Welche Norm braucht bidirektionales Laden wirklich?

Marco Amato3 Min. Lesezeit

Datengrafik · Bidirektionales Laden

Welche Norm braucht bidirektionales Laden wirklich?

ISO 15118-20, VDE-AR-N 4105, AFIR – beim Thema V2H schwirren viele Kürzel herum. Die Landkarte ordnet, welche Norm was regelt. Frei zur Weiterverwendung.

Die drei Bausteine hinter bidirektionalem Laden
Kommunikation, Netzsicherheit, Regulierung · Stand Mai 2026
Normen und Standards für bidirektionales LadenÜbersichtsgrafik zum Zusammenspiel der Standards beim bidirektionalen Laden: ISO 15118-20 regelt die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Wallbox, die VDE-AR-N 4105 die netzseitige Sicherheit in Deutschland, die EU-Verordnung AFIR setzt die Stichtage. Eine ISO-15118-20-fähige Wallbox allein ermöglicht noch kein bidirektionales Laden. BAUSTEIN 1 · KOMMUNIKATION ISO 15118-20 Die „Sprache“ zwischen Auto und Wallbox. Erst diese Version regelt bidirektionales Laden — für Gleichstrom (DC) und Wechselstrom (AC). + BAUSTEIN 2 · NETZSICHERHEIT VDE-AR-N 4105 Die deutsche Anwendungsregel fürs Niederspannungsnetz. Sie stellt sicher, dass das Rückspeisen das Stromnetz nicht gefährdet. + BAUSTEIN 3 · REGULIERUNG AFIR (EU-Verordnung) Setzt die Stichtage: ISO 15118-2 ab Jan. 2026, ISO 15118-20 ab Jan. 2027 — für neue öffentliche und private Mode-3-Ladepunkte. Wichtig: Eine „ISO-15118-20-fähige“ Wallbox kann noch kein V2H. Die Norm regelt nur die Kommunikation. Für echtes Rückspeisen müssen Fahrzeug, Wallbox UND Netzanschluss alle drei Bausteine erfüllen — und das Fahrzeug die Entladefunktion freigeben.
Quelle: ISO 15118-20 · VDE-AR-N 4105 · EU-VO 2023/1804 (AFIR) elektronik-zeit.de · CC BY 4.0
Lesehilfe: Vereinfachte Übersicht der Standard-Ebenen. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Fassungen der Normen und der EU-Verordnung.

Was die Grafik zeigt

Rund um bidirektionales Laden schwirren technische Kürzel herum – ISO 15118-20, VDE-AR-N 4105, AFIR. Sie klingen austauschbar, regeln aber drei völlig verschiedene Dinge. Erst zusammen ergeben sie ein funktionierendes V2H- oder V2G-System.

ISO 15118-20 ist die Kommunikationsnorm – die „Sprache“, in der Auto und Wallbox aushandeln, wie viel Strom in welche Richtung fließt. Es ist die erste Version dieser Norm, die bidirektionales Laden überhaupt vorsieht. Die VDE-AR-N 4105 ist die deutsche Anwendungsregel fürs Niederspannungsnetz: Sie stellt sicher, dass das Zurückspeisen netztechnisch sicher ist. Und die AFIR, eine EU-Verordnung, setzt die Fristen – ISO 15118-2 ab Januar 2026, ISO 15118-20 ab Januar 2027 für neue Ladepunkte.

Wichtig zur Einordnung: Hier liegt das häufigste Missverständnis. Dass eine Wallbox „ISO-15118-20-fähig“ ist, heißt nicht automatisch, dass sie bidirektional laden kann – die Norm definiert zunächst nur die Kommunikation. Für echtes Rückspeisen müssen zusätzlich die netzseitigen Anforderungen erfüllt sein, die Wallbox muss die Energie auch physisch zurückspeisen können, und das Fahrzeug muss die Entladefunktion freigeben. Auch der Pfad ist relevant: Bidirektionales Laden läuft heute praktisch über DC-Wallboxen – serienreife AC-Lösungen für den Heimbereich gibt es noch kaum.

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Grundlage ISO 15118-20 (Kommunikationsnorm Fahrzeug–Ladeinfrastruktur, erste Fassung mit bidirektionalem Laden); VDE-AR-N 4105 (Anwendungsregel Niederspannungsnetz); AFIR – Alternative Fuels Infrastructure Regulation (EU-VO 2023/1804) samt Delegierter Verordnung (EU) 2025/656 mit den Stichtagen 8.1.2026 und 1.1.2027. Aufbereitung: elektronik-zeit.de.
Stand Mai 2026
Mehr dazu Ausführlicher Ratgeber: Bidirektionales Laden – V2G, V2H, V2L erklärt