Der VW ID.3 ist seit Ende 2020 auf dem deutschen Markt und hat sich als kompaktes Volumenmodell der MEB-Plattform etabliert. Im Sekundärmarkt taucht er häufig in der Pro-Variante mit 58 kWh netto auf – die Pure mit 45 kWh ist seltener, die Pro S mit 77 kWh ein Premium-Segment. Der ID.3 ist ein Lehrstück für transparente Akku-Daten: VW liefert zur Garantie 8 Jahre / 160.000 km / 70 % SoH, der ADAC hat einen ID.3 Pro über 160.000 km im Dauertest geführt und kam auf einen Rest-SoH von 91 Prozent – eine ausgezeichnete Referenz für die Plausibilitätsprüfung im Gebrauchtkauf.
Welche ID.3-Variante steht im Inserat?
- ID.3 Pure (ab 2021) – 45 kWh nutzbar, NMC, 350 km WLTP. Einstiegs-Variante, im Sekundärmarkt zwischen 21.000 und 26.000 Euro.
- ID.3 Pro (ab 2020, häufigste Variante) – 58 kWh netto, NMC, 426 km WLTP. UVP 33.995 Euro. Der ADAC-Dauertest-Wagen war ein Pro.
- ID.3 Pro S (ab 2021) – 77 kWh, NMC, 559 km WLTP. UVP 44.995 Euro. Selten im Sekundärmarkt; Premium-Segment.
- ID.3 Facelift (ab 2024) – überarbeitete Front, neues Innenraum-Material, gleiche Akku-Konfigurationen. Korridor unverändert.
Erwartete SoH-Korridore
| Variante | SoH nach 4 J. (60.000 km) | SoH nach 8 J. (120.000 km) | SoH nach ADAC-Dauertest (160.000 km) |
|---|---|---|---|
| Pure (45 kWh) | 87 – 90 % | 78 – 83 % | ~ 90 % (interpoliert) |
| Pro (58 kWh) | 87 – 90 % | 79 – 84 % | 91 % (ADAC-Dauertest, 1 Wagen) |
| Pro S (77 kWh) | 88 – 91 % | 81 – 86 % | ~ 88 % (interpoliert) |
SoH-Auslesung beim ID.3
VW bietet im Bordcomputer keine direkte SoH-Anzeige. Die Auslese-Wege:
- VW We Connect ID. App – zeigt die maximale Ladekapazität bei 100 % SoC nach den letzten Vollladungen. Indirekter Indikator.
- Car Scanner mit OBD-Adapter – liefert Roh-Werte aus dem MEB-BMS, inklusive Zell-Streuung und Innenwiderstand. Die belastbarere Eigenmessung beim ID.3.
- VW-Werkstatt mit ODIS – offizielle Diagnose, oft kostenlos im Rahmen einer Inspektion. Nicht alle freien Werkstätten haben ODIS.
- Aviloo Premium-Test – funktioniert beim ID.3 reibungslos, 99 Euro, 2 Werktage.
Software-Update 3.0 und seine Akku-Auswirkung
Mit dem Software-Update ID.Software 3.0 (Rollout ab März 2022) hat VW Lade-Algorithmen optimiert und die DC-Lade-Spitze beim ID.3 Pro S (77 kWh) von 125 auf 135 kW erhöht. Erst mit dem Modellupdate Mai 2024 und dem neuen Pro S mit 79 kWh-Akku kamen 175 kW DC-Spitzenlast – das ist ein separater Hardware-Wechsel, nicht Teil von Software 3.0. ID.3 mit Software vor 3.0 zeigen tendenziell etwas konservativere Lade-Kurven und damit minimal flachere Degradation. Der Effekt ist gering (rund 0,2 Prozentpunkte pro Jahr), aber für Plausibilitätsprüfungen unter dem Strich vernachlässigbar.
Häufige Fragen zum ID.3-Akku
Wie aussagekräftig ist der ADAC-Dauertest?
Sehr aussagekräftig als Referenz, aber eine Einzelmessung. Der ADAC-Wagen wurde im Mischbetrieb ohne intensive Schnelllade-Phase gefahren – ein realistischer, aber nicht der härteste Belastungsfall. Wer einen ID.3 mit 80 Prozent DC-Anteil (Vielfahrer) kauft, sollte konservativer rechnen, mindestens 5 Prozentpunkte unter dem ADAC-Wert.
Lohnt sich der ID.3 Pure im Vergleich zum Pro?
Im Sekundärmarkt nur eingeschränkt. Die 13 kWh weniger Akku reduzieren Reichweite und Verhandlungs-Spielraum. Bei vergleichbarem Alter zahlen Sie für den Pro typisch 3.000 bis 5.000 Euro mehr und bekommen rund 30 Prozent mehr Reichweite. Bei Stadt- und Kurzstrecken-Profilen kann der Pure dennoch reichen.
Was tun, wenn der Akku unter 70 Prozent fällt?
VW ist verpflichtet, im Garantie-Zeitraum (8 Jahre / 160.000 km) das Akku-Pack auf mindestens 70 Prozent zurückzubringen – entweder durch Modul-Tausch oder Komplett-Tausch. Die Werkstatt entscheidet die Methode. Bei einem Gebrauchten muss der Garantie-Anspruch beim Service-Partner aktiv geltend gemacht werden, idealerweise mit dokumentierter SoH-Messung als Anlass.
Methodischer Hintergrund im Pillar Akku-Check beim E-Auto, Tool-Bias-Diskussion im Cluster OBD-Tools, Garantie-Details im Cluster Garantie-Übertragung.