpflichtet, mindestens einen dynamischen Tarif anzubieten. Anbieter wie Tibber oder aWATTar geben die stündlich wechselnden Börsenpreise der EPEX SPOT direkt an Endkunden weiter. Ein HEMS kann diese Preissignale nutzen, um den Heimspeicher gezielt in günstigen Stunden zu laden und in teuren Stunden den gespeicherten Strom zu verbrauchen.

Die Preisspreizung an der EPEX SPOT beträgt zwischen den günstigsten und teuersten Stunden eines Tages häufig 10 bis 20 Cent pro Kilowattstunde. Bei einem Speicher mit 10 kWh nutzbarer Kapazität und einem Roundtrip-Wirkungsgrad von ca. 90 Prozent ergibt sich eine theoretische Ersparnis von 0,50 bis 1,50 Euro pro Tag – über ein Jahr summiert sich das realistisch auf 150 bis 400 Euro, da nicht jeder Tag ausreichende Preisspreizungen bietet. In Kombination mit PV-Eigenverbrauch ergänzt die Tarifarbitrage die Strategie: Tagsüber lädt die Sonne den Speicher kostenlos, nachts kauft das HEMS günstig Netzstrom zu, und in den Hochpreisstunden morgens und abends wird ausschließlich gespeicherter Strom genutzt.

Weitere Informationen zur Tarifwahl finden Sie in unserem Ratgeber zu dynamischen Stromtarifen.

Cloud-HEMS vs. lokale Steuerung: Datenschutz und Ausfallsicherheit

Bei der Wahl eines HEMS steht eine grundlegende Architektur-Entscheidung an: Läuft die Steuerung lokal auf einem Gerät in Ihrem Zuhause oder in der Cloud des Herstellers?

Cloud-basierte Systeme wie 1KOMMA5° Heartbeat senden Ihre Verbrauchsdaten an externe Server, wo KI-Algorithmen die Optimierung berechnen. Der Vorteil: leistungsfähige Prognosemodelle, automatische Updates und keine lokale Hardware nötig. Der Nachteil: Fällt die Internetverbindung aus oder stellt der Hersteller seinen Dienst ein, verliert Ihr System seine Intelligenz. Zudem liegen sekundengenau aufgelöste Energiedaten auf fremden Servern – aus Datenschutzperspektive ein Punkt, den Sie bewusst abwägen sollten.

Lokale Systeme wie der SMA Sunny Home Manager, das E3/DC Hauskraftwerk oder Home Assistant Energy verarbeiten alle Daten im Haus. Die Steuerung funktioniert auch ohne Internet. Updates müssen Sie bei Open-Source-Lösungen selbst einspielen, und die Algorithmen sind oft weniger komplex als cloudbasierte KI-Modelle. Für technikaffine Nutzer, die Wert auf Datenhoheit legen, ist die lokale Variante dennoch häufig die bessere Wahl.

Einige Hersteller bieten Hybridmodelle an: Die Grundsteuerung läuft lokal, während Wetterprognosen und Tarifoptimierung über eine Cloud-Schnittstelle bezogen werden. Fällt das Internet aus, arbeitet das System im eingeschränkten Modus weiter.

Für die Entscheidung zwischen Cloud und lokal sollten Sie drei Fragen klären: Erstens, wie stabil ist Ihre Internetverbindung? In ländlichen Gebieten mit häufigen Ausfällen ist ein lokal arbeitendes System verlässlicher. Zweitens, wie wichtig ist Ihnen die langfristige Verfügbarkeit? Cloud-Dienste können eingestellt werden, wenn der Anbieter sein Geschäftsmodell ändert – eine lokale Lösung bleibt funktionsfähig, solange die Hardware läuft. Drittens, wie hoch ist Ihre technische Bereitschaft? Home Assistant erfordert Einarbeitung und gelegentliche Wartung, dafür behalten Sie die volle Kontrolle über Ihr System und Ihre Daten.

Was ein HEMS kostet – und wann es sich amortisiert

Die Kosten für ein HEMS variieren stark je nach Systemtyp und Integrationstiefe:

  • Einfaches Energiemessgerät (z. B. Kostal KSEM): 200 bis 400 Euro zzgl. Installation. Misst Ströme und gibt Daten an den Wechselrichter weiter, bietet aber nur eingeschränkte Steuerungsfunktionen.
  • Dediziertes HEMS-Gateway (z. B. SMA Sunny Home Manager 2.0): 400 bis 700 Euro zzgl. Installation. Vollständige Steuerung mit Prognose, SG-Ready-Ausgang und Verbraucherpriorisierung.
  • All-in-One-System (z. B. E3/DC Hauskraftwerk): Im Gesamtpreis des Speichersystems enthalten (ab ca. 10.000 Euro). Die HEMS-Funktion ist integriert.
  • Cloud-HEMS (z. B. 1KOMMA5° Heartbeat): In der Regel im Paketpreis enthalten, oft mit monatlichen Servicegebühren zwischen 10 und 20 Euro.
  • Open-Source (z. B. Home Assistant + evcc): Hardwarekosten für einen Raspberry Pi oder Mini-PC ab 50 Euro, dazu Energiemessgeräte ab 100 Euro. Zeitinvestition für Einrichtung: 10 bis 30 Stunden.

Die Amortisation hängt vom Einsparpotenzial ab. Bei einem typischen Vier-Personen-Haushalt mit PV-Anlage (10 kWp), Speicher (10 kWh), Wärmepumpe und E-Auto liegt die jährliche Ersparnis durch optimiertes Energiemanagement bei 500 bis 800 Euro gegenüber einer ungeregelten Anlage. Ein HEMS-Gateway für 600 Euro amortisiert sich damit in weniger als 18 Monaten. Rechnen Sie zusätzlich die reduzierten Netzentgelte gemäß §14a ein – bei manchen Netzbetreibern bis zu 150 Euro pro Jahr –, verkürzt sich die Amortisationszeit weiter.

Häufige Fragen zu Home Energy Management Systemen

Brauche ich ein HEMS, wenn ich nur eine PV-Anlage ohne Speicher habe?

Auch ohne Speicher kann ein HEMS sinnvoll sein, wenn Sie steuerbare Verbraucher wie eine Wärmepumpe oder Wallbox besitzen. Das System verschiebt den Verbrauch in die Sonnenstunden und erhöht so Ihren Eigenverbrauchsanteil. Den vollen Nutzen entfaltet ein HEMS allerdings erst mit einem Heimspeicher, der überschüssigen Strom für die Abendstunden puffert.

Kann ich ein HEMS nachträglich in eine bestehende PV-Anlage integrieren?

Ja. Die meisten HEMS-Lösungen lassen sich nachrüsten. Voraussetzung ist ein kompatibler Wechselrichter oder ein separates Energiemessgerät am Hausanschluss. Open-Source-Lösungen wie Home Assistant sind besonders flexibel, da sie viele Geräte über Modbus oder MQTT anbinden können. Prüfen Sie vor der Anschaffung, ob Ihr Wechselrichter eine unterstützte Schnittstelle bietet.

Welche Daten erfasst ein HEMS, und sind diese datenschutzrechtlich bedenklich?

Ein HEMS erfasst sekundengenaue Erzeugungs- und Verbrauchsdaten Ihres Haushalts. Bei lokaler Verarbeitung verlassen diese Daten Ihr Netzwerk nicht. Cloud-basierte Systeme übertragen die Daten an den Hersteller – informieren Sie sich in diesem Fall über die Datenschutzrichtlinien und prüfen Sie, ob eine lokale Fallback-Lösung existiert. Für die Steuerung gemäß §14a werden nur aggregierte Leistungsdaten an den Netzbetreiber übermittelt, keine detaillierten Verbrauchsprofile.

Funktioniert PV-Überschussladen auch im Winter?

Im Winter erzeugt eine PV-Anlage in Deutschland deutlich weniger Strom – an kurzen, bewölkten Tagen oft unter 1 kW. PV-Überschussladen ist dann nur eingeschränkt möglich, da die Mindestladeleistung einer Wallbox (1,4 kW einphasig) häufig nicht erreicht wird. Ein HEMS mit dynamischer Tarifanbindung kann hier einspringen und das E-Auto stattdessen in den günstigen Nachtstunden laden.

Lohnt sich ein HEMS auch ohne E-Auto und Wärmepumpe?

Der Nutzen ist dann deutlich geringer. Ohne große steuerbare Verbraucher beschränkt sich die Optimierung auf Waschmaschine, Geschirrspüler und Speicherladung – die Einsparung liegt in diesem Fall bei unter 200 Euro pro Jahr. Planen Sie mittelfristig die Anschaffung einer Wärmepumpe oder eines E-Autos, lohnt es sich jedoch, ein HEMS-fähiges System bereits jetzt zu berücksichtigen. Viele Wechselrichter-Hersteller wie SMA oder Kostal liefern die HEMS-Grundfunktion bereits in ihren aktuellen Geräten mit – Sie zahlen also nur das Energiemessgerät und die Einrichtung und sind für künftige Erweiterungen vorbereitet.

Autor

Marco A.

Technik-Redakteur bei Elektronik-Zeit. Spezialisiert auf Ladetechnik, Photovoltaik und Energiespeicher.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde von Marco A. mit Unterstützung von KI-Werkzeugen recherchiert und verfasst. Alle Inhalte sind redaktionell geprüft.