Methodologie: So berechnen wir Ersparnis bei dynamischen Stromtarifen

Marco Amato6 Min. Lesezeit
↻ Zuletzt aktualisiert: April 2026 · Version 1.1 · nächstes Update: Mai 2026

Diese Seite beschreibt, wie wir in unseren Rechenbeispielen und in den drei Haushaltsprofilen auf der Hauptseite zu dynamischen Stromtarifen konkret rechnen. Ziel: jede Zahl soll anhand öffentlich zugänglicher Daten nachvollziehbar sein.

Datengrundlage: EPEX Day-Ahead, rollierend zwölf Monate

Grundlage aller Preisrechnungen sind die Day-Ahead-Stundenpreise des EPEX-Spot-Marktes für das Marktgebiet Deutschland/Luxemburg. Diese Preise werden börsentäglich um 12:00 Uhr für die 24 Stunden des Folgetags festgelegt und sind die Referenz für nahezu alle dynamischen Haushaltstarife in Deutschland (Tibber, Rabot, Octopus, aWATTar, Ostrom, 1KOMMA5° und andere).

Wir arbeiten mit einem rollierenden Zwölf-Monats-Fenster, nicht mit einem Kalenderjahr. Grund: Strompreise sind stark saisonal (Heizperiode) sowie makroökonomisch verzerrt (Gas-, CO2-Preise, Wetter). Ein Fix-Jahr wirkt in der zweiten Jahreshälfte zunehmend veraltet. Der Datensatz wird daher monatlich aktualisiert, sodass er stets die vergangenen zwölf Monate bis zum letzten Vollmonat abbildet.

KennzahlZeitraum (Stand April 2026)Wert
AbbildungszeitraumApril 2025 bis April 20268.688 Stunden
Durchschnitt Day-Aheadrollierend 12 Monate50,89 €/MWh (5,09 ct/kWh)
Minimum (Einzelstunde)Solarspitze Frühjahr23,43 €/MWh (2,34 ct/kWh)
Maximum (Einzelstunde)Morgenlast Winter82,86 €/MWh (8,29 ct/kWh)
Spread günstigste zu teuerster Stundetypischer Werktag2,0 bis 4,5 ct/kWh

Quelle ist das offene Datenportal der Bundesnetzagentur: SMARD.de, Filter Nummer 4169 (Day-Ahead-Spotpreis Marktgebiet DE/LU). Der Import erfolgt automatisiert über die dokumentierte JSON-Schnittstelle. Vor der Verarbeitung skalieren wir die Rohwerte (SMARD liefert €/MWh multipliziert mit 1.000) zurück in €/MWh mit zwei Nachkommastellen.

Formelaufbau: Vom Börsenpreis zur Stromrechnung

Der an der Börse gehandelte Preis ist nicht der Preis auf Ihrer Rechnung. Zwischen EPEX-Spot und Haushalt liegen fünf Aufschläge. Wir rechnen jede Stunde einzeln, addieren Netzentgelt und Abgaben, und multiplizieren mit Ihrem stündlichen Verbrauch.

Arbeitspreis[h] = EPEX_Spot[h]
                + Anbieter-Aufschlag        (typ. 1,5 bis 3,5 ct/kWh)
                + Netzentgelt               (regional, typ. 8 bis 12 ct/kWh)
                + Konzessionsabgabe         (abhängig Gemeindegröße, 0,5 bis 2,4 ct/kWh)
                + Umlagen (KWKG, Offshore)  (ca. 0,7 ct/kWh 2026)
                + Stromsteuer               (2,05 ct/kWh)
                + 19 % USt (auf Summe)

Monatskosten    = Σ (Verbrauch[h] × Arbeitspreis[h]) + Grundpreis × (Tage/30,44)
Ersparnis       = Festpreis-Kosten − Dynamik-Kosten       (gleiches Lastprofil)
Aktiv-Bonus     = Zusätzliche Ersparnis wenn flexible
                  Lasten gezielt in günstigste Stunden
                  des jeweiligen Tages verschoben werden

Der Grundpreis wird tagesgenau umgerechnet (kein kaufmännisches Aufrunden auf Monatsebene). Netzentgelte variieren zwischen Netzbetreibern; für die Rechenbeispiele auf der Hauptseite nutzen wir den bundesweiten Durchschnitt 2026 nach Auswertung der Bundesnetzagentur-Statistik. Individuell können die Netzentgelte um bis zu 4 ct/kWh abweichen.

Haushaltsprofile: BDEW-H0 plus Zusatzlasten

Jeder Haushalt hat ein anderes Verbrauchsmuster. Wir arbeiten mit drei typisierten Profilen, die auf dem BDEW-H0-Standardlastprofil (Haushalt) basieren. H0 ist der seit 1999 etablierte Referenz-Datensatz für den Stromverbrauch deutscher Privathaushalte. Wir überlagern H0 je nach Ausstattung mit Wärmepumpen-, Elektroauto- und PV-Eigenverbrauchs-Profilen.

ProfilJahresverbrauchDatengrundlageFlexibilität
A: Single ohne PV, keine Flex-Last2.500 kWhBDEW H0 (Haushalt ohne Zusatzlasten)keine
B: Familie mit Wärmepumpe4.500 kWhBDEW H0 + Wärmepumpen-Zuschlag nach HTW Berlinmoderat (Warmwasser, Heizkurve)
C: Familie mit PV, Speicher und Wallbox2.800 kWh NetzbezugBDEW H0 abzüglich PV-Eigenverbrauch, zuzüglich Speicher-Ladeprofil und E-Auto-Heimladunghoch (gezielte Speicher-/Wallbox-Steuerung in Niedrigpreis-Stunden)

Smart-Meter (intelligentes Messsystem nach § 21b EnWG) ist für alle drei Profile vorausgesetzt. Ohne Smart-Meter ist ein dynamischer Tarif rechtlich nicht abrechenbar. Der Wärmepumpen-Zuschlag folgt dem Verbrauchsmuster aus der HTW-Berlin-Stromspeicher-Inspektion; das E-Auto-Profil in Profil C nimmt eine Heimladung zwischen 22:00 und 06:00 Uhr an (typisches Pendler-Szenario). Der PV-Eigenverbrauch in Profil C ist als Netzbezugs-Profil modelliert, das heißt: nur der Reststrombezug aus dem Netz ist dynamisch abgerechnet.

Annahmen und fixe Parameter

  • Netzentgelt: Bundesdurchschnitt 2026, rund 11,0 ct/kWh inklusive Messstellenbetrieb
  • Anbieter-Aufschlag dynamisch: Median der zehn größten deutschen Dynamik-Anbieter, aktuell 2,4 ct/kWh
  • Dynamik-Arbeitspreis passiv: 28 ct/kWh brutto (gewichteter Durchschnitt EPEX + alle Aufschläge, ohne aktive Lastverschiebung)
  • Dynamik-Arbeitspreis aktiv: 24 ct/kWh brutto (gezielte Nutzung der günstigsten Stunden, Profile B und C)
  • Vergleichs-Festpreis: 34 ct/kWh brutto (Mittelwert der zehn größten Grundversorger, Stand 2026)
  • Grundpreis: 180 Euro pro Jahr (15,00 Euro monatlich, einheitlich für Festpreis und Dynamik-Vergleich)
  • Konzessionsabgabe: 1,66 ct/kWh (Gemeinde bis 100.000 Einwohner)
  • Umrechnung USt: 19 Prozent auf alle Komponenten inklusive Steuern und Abgaben (so sieht es auch Ihre Stromrechnung vor)

Grenzen: Was diese Methodik nicht abdeckt

  • Keine Prognose künftiger Preise. Die Zwölf-Monats-Basis ist rückwärtsgerichtet, nicht vorwärts.
  • Keine regionalen Netzentgelt-Abweichungen im Einzelnen. Wer im Tennet-Gebiet wohnt (hohe Entgelte) oder in Stadtnetzen mit niedrigen Umlagen, weicht nach oben oder unten ab.
  • Keine individuelle Tarifempfehlung. Wir vergleichen Profile, nicht Ihre konkrete Rechnung. Eine Einzelberatung kann nur ein zertifizierter Energieberater leisten.
  • Kein modellhafter Abgleich zwischen Anbietern. Die Rechnung vergleicht Festpreis gegen Dynamik-Durchschnitt, nicht Tibber gegen Rabot gegen Ostrom.
  • Keine steuerliche Optimierung. Wir sind keine Steuerberater; siehe Disclaimer.

Steuerhinweis: Keine Steuerberatung. Für Ihre individuelle Situation fragen Sie bitte einen Steuerberater.

Update-Rhythmus

KomponenteUpdate-FrequenzAuslöser
EPEX-Stundenpreise (CSV)monatlich zum 05.automatisiert per Cron
Anbieter-Aufschlägequartalsweisemanueller Review
Netzentgeltejährlich zum 01.01.BNetzA-Veröffentlichung
HaushaltsprofilejährlichBDEW-H0-Update, HTW-Studie
Methodologie-Reviewhalbjährlichinterne QS + ggf. externer Review

Versions-Log

VersionDatumÄnderung
1.12026-04-18Haushaltsprofile und Annahmen-Block an Werte der Hauptseite ausgerichtet (Profil A Single statt 2 Personen, Profil B 4.500 statt 6.000 kWh, Profil C PV+Speicher+Wallbox mit 2.800 kWh Netzbezug statt WP+E-Auto mit 8.500 kWh; Festpreis 34 statt 32 ct/kWh; Grundpreis 180 EUR/Jahr statt 12,50 EUR/Monat)
1.02026-04-18Erstveröffentlichung; EPEX-CSV 04/2025 bis 04/2026; Netzentgelte Bundesdurchschnitt 2026

Rohdaten als CSV herunterladen

Unsere EPEX-Day-Ahead-Stundenpreise der letzten zwölf Monate stehen als maschinenlesbare CSV-Datei zum Download bereit. Damit können Sie jede hier genannte Durchschnittszahl unabhängig nachrechnen.

⬇ EPEX-DA-DE-12M (CSV, ca. 240 kB)

Format: timestamp_utc, epex_da_eur_per_mwh – UTF-8 kodiert, RFC 4180 konform, 8.688 Zeilen. Lizenz: Die Daten stammen vom offenen Datenportal SMARD.de der Bundesnetzagentur. CC-BY-4.0 bei Zitation »SMARD.de, Bundesnetzagentur«.

Quellen

Rückfragen und Korrekturen

Sollten Ihnen Fehler in der Methodik auffallen oder eine Formel nicht reproduzierbar sein, freuen wir uns über einen Hinweis. Korrekturen dokumentieren wir im Versions-Log oberhalb, damit frühere Versionen der Rechnung nachvollziehbar bleiben. Rückmeldungen direkt an Marco Amato über das Autorenprofil.

Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten. Stand: 21.05.2026. Aktuelle Preise können abweichen.