Wer einen PV-Speicher besitzt, kann bei einem Stromausfall weiterhin Strom nutzen, allerdings nur unter bestimmten technischen Voraussetzungen. Laut VDE-AR-N 4105 muss jede netzgekoppelte PV-Anlage sich bei einem Netzausfall innerhalb von 200 Millisekunden vom öffentlichen Netz trennen. Ohne zusätzliche Umschalteinrichtung schaltet sich damit auch Ihre Solaranlage ab, obwohl der Speicher noch geladen ist. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Ihr Speicher voll ist, sondern ob Ihr System ersatzstromfähig ist. In Deutschland sind nach Angaben des BSW Solar Stand 2025 über 1,1 Millionen Heimspeicher installiert, doch nur ein Bruchteil davon ist tatsächlich für eine Ersatzstromversorgung konfiguriert. Der Unterschied zwischen Notstrom und Ersatzstrom ist dabei kein Marketingbegriff, sondern eine technische Klassifizierung mit konkreten Auswirkungen auf Umschaltzeit, Leistungsfähigkeit und Installationsaufwand. Diese Seite erklärt die drei Betriebsmodi, vergleicht aktuelle Systeme und zeigt, was bei einem Stromausfall realistisch möglich ist, und was nicht.
Fakten-Überblick: Notstrom, Ersatzstrom und Inselbetrieb auf einen Blick
- Drei Betriebsmodi: Notstrom (einzelne Steckdose), Ersatzstrom (gesamtes Hausnetz), Inselbetrieb (vollständig netzunabhängig)
- Umschaltzeit: Je nach System zwischen unter 20 Millisekunden (unterbrechungsfrei) und mehreren Sekunden (manuell)
- Nachrüstkosten: Eine Umschaltbox mit Installation kostet zwischen 500 und 1.500 Euro, abhängig vom System und der Verkabelung
- Typische Ersatzstromleistung: Die meisten Heimspeicher liefern im Inselbetrieb zwischen 3 und 6 kW Dauerleistung
- Wichtige Systeme 2026: SMA Sunny Island, E3/DC S10 X, Fronius GEN24 Plus, Huawei LUNA mit Backup-Box, Kostal mit Enwitec-Box, Sungrow SH-Serie
Quellen: VDE-AR-N 4105:2018, VDE-AR-E 2510-2, BSW Solar Statistik 2025, Herstellerdatenblätter SMA, E3/DC, Fronius, Huawei, Kostal, Sungrow (Stand: März 2026)
Notstrom, Ersatzstrom, Inselbetrieb: Drei Begriffe, drei verschiedene Systeme
Die Begriffe Notstrom und Ersatzstrom werden im Alltag häufig synonym verwendet, beschreiben aber technisch völlig unterschiedliche Funktionen. Für die Entscheidung, welches System Sie benötigen, ist diese Unterscheidung entscheidend. Ein häufiger Irrtum: Viele Speicherbesitzer glauben, dass ihr System bei Stromausfall automatisch das Haus versorgt. Tatsächlich schaltet sich die PV-Anlage bei Netzausfall gemäß VDE-Vorschrift ab, und ohne zusätzliche Umschalteinrichtung bleibt der Speicher ungenutzt. Die folgende Tabelle zeigt die drei grundlegenden Betriebsmodi im direkten Vergleich.
| Merkmal | Notstrom (NOT) | Ersatzstrom (ESS) | Inselbetrieb (OFF-GRID) |
|---|---|---|---|
| Versorgungsbereich | Einzelne Steckdose am Wechselrichter | Gesamtes Hausnetz oder definierte Kreise | Gesamtes Hausnetz, dauerhaft netzunabhängig |
| Umschaltzeit | Mehrere Sekunden bis manuell | Unter 20 ms (automatisch) | Keine Umschaltung nötig |
| Automatisch | Teilweise (je nach Modell) | Ja, vollautomatisch | Dauerbetrieb |
| PV-Nachladung im Ausfall | Nein (meist nicht) | Ja, PV lädt Speicher im Ersatzbetrieb | Ja, PV ist einzige Quelle |
| Zusätzliche Hardware | Keine oder Notstrom-Steckdose | Umschaltbox (z. B. Enwitec), NA-Schutz | Komplettes Inselsystem |
| Typische Kosten (Nachrüstung) | 0 bis 200 Euro | 500 bis 1.500 Euro | Ab 5.000 Euro aufwärts |
Wichtig: Eine reine Notstrom-Steckdose versorgt nur einzelne Geräte mit begrenzter Leistung (meist 2 bis 3 kW). Für die Versorgung von Heizung, Kühlschrank und Beleuchtung benötigen Sie eine Ersatzstromlösung mit automatischer Umschaltung. Einen umfassenden Überblick über Speichersysteme und deren Funktionen finden Sie im Heimspeicher-Ratgeber.
Diese Speicher-Systeme bieten Ersatzstromfähigkeit
Nicht jeder Wechselrichter und nicht jeder Speicher kann Ersatzstrom liefern. Die folgende Tabelle zeigt Systeme, die 2026 am deutschen Markt mit Ersatzstromfunktion verfügbar sind. Alle Angaben stammen aus den offiziellen Herstellerdatenblättern.
| System | Ersatzstrom-Leistung | Umschaltzeit | Schwarzstartfähig | Zusätzliche Hardware |
|---|---|---|---|---|
| SMA Sunny Island 4.4M / 6.0H | Bis 6 kW (einphasig) / 3x 6 kW (dreiphasig) | Unter 20 ms | Ja | Multicluster-Box bei 3-phasig |
| E3/DC S10 X | Bis 6 kW (dreiphasig) | Unter 20 ms | Ja | Keine (integriert) |
| Fronius GEN24 Plus | Bis 5 kW (einphasig) / 3x 5 kW | Unter 20 ms | Ja (ab Firmware-Update 2024) | Fronius Checkpoint oder Enwitec-Box |
| Huawei SUN2000 + LUNA2000 + Backup-Box | Bis 5 kW (einphasig, Backup-Box-3) | Unter 20 ms | Nein | Backup-Box-3 erforderlich |
| Kostal Plenticore + BYD + Enwitec | Bis 4,6 kW (einphasig) | Ca. 1 bis 5 Sekunden | Nein | Enwitec Netz-Umschaltbox |
| Sungrow SH-RT Serie | Bis 6 kW (einphasig) / dreiphasig optional | Unter 20 ms | Ja | Backup-Box bei Nachrüstung |
Hinweis: Die tatsächlich verfügbare Ersatzstromleistung hängt von der PV-Anlagengröße, dem Speicher-Ladezustand und der Konfiguration ab. Prüfen Sie die Kompatibilität Ihres Systems in der Kompatibilitäts-Matrix.
Was Sie bei Stromausfall tatsächlich betreiben können, und was nicht
Die häufigste Fehleinschätzung bei Ersatzstrom: Viele Anlagenbesitzer gehen davon aus, dass ein voller 10-kWh-Speicher das komplette Haus über Stunden versorgt. In der Praxis sieht die Rechnung anders aus.
Typische Verbrauchswerte einzelner Geräte:
- Kühl-Gefrier-Kombination: 100 bis 150 Watt Dauerleistung (ca. 1,2 kWh pro Tag)
- Gasheizung (Umwälzpumpe + Steuerung): 50 bis 200 Watt
- LED-Beleuchtung (10 Räume): 50 bis 100 Watt
- WLAN-Router + Telefon: 15 bis 30 Watt
- Laptop laden: 60 bis 100 Watt
- Minimale Grundversorgung gesamt: ca. 300 bis 500 Watt (0,3 bis 0,5 kW)
Geräte mit hoher Leistungsaufnahme, kritisch im Ersatzbetrieb:
- Elektroherd / Backofen: 2.000 bis 4.000 Watt, allein schon nahe an der Leistungsgrenze vieler Systeme
- Wasserkocher: 1.800 bis 2.200 Watt
- Wärmepumpe: 1.500 bis 4.000 Watt. Anlaufströme können die Ersatzstromversorgung überlasten
- Durchlauferhitzer: 18.000 bis 24.000 Watt, im Ersatzbetrieb nicht betreibbar
Mit einer Ersatzstromleistung von 5 kW und einem disziplinierten Verbrauch von 300 bis 500 Watt reicht ein 10-kWh-Speicher rechnerisch 20 bis 30 Stunden. Kommen Herd und Wärmepumpe hinzu, schrumpft die Dauer auf 2 bis 4 Stunden.
Einphasig vs. dreiphasig, warum das im Ausfall entscheidend ist: In einem deutschen Haushalt verteilen sich die Stromkreise auf drei Phasen (L1, L2, L3). Ein einphasiges Ersatzstromsystem versorgt nur die Geräte auf einer Phase. Kühlschrank, Router und Heizung können auf verschiedenen Phasen liegen, und bei einphasiger Ersatzstromversorgung bleiben zwei davon ohne Strom. Dreiphasige Systeme wie der E3/DC S10 X versorgen alle drei Phasen gleichzeitig. Bei einphasigen Systemen kann Ihr Elektriker die wichtigsten Verbraucher auf eine Phase zusammenlegen, das erfordert jedoch Umverkabelung im Zählerschrank und sollte bei der Nachrüstung eingeplant werden.
Anlaufströme beachten: Motoren in Kühlschränken, Gefriertruhen und Pumpen ziehen beim Einschalten kurzzeitig das 3- bis 8-fache ihres Nennstroms. Ein Kühlschrank mit 150 Watt Dauerleistung kann beim Anlaufen für eine Sekunde 800 bis 1.200 Watt ziehen. Wenn mehrere Motoren gleichzeitig starten, kann das die Ersatzstromversorgung überlasten und zum Abschalten führen. Moderne Ersatzstromsysteme verfügen über einen kurzzeitigen Überlastschutz, der diese Spitzen abfängt, prüfen Sie die Spitzenleistung (Peak Power) in den technischen Daten Ihres Systems.
Technische Voraussetzungen: Umschaltbox, NA-Schutz und Verkabelung
Für eine funktionsfähige Ersatzstromversorgung müssen mehrere Komponenten zusammenspielen. Die Installation muss zwingend von einem eingetragenen Elektrofachbetrieb durchgeführt werden. Die folgenden Punkte gelten für alle Systeme, unabhängig vom Hersteller.
- Umschalteinrichtung (Umschaltbox): Trennt das Hausnetz automatisch vom öffentlichen Netz und schaltet auf Speicherversorgung um. Gängige Modelle sind die Enwitec Netzumschaltbox und herstellerspezifische Lösungen wie die Huawei Backup-Box oder den Fronius Checkpoint.
- NA-Schutz (Netz- und Anlagenschutz): Vorgeschrieben nach VDE-AR-N 4105. Überwacht Spannung und Frequenz und trennt die Anlage bei Abweichungen. Bei Ersatzstrom muss der NA-Schutz korrekt konfiguriert sein, damit der Speicher im Inselbetrieb nicht fälschlicherweise abschaltet.
- Dreiphasige Versorgung: Deutsche Haushalte nutzen ein dreiphasiges Netz. Einige Ersatzstromsysteme versorgen nur eine Phase, das bedeutet, dass Geräte auf den anderen beiden Phasen bei einem Ausfall ohne Strom bleiben. Systeme wie E3/DC S10 X oder SMA Sunny Island im Dreiphasenbetrieb können alle drei Phasen bedienen.
- Verkabelung: Der Zählerschrank muss für die Umschaltbox vorbereitet werden. In Altbauten kann das zusätzliche Leitungsarbeiten erfordern.
Erdung und Potentialausgleich: Im Inselbetrieb entfällt der Bezugspunkt des öffentlichen Netzes. Der Wechselrichter muss deshalb einen eigenen Neutralleiter-Bezug herstellen. Dies geschieht über einen sogenannten N-PE-Schalter in der Umschaltbox, der im Ersatzbetrieb automatisch den Neutralleiter mit dem Schutzleiter verbindet. Ohne diesen Schalter funktionieren FI-Schutzschalter im Inselbetrieb nicht korrekt, ein erhebliches Sicherheitsrisiko.
Sicherheitshinweis: Die Installation einer Umschalteinrichtung ist keine Heimwerkerarbeit. Fehlerhafte Installationen können zu Rückspeisung ins öffentliche Netz führen und damit Techniker des Netzbetreibers gefährden. Lassen Sie die Arbeiten ausschließlich von einem zertifizierten Fachbetrieb ausführen, der bei Ihrem Netzbetreiber eingetragen ist.
Was die Nachrüstung kostet: Umschaltbox und Installation
Die Kosten für eine Ersatzstrom-Nachrüstung hängen vom vorhandenen System und dem gewünschten Umfang ab.
| Position | Kosten (netto, ca.) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Enwitec Netzumschaltbox (1-phasig) | 500 bis 700 Euro | Passend für Kostal, Fronius, SMA u. a. |
| Enwitec Netzumschaltbox (3-phasig) | 800 bis 1.200 Euro | Für dreiphasige Ersatzstromversorgung |
| Huawei Backup-Box-3 | 400 bis 600 Euro | Nur für Huawei SUN2000 + LUNA2000 |
| Fronius Checkpoint | 600 bis 900 Euro | Für Fronius GEN24 Plus |
| Elektrikerarbeiten (Installation + Inbetriebnahme) | 300 bis 800 Euro | Abhängig von Zählerschrank-Zustand |
| Gesamtkosten Nachrüstung | 800 bis 2.000 Euro | Einphasig günstiger, dreiphasig teurer |
Bei Neuinstallation einer PV-Anlage mit Speicher ist die Ersatzstromfunktion oft günstiger zu realisieren, da die Verkabelung von Anfang an darauf ausgelegt werden kann. Fragen Sie Ihren Installateur gezielt nach Ersatzstrom, viele Angebote enthalten diese Funktion nicht standardmäßig.
Kostenfalle Altbau: In Gebäuden mit veralteten Zählerschränken (vor 2010) kann der Umbau aufwendiger werden. Wenn der Zählerplatz nicht den aktuellen TAR-Anforderungen (Technische Anschlussregeln) entspricht, verlangt der Netzbetreiber unter Umständen eine Modernisierung des gesamten Zählerschranks. Die Kosten dafür liegen zwischen 1.500 und 3.000 Euro und kommen zu den Nachrüstkosten für die Umschaltbox hinzu. Lassen Sie Ihren Elektrofachbetrieb den Zählerschrank vorab prüfen, bevor Sie ein Angebot für die Ersatzstromfunktion einholen.
Wirtschaftliche Einordnung: Die durchschnittliche Stromausfalldauer in Deutschland lag nach Angaben der Bundesnetzagentur im Jahr 2023 bei 12,2 Minuten pro Endverbraucher. Die Investition in Ersatzstrom rechnet sich wirtschaftlich also nicht über vermiedene Ausfallzeiten, sondern ist eine Komfort- und Sicherheitsentscheidung, vergleichbar mit einer Gebäudeversicherung. Wer auf medizinische Geräte, Heimarbeitsplätze oder eine Wärmepumpenheizung angewiesen ist, profitiert überproportional.
Schwarzstartfähigkeit: Wenn der Speicher das Netz selbst aufbaut
Schwarzstartfähigkeit bezeichnet die Fähigkeit eines Speichers, nach einem vollständigen Stromausfall ein eigenes Inselnetz aufzubauen, ohne externe Stromquelle. Das System erzeugt eigenständig eine stabile Wechselspannung mit 230 V und 50 Hz und synchronisiert angeschlossene Verbraucher.
Warum ist das relevant? Bei einem längeren Stromausfall (über 12 Stunden) kann der Speicher vollständig entladen sein. Wenn am nächsten Morgen die Sonne scheint, muss das System in der Lage sein, die PV-Anlage wieder anzufahren und den Speicher aufzuladen, ohne dass das öffentliche Netz verfügbar ist. Systeme ohne Schwarzstartfähigkeit bleiben in diesem Fall tot, bis das Netz zurückkehrt.
Schwarzstartfähige Systeme (Stand 2026):
- E3/DC S10 X: Vollständig schwarzstartfähig, dreiphasiger Inselbetrieb ab Werk
- SMA Sunny Island: Schwarzstartfähig im Batterie-Wechselrichter-Betrieb
- Fronius GEN24 Plus: Schwarzstartfähig seit Firmware-Update 1.14.x (2024)
- Sungrow SH-RT: Schwarzstartfähig laut Herstellerangabe
Huawei und Kostal bieten in ihren aktuellen Konfigurationen keine Schwarzstartfähigkeit. Bei diesen Systemen startet die PV-Nachladung erst wieder, wenn das öffentliche Netz zurückkehrt.
Technischer Hintergrund: Beim Schwarzstart muss der Wechselrichter eine sogenannte Netzbildung durchführen, er erzeugt eigenständig eine Sinuswelle mit exakt 230 V und 50 Hz und regelt Spannung und Frequenz selbst. Das unterscheidet ihn vom normalen Netzbetrieb, bei dem er sich auf das vorhandene Netz synchronisiert. Nicht jeder Wechselrichter ist hardwareseitig dafür ausgelegt. Die Schwarzstartfähigkeit ist deshalb kein reines Software-Feature, sondern erfordert entsprechende Leistungselektronik im Gerät.
Praxistipp: Wenn Schwarzstartfähigkeit für Sie relevant ist, etwa weil Sie in einer Region mit häufigeren oder längeren Stromausfällen leben, sollten Sie dieses Kriterium bereits bei der Systemauswahl berücksichtigen. Eine nachträgliche Ergänzung ist bei den meisten Systemen nicht möglich, da die Fähigkeit in der Hardware des Wechselrichters verankert ist.
Normen und Genehmigung: VDE-AR-N 4105 und Netzbetreiber-Meldung
Die Installation einer Ersatzstromversorgung unterliegt in Deutschland klaren Regelungen. Die wichtigsten Normen im Überblick:
- VDE-AR-N 4105:2018: Regelt die Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz. Definiert die Anforderungen an NA-Schutz, Abschaltzeiten und Netzrückwirkungen. Jede Ersatzstromlösung muss konform sein.
- VDE-AR-E 2510-2: Sicherheitsanforderungen für stationäre Batteriespeichersysteme. Betrifft den sicheren Betrieb, Brandschutz und die Aufstellung des Speichers.
- TAR Niederspannung (VDE-AR-N 4100): Technische Anschlussregeln Ihres Netzbetreibers. Definiert, wie die Übergabestelle gestaltet sein muss.
Meldepflicht beim Netzbetreiber: Die Nachrüstung einer Umschalteinrichtung muss dem zuständigen Netzbetreiber gemeldet werden. Ihr Elektrofachbetrieb übernimmt in der Regel diese Anmeldung. Eine Genehmigung im eigentlichen Sinne ist nicht erforderlich, sofern die Anlage normkonform installiert ist und keine Rückspeisung ins öffentliche Netz im Fehlerfall möglich ist.
Versicherungsrechtlicher Aspekt: Informieren Sie Ihre Gebäudeversicherung über die Installation einer Ersatzstromanlage. Bei einem Brand oder Schaden durch fehlerhafte Installation kann die Versicherung die Regulierung verweigern, wenn die Anlage nicht von einem eingetragenen Fachbetrieb installiert wurde oder nicht den geltenden Normen entspricht. Die Konformitätserklärung Ihres Installateurs sollten Sie zusammen mit den Anlagendokumenten aufbewahren.
Marktstammdatenregister: Wenn Sie im Zuge der Ersatzstrom-Nachrüstung auch den Speicher erweitern oder einen neuen Wechselrichter einbauen, muss die Änderung im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur eingetragen werden. Reine Umschaltbox-Nachrüstungen ohne Änderung der Anlagenleistung erfordern in der Regel keine MaStR-Aktualisierung, klären Sie dies im Zweifelsfall mit Ihrem Netzbetreiber.
Drei Praxisszenarien: Was passiert bei 2, 8 und 24 Stunden Stromausfall
Die folgenden Szenarien basieren auf einem typischen Einfamilienhaus mit einer 10-kWp-PV-Anlage, einem 10-kWh-Speicher und einer Ersatzstromleistung von 5 kW. Der Speicher ist zu Beginn des Ausfalls zu 80 Prozent geladen (nutzbar: 8 kWh).
Szenario 1: Stromausfall 2 Stunden (z. B. lokaler Trafofehler)
- Verbrauch bei Grundversorgung (400 Watt): ca. 0,8 kWh
- Speicher-Restkapazität nach 2 Stunden: ca. 7,2 kWh
- Ergebnis: Kühlschrank, Heizung, Licht, Internet laufen durchgehend. Kein Komfortverlust. Die meisten Haushalte bemerken den Ausfall kaum.
Szenario 2: Stromausfall 8 Stunden (z. B. Unwetterschaden am Verteilnetz)
- Verbrauch bei Grundversorgung (400 Watt): ca. 3,2 kWh
- Speicher-Restkapazität nach 8 Stunden: ca. 4,8 kWh
- Bei Tageslicht und PV-Ertrag (z. B. 3 kWh in 8 Stunden im Winter): Speicher wird teilweise nachgeladen
- Ergebnis: Grundversorgung gesichert. Kochen mit Elektroherd sollte vermieden oder auf kurze Intervalle begrenzt werden.
Szenario 3: Stromausfall 24 Stunden (z. B. großflächige Netzstörung)
- Verbrauch bei Grundversorgung (400 Watt): ca. 9,6 kWh, übersteigt die verfügbare Kapazität von 8 kWh
- Ohne PV-Nachladung: Speicher nach ca. 20 Stunden leer
- Mit PV-Nachladung (sonniger Tag, ca. 5 bis 8 kWh Ertrag): Speicher wird tagsüber nachgeladen, Versorgung über 24 Stunden möglich
- Ergebnis: Nur mit schwarzstartfähigem System und ausreichend Sonnenstunden durchhaltbar. Im Winter bei bewölktem Himmel ist der Speicher nach spätestens 20 Stunden erschöpft.
Lehren aus den Szenarien: Die entscheidende Variable ist nicht die Speichergröße, sondern Ihr Verbrauchsverhalten während des Ausfalls. Wer bewusst auf Großverbraucher verzichtet und sich auf die Grundversorgung beschränkt, kommt mit einem 10-kWh-Speicher auch durch längere Ausfälle. Ein Notfallplan, der festlegt, welche Geräte im Ersatzbetrieb laufen und welche nicht, erhöht die Versorgungsdauer erheblich. Sinnvoll ist auch ein Blick auf den aktuellen Ladezustand des Speichers, die meisten Systeme zeigen diesen in ihrer App oder am Display des Wechselrichters an. Einige Systeme wie E3/DC erlauben es, einen Mindest-Ladezustand (z. B. 20 Prozent) als Reserve für den Ersatzbetrieb zu reservieren, sodass der Speicher nie vollständig für den Eigenverbrauch entladen wird.
Weiterführende Informationen zur Dimensionierung Ihrer PV-Anlage finden Sie im PV-Leitfaden 2026.
Häufige Fragen zu Notstrom und Ersatzstrom mit PV-Speicher
Funktioniert mein PV-Speicher automatisch bei Stromausfall?
Nur wenn Ihr System eine Ersatzstromfunktion mit automatischer Umschalteinrichtung besitzt. Die reine Notstrom-Steckdose an manchen Wechselrichtern versorgt lediglich einzelne Geräte und schaltet nicht automatisch um. Prüfen Sie in der Dokumentation Ihres Wechselrichters, ob Ersatzstrom (ESS/EPS) als Funktion aufgeführt ist.
Kann ich Ersatzstrom bei meinem bestehenden Speicher nachrüsten?
In vielen Fällen ja. Die Nachrüstung erfordert eine kompatible Umschaltbox (z. B. Enwitec) und die Installation durch einen Elektrofachbetrieb. Nicht alle Wechselrichter unterstützen Ersatzstrom, bei einigen Modellen ist die Funktion hardwareseitig nicht vorgesehen. Klären Sie die Kompatibilität vorab mit Ihrem Installateur.
Wie lange hält mein Speicher bei einem Stromausfall?
Das hängt von drei Faktoren ab: der nutzbaren Speicherkapazität, dem Verbrauch während des Ausfalls und der PV-Nachladung. Ein 10-kWh-Speicher reicht bei minimaler Grundversorgung (300 bis 500 Watt) rechnerisch 20 bis 30 Stunden. Mit Herd, Wärmepumpe oder Durchlauferhitzer verkürzt sich die Dauer auf wenige Stunden.
Brauche ich für Ersatzstrom eine Genehmigung vom Netzbetreiber?
Eine formale Genehmigung ist in der Regel nicht erforderlich, wenn die Anlage nach VDE-AR-N 4105 installiert ist. Die Nachrüstung muss dem Netzbetreiber jedoch gemeldet werden. Ihr Elektrofachbetrieb kümmert sich üblicherweise um diese Meldung im Rahmen der Inbetriebnahme.
Ist eine Wärmepumpe im Ersatzbetrieb möglich?
Technisch ist es möglich, aber problematisch. Wärmepumpen haben hohe Anlaufströme (oft das 5- bis 8-fache der Nennleistung beim Start des Kompressors), die den Wechselrichter im Inselbetrieb überlasten können. Nur wenige Systeme (z. B. E3/DC S10 X oder SMA Sunny Island im Dreiphasenbetrieb) unterstützen den Betrieb von Wärmepumpen im Ersatzstrom. Einige Wärmepumpen-Hersteller bieten sogenannte Soft-Starter an, die den Anlaufstrom reduzieren, das kann die Kompatibilität verbessern. Klären Sie diesen Punkt explizit mit Ihrem Fachbetrieb und dem Wärmepumpen-Hersteller, bevor Sie die Installation beauftragen. Alternativ kann eine Gas- oder Ölheizung mit niedrigem Strombedarf (nur Umwälzpumpe und Steuerung, ca. 50 bis 200 Watt) problemlos im Ersatzbetrieb weiterlaufen.