Energy-Sharing-Anbieter 2026: Plattformen und Dienstleister im Überblick

Marco Amato6 Min. Lesezeit

Stand: September 2026 · Impressum-Prüfung: 28. September 2026

Drei Anbieter stehen zum September 2026 für Energy Sharing nach § 42c EnWG zur Verfügung: WeShareEnergy GmbH (Düsseldorf), metergrid GmbH (Stuttgart) und Nexora GmbH (Delitzsch) – alle mit verifiziertem Impressum (Stand 28.09.2026). Ein vierter Akteur, inexogy smart metering GmbH, liefert iMSys-Infrastruktur als wettbewerblicher Messstellenbetreiber (wMSB), betreibt jedoch keine vollständige Energy-Sharing-Plattform. Wer heute an Energy Sharing teilnehmen möchte, sollte realistisch einplanen: Bundesweit sind erst 5,5 % aller Messlokationen mit intelligentem Messsystem ausgerüstet (BNetzA-Monitoring, Stand 31.12.2025 (öffnet in neuem Tab)). Der breite Rollout ist nach Experten-Einschätzung frühestens ab 2029 realistisch.

Das Dienstleistungsmodell: Was BNetzA-Mitteilung Nr. 73 für Anbieter bedeutet

Die Bundesnetzagentur (öffnet in neuem Tab) veröffentlichte am 7. Juli 2026 die Mitteilung Nr. 73 (Az. BK6-06-009) zur Umsetzung von § 42c EnWG im GPKE-Rahmen. Kernaussage: Das Dienstleistungsmodell innerhalb der bestehenden Marktstrukturen ist ausreichend für die Umsetzung von Energy Sharing – Netzbetreiber müssen keine weiteren IT-Systeme aufbauen. Alle Marktlokationen bleiben einem Bilanzkreis zugeordnet; die Bilanzkreisführung übernimmt ein externer Dienstleister.

Das bedeutet in der Praxis: Wer Energy Sharing organisieren möchte, benötigt zwingend einen Dienstleister, der Bilanzkreisführung und Abrechnung sowie Direktvermarktung nicht geteilter Mengen übernimmt. Eine eigenständige Abwicklung ohne Plattform ist nach dem GPKE-Rahmen nicht vorgesehen. Das Bündnis Bürgerenergie (BBEn) (öffnet in neuem Tab) kritisierte die Mitteilung am 9. Juli 2026 als „fatales Signal“: Der Rechtsanspruch auf Energy Sharing werde praktisch ausgehöhlt, weil der flächendeckende iMSys-Einbau weiterhin nicht funktioniert.

Weiterführende Informationen: § 20b EnWG – BNetzA-Festlegungsstatus – dort ist dokumentiert, dass eine formale Festlegung zur Online-Plattform nach § 20b EnWG zum September 2026 weiterhin aussteht.

Drei verifizierte Anbieter im Vergleich

Die folgende Übersicht basiert ausschließlich auf Impressums-Prüfungen vom 28. September 2026. Anbieter ohne nachprüfbares Impressum und Handelsregisternummer wurden nicht aufgenommen. Für diesen Vergleich haben wir alle drei Anbieter direkt kontaktiert, Impressumsangaben gegen das Handelsregister geprüft und öffentlich verfügbare Preisdaten ausgewertet.

AnbieterSitzModellPreis­informationRegion­schwerpunktBesonderheit
WeShareEnergy GmbHDüsseldorfVollservice-PlattformAuf AnfrageBundesweitErstes operatives Projekt: BEG-Köllertal (Saarland), 2.150 kWp
metergrid GmbHStuttgartSaaS (Abrechnung + Verwaltung)Auf AnfrageBundesweitErfahrung aus Mieterstrom und GGV
Nexora GmbHDelitzschEinzelprojekt­betreuung~2,5 ct/kWhSachsen, Sachsen-Anhalt, ThüringenEinziger Anbieter mit öffentlichem Preishinweis (Stand Sept. 2026)
Vergleich: Energy-Sharing-Anbieter Deutschland, Stand 28. September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; Preise auf Anfrage beim jeweiligen Anbieter.

WeShareEnergy GmbH – Vollservice-Plattform mit Pilotprojekten

Firmensitz: Merowinger Straße 71, 40225 Düsseldorf · HRB 100465, Amtsgericht Düsseldorf · Geschäftsführer: Hendrik Schubert · Impressum-Stand: 28.09.2026

WeShareEnergy bietet Software und Webportale für die vollständige Energy-Sharing-Abwicklung: Abrechnung, Bilanzkreisführung und Direktvermarktung nicht geteilter Mengen. Zur technischen Einbindung der Teilnehmer wird ein optischer Auslesekopf (~90 €) für die 15-Minuten-Übertragung an die Plattform genutzt. Eines der ersten operativen Projekte in Deutschland war die Gemeinschaft „BEG-Köllertal-DirektStrom“ in Püttlingen (Saarland), realisiert zusammen mit der Bürgerenergiegenossenschaft BEG-Köllertal, Solarpark 2.150 kWp. Preismodell: Nicht öffentlich kommuniziert – direkte Anfrage beim Anbieter empfohlen.

metergrid GmbH – SaaS-Lösung für dezentrale Energiesysteme

Firmensitz: Lautenschlagerstraße 16, 70173 Stuttgart · HRB 779374, Amtsgericht Stuttgart · Geschäftsführer: Julian Schulz, Johannes Mewes · Impressum-Stand: 28.09.2026

metergrid positioniert sich als Full-Service-Anbieter für Mieterstrom, Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV) und Energy Sharing. Die SaaS-Lösung deckt Abrechnung, Wirtschaftlichkeitsberechnung und Verwaltung dezentraler Energiesysteme ab – aufgebaut auf Erfahrungen aus dem Mieterstrommodell. Gründer Julian Schulz schätzte im Juni 2026 noch zwei Jahre bis zu einem vollständig funktionsfähigen Energy-Sharing-Modell – eine Aussage über den Reifegrad des Marktes, nicht über die Plattform selbst. Preismodell: Nicht öffentlich kommuniziert.

Nexora GmbH – Regionaler Anbieter in Mitteldeutschland

Firmensitz: Grüner Ring 15, 04509 Delitzsch · HRB 40532, Amtsgericht Leipzig · Geschäftsführer: Paul Schinke · Impressum-Stand: 28.09.2026

Nexora konzentriert sich auf Einzelprojektbetreuung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Messkonzept, iMSys-Nachrüstung, Bilanzkreisführung und Vertragsgestaltung aus einer Hand. Als einziger der drei Anbieter kommuniziert Nexora öffentlich einen konkreten Preishinweis: ~2,5 ct/kWh für Abwicklung, iMSys-Betrieb und Bilanzkreisführung (Stand: September 2026, Quelle: nex-ora.de (öffnet in neuem Tab)). Dieser Wert ist kein Marktrichtwert – er spiegelt das Preismodell eines regionalen Anbieters in einer frühen Marktphase wider.

inexogy als wMSB: Voraussetzung, kein Plattformanbieter

inexogy smart metering GmbH (Am Saaraltarm 1, 66740 Saarlouis · HRB 108742, Amtsgericht Saarbrücken · Impressum-Stand: 28.09.2026) ist wettbewerblicher Messstellenbetreiber (wMSB): Das Unternehmen liefert intelligente Messsysteme (iMSys), Smart Meter Gateway Administration und Energieportal-Lösungen. Das ist eine notwendige Voraussetzung für Energy Sharing – aber keine eigenständige Energy-Sharing-Plattform. inexogy ordnet sich selbst als iMSys-Zulieferer bzw. vorgelagerter Dienstleister ein, nicht als Anbieter, der eine vollständige Sharing-Konstellation zwischen Einspeiser und Verbrauchern betreibt.

Preistransparenz: Was Energy Sharing Stand September 2026 kostet

Die Preislandschaft ist weitgehend intransparent. Von den drei verifizierten Plattformanbietern kommuniziert nur Nexora einen konkreten Wert (~2,5 ct/kWh). WeShareEnergy und metergrid nennen keine öffentlichen Listenpreise. Hinzu kommt: In Deutschland werden auf Energy Sharing volle Netzentgelte, Steuern und Umlagen erhoben – nach Schätzungen rund 60 % des Haushaltsstrompreises (Quelle: solarserver.de (öffnet in neuem Tab), Mai 2026). Anders als etwa in Österreich gibt es keine staatlichen Entlastungen. Wirtschaftlich interessant ist Energy Sharing deshalb vor allem dort, wo Anlagengröße, Verbrauchsprofil und Standortbedingungen besonders günstig zusammentreffen.

Ob sich Energy Sharing in Ihrem konkreten Fall rechnet: Energy-Sharing-Rechner: Lohnt es sich für mich?

Dieser Vergleich dient der Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Energieberatung.

Marktausblick: Warum der breite Rollout frühestens 2029 realistisch ist

Fünf strukturelle Hürden begrenzen das Marktwachstum bis mindestens 2029:

  • iMSys-Einbauquote: Bundesweit erst 5,5 % aller Messlokationen mit intelligentem Messsystem ausgerüstet (BNetzA-Monitoring, Stand 31.12.2025 (öffnet in neuem Tab)). Für Pflichteinbauer (Verbrauch über 6.000 kWh/a, §14a) liegt die Quote bei 23,3 % – das gesetzliche Richtziel von 20 % ist erreicht, die absolute Abdeckung bleibt jedoch niedrig.
  • Wartezeiten: 3 bis 6 Monate für den iMSys-Einbau auf Kundenwunsch (Malte Zieher, Bündnis Bürgerenergie, Juni 2026).
  • Netzbetreiber-Infrastruktur: Rund 900 Verteilnetzbetreiber in Deutschland verfügen über keine standardisierten IT-Schnittstellen für Energy Sharing; die vollständige Anpassung wird 2 bis 3 Jahre dauern (Quelle: solarserver.de, Mai 2026).
  • Regulatorische Lücke: Die formale BNetzA-Festlegung zur Online-Plattform nach § 20b EnWG steht weiterhin aus.
  • BDEW-API-Zeitplan: Webdienste zur Netzbetreiber-Anbindung waren für August 2026 geplant. Ob der Termin eingehalten wurde, ist zum September 2026 nicht aus Primärquellen bestätigt.

Alle aktuellen regulatorischen Entwicklungen: Energy Sharing nach § 42c EnWG – Leitfaden 2026

Häufige Fragen zu Energy-Sharing-Anbietern

Welche Anbieter ermöglichen Energy Sharing nach § 42c EnWG?

Zum September 2026 sind drei Plattformanbieter mit verifiziertem Impressum aktiv: WeShareEnergy GmbH (Düsseldorf), metergrid GmbH (Stuttgart) und Nexora GmbH (Delitzsch). Alle drei übernehmen Bilanzkreisführung und Abrechnung im Sinne des BNetzA-Dienstleistungsmodells nach Mitteilung Nr. 73.

Was kostet Energy Sharing pro Kilowattstunde?

Nur Nexora GmbH kommuniziert öffentlich einen Preishinweis: ~2,5 ct/kWh für Abwicklung, iMSys-Betrieb und Bilanzkreisführung (Stand September 2026, Quelle: nex-ora.de). WeShareEnergy und metergrid nennen keine Listenpreise – eine direkte Anfrage ist nötig.

Was ist das Dienstleistungsmodell nach BNetzA-Mitteilung Nr. 73?

Die BNetzA legte mit Mitteilung Nr. 73 (BK6-06-009, 07.07.2026) fest, dass Energy Sharing innerhalb bestehender Marktstrukturen über einen externen Dienstleister abgewickelt werden kann – ohne neue IT-Pflichten für Netzbetreiber. Der Dienstleister übernimmt Bilanzkreisführung, Abrechnung und Direktvermarktung nicht geteilter Mengen.

Kann ich heute schon an Energy Sharing teilnehmen?

Technisch ist Teilnahme nur mit intelligentem Messsystem (iMSys) möglich. Bundesweit sind erst 5,5 % aller Messlokationen ausgerüstet (BNetzA, Stand 31.12.2025). Wartezeiten für den Einbau betragen 3 bis 6 Monate. Operative Projekte existieren; ein breiter Rollout ist nach Experten-Einschätzung frühestens ab 2029 realistisch.

Was unterscheidet einen Plattformanbieter von einem wMSB wie inexogy?

Ein wettbewerblicher Messstellenbetreiber (wMSB) wie inexogy liefert das technische Fundament: intelligente Messsysteme und Datenübertragung. Eine Energy-Sharing-Plattform wie WeShareEnergy, metergrid oder Nexora übernimmt darüber hinaus Bilanzkreisführung, Abrechnung und die gesamte Energy-Sharing-Abwicklung zwischen Einspeiser und Verbrauchern.