SoH-Plausibilitäts-Rechner: Verkäufer-Angabe in 5 Sekunden prüfen

Marco Amato5 Min. Lesezeit

Der SoH-Plausibilitäts-Rechner vergleicht eine Verkäufer-Angabe mit dem statistisch erwartbaren State-of-Health-Korridor für das jeweilige E-Auto-Modell. Sie tragen Modell, Baujahr, Laufleistung und die im Inserat angegebene Akku-Gesundheit ein, das Tool zeigt in fünf Sekunden eine Ampel: grün, gelb oder rot. Datenbasis sind 22.700 Real-Fahrzeuge aus der Geotab-Studie 2026 sowie 35 Hersteller-spezifische Modell-Profile mit Garantie-Schwellen, Akku-Chemie und Generations-Splits.

Das Tool ist kostenlos, läuft komplett im Browser, speichert keine Eingaben. Es ersetzt keinen Profi-Test wie Aviloo oder DEKRA, beantwortet aber die wichtigste Frage vor dem 99-Euro-Test: Lohnt sich der Profi-Vergleich überhaupt, oder ist die Verkäufer-Angabe schon innerhalb der normalen Streuung?

So nutzen Sie den Plausibilitäts-Rechner

  1. Modell wählen. 35 Modelle sind hinterlegt, von Tesla Model 3 SR+ (2018-21) bis Volvo EX30. Bei Generations-Splits (Tesla Model 3 SR+ vs. RWD LFP, Renault Zoe ZE40 vs. ZE50) wählen Sie die zum Inserat passende Variante.
  2. Baujahr und Laufleistung eintragen. Beides aus dem Inserat oder dem Fahrzeugschein. Genaue Werte zählen – der Rechner kalkuliert monatsgenau.
  3. Verkäufer-SoH-Angabe eintragen. Die Zahl, die Verkäufer aus Bordcomputer, OBD-Tool oder Profi-Zertifikat nennt. Falls keine Angabe vorliegt, leer lassen – der Rechner zeigt dann nur den Korridor ohne Ampel-Bewertung.
  4. Lade-Profil wählen. Heim-AC-dominant, normaler Mix oder Schnelllader-heavy. Die Auswirkung ist substanziell: DC-FC-heavy verdoppelt die Degradationsrate von 1,5 auf 3,0 Prozent pro Jahr (Geotab 2026).
  5. Ergebnis lesen. Die Ampel zeigt: grün = innerhalb des Korridors, gelb = am Rand mit Erklärungs-Bedarf, rot = außerhalb. Die Detail-Anzeige liefert den exakten Erwartungswert plus Begründung.

Wie der Rechner den Korridor bestimmt

Der Rechner stützt sich auf zwei Datenquellen. Erstens die Geotab-Flottenstudie 2026 (n = 22.700 Fahrzeuge, 21 Modelle, Stand Januar 2026): durchschnittliche Degradation 2,3 Prozent pro Jahr, projiziert auf 81,6 Prozent SoH nach acht Jahren. Zweitens 35 Hersteller-spezifische Modell-Profile aus offiziellen Garantiebedingungen, ADAC-Dauertests und Schwacke-Bewertungen – mit Generations-Splits, weil etwa der Tesla Model 3 SR+ vor und nach dem Highland-Refresh unterschiedliche Akku-Chemien führt.

Auf diese Basis kommt das Drei-Phasen-Modell der Lithium-Alterung. Statt linearer Degradation rechnet der Rechner mit drei bis fünf Prozent Settling-In-Verlust im ersten Jahr, 1,5 bis 2,3 Prozent in der linearen Mittelphase und einem Knee-Aufschlag ab Jahr acht. Der finale Korridor ist die Streuung zwischen schonender und intensiver Nutzung: rund acht Prozentpunkte Spannweite bei einem vier Jahre alten Wagen.

Wer das Modell methodisch nachvollziehen will, findet die wissenschaftliche Substanz im Cluster Akku-Degradation: das Drei-Phasen-Modell im Detail. Der Pillar Akku-Check beim E-Auto ordnet das Tool in den Gesamt-Workflow ein.

Was die Ampel-Farben bedeuten

  • Grün – innerhalb des Korridors. Die Verkäufer-Angabe passt zur erwartbaren Streuung für Modell, Alter und Laufleistung. Das ist keine Garantie, dass die Angabe stimmt – aber sie ist nicht verdächtig. Probefahrt machen, Verhandlung weitertreiben.
  • Gelb – am Rand. Die Angabe liegt knapp innerhalb oder knapp außerhalb des Korridors. Mögliche Erklärungen: überdurchschnittlich schonende Nutzung (Garage, wenig DC), Tool-Bias bei der Messung (LeafSpy zeigt typischerweise 2–3 Prozentpunkte zu hoch) oder beginnender Knee-Effekt. Service-Historie abklopfen.
  • Rot – außerhalb. Acht oder mehr Prozentpunkte Abweichung vom Modell-Soll. Entweder die Mess-Quelle ist verzerrt, oder das Auto hat eine Vorgeschichte, die nicht im Inserat steht. Hier lohnt sich der 99-Euro-Profi-Vergleich. Volle Trigger-Logik im Cluster Profi-Akku-Vergleich.

Wenn der Rechner rote Ampel zeigt

Eine rote Ampel ist kein Verbot, das Auto zu kaufen – sie ist ein Verhandlungs-Hebel und ein Anlass, die Mess-Quelle zu hinterfragen. Drei Reaktionsmuster haben sich in der Praxis bewährt.

Erstens – Mess-Quelle prüfen. Stammt die Verkäufer-Angabe aus dem Bordcomputer, einem OBD-Tool wie LeafSpy oder einem Profi-Zertifikat? Bordcomputer-Werte sind die schwächste Quelle, OBD-Tools mittelstark mit Tool-Bias-Risiko, Aviloo- oder DEKRA-Zertifikate die belastbarsten. Wer einen LeafSpy-Wert genannt bekommt, sollte zwei bis drei Prozentpunkte abziehen.

Zweitens – DAT-Wertkorrektur als Verhandlungs-Argument. Die DAT EV-Wertkorrektur in SilverDAT 3 rechnet eine SoH-Abweichung direkt in Euro um. Acht Prozentpunkte unter dem Modell-Soll bedeuten rund acht bis zwölf Prozent Fahrzeugwert. Bei einem 30.000-Euro-Inserat sind das 2.400 bis 3.600 Euro Verhandlungs-Spielraum.

Drittens – Profi-Vergleich als Kaufbedingung formulieren. „Wenn die Aviloo-Messung über 85 Prozent zeigt, kaufe ich zum genannten Preis.“ Das ist eine faire Brücke für beide Seiten: der Verkäufer riskiert nichts, wenn er ehrlich war, der Käufer bekommt 99 Euro Sicherheit für eine Entscheidung im fünfstelligen Bereich.

Häufige Fragen zum Plausibilitäts-Rechner

Speichert der Rechner meine Eingaben?

Nein. Alle Berechnungen laufen lokal im Browser, es werden keine Daten an einen Server übertragen. Sie können das Tool offline nutzen, wenn die Seite einmal geladen ist.

Warum ist mein Modell nicht in der Liste?

Aktuell sind 35 Modelle hinterlegt, sortiert nach Sekundärmarkt-Volumen in Deutschland. Modelle mit weniger als 1.000 verkauften Einheiten oder mit fehlenden offiziellen Garantiebedingungen sind nicht enthalten. Folge-Updates ergänzen die Liste – wenn Sie ein Modell vermissen, melden Sie es über das Kontaktformular.

Was tun, wenn der Rechner gelbe Ampel zeigt und ich unsicher bin?

Die Service-Historie abklopfen: Wie oft am Schnelllader? Wo stand das Auto über Nacht? Gab es einen BMS-Reset? Wenn diese Fragen plausibel beantwortet werden, ist die gelbe Ampel meist überdurchschnittlich schonende Nutzung – kein Mangel. Wenn die Antworten dünn bleiben, lohnt sich der Profi-Vergleich.

Mehr Kontext zur Methodik im Pillar Akku-Check beim E-Auto, Tool-Bias-Diskussion im Cluster OBD-Tools für SoH-Auslesung.

Diese Berechnung dient der unverbindlichen Orientierung. Tatsächliche Werte können abweichen. Keine Haftung für die Richtigkeit.