Eine neue Autobatterie passt nur dann ohne Bastelei in die Halterung, wenn Baugröße, Polbelegung und Bodenleiste zum Fahrzeug passen. Europa-Hersteller arbeiten nach DIN EN 50342 mit standardisierten Gehäuse-Abmessungen. Wer die Systematik hinter H5, H6, H7 und H8 kennt, findet in zwei Minuten die richtige Batterie und vermeidet den häufigsten Fehler: ein Modell mit vertauschter Polbelegung.
Kurzantwort: H5 bis H9 sind europäische Gehäuse-Baugrößen mit jeweils fester Länge und einheitlicher Breite (175 mm) und Höhe (190 mm bei H6–H9, 175 mm bei H4/H5). H5 misst etwa 242 mm Länge und passt für Kompaktklasse, H7 mit 315 mm für Mittelklasse und E-Klasse, H8 mit 353 mm für Oberklasse und Wohnmobil. Zusätzlich zur Baugröße entscheiden EN-Nummer, Polbelegung (rechts oder links) und Bodenleiste über die Passform.
Die europäischen Baugrößen H4 bis H9 im Überblick
Die folgenden Maße gelten für Standard-Pkw-Batterien nach DIN EN 50342-2. Ausnahmen sind Start-Stopp-Varianten (EFB/AGM), die identische Außenmaße verwenden, aber durch höhere Zyklenfestigkeit abweichen können.
| Baugröße | L × B × H (mm) | Kapazität | CCA (EN) | Fahrzeug-Beispiele |
|---|---|---|---|---|
| H4 | 207 × 175 × 175 | 40–44 Ah | 330–440 A | Kleinwagen (Polo, Corsa, Panda) |
| H5 | 242 × 175 × 175 | 52–63 Ah | 470–610 A | Kompaktklasse (Golf, A3, Astra, Focus) |
| H6 | 278 × 175 × 190 | 70–80 Ah | 640–800 A | Mittelklasse (Passat, A4, 3er, C-Klasse) |
| H7 | 315 × 175 × 190 | 80–95 Ah | 780–900 A | Mittelklasse Benzin/Diesel mit Start-Stop, E-Klasse, SUV |
| H8 | 353 × 175 × 190 | 95–110 Ah | 850–1.000 A | Oberklasse, SUV, Vans, Wohnmobil-Starterbatterie |
| H9 | 353 × 175 × 190 | 105–125 Ah | 950–1.100 A | 7er, S-Klasse, A8, Premium-SUV |
Die Tabelle ist eine Marktbaseline. Einzelne Hersteller (Varta, Bosch, Banner, Exide) können um ±2 mm vom Mittelwert abweichen. Ausschlaggebend ist immer die Angabe im Datenblatt. Eine Budget-Variante in der H5-/H6-Übergangsklasse ist die BlackMax AGM 65 Ah Start-Stop* (Werbung), vom Preisniveau klar unter Varta/Bosch positioniert. Stand: 2026-04-30.
EN-Nummer dekodieren: 560 408 054 verstehen
Jede europäische Batterie trägt eine neunstellige EN-Typennummer. Sie gliedert sich in drei Blöcke mit jeweils drei Ziffern:
- Erster Block (XYY): Kapazität. Die erste Ziffer gibt den Kapazitätsbereich an, die beiden folgenden die Ah-Zahl. Bei 5YY: 5xx Ah. 560 = 60 Ah.
- Zweiter Block: Kaltstartstrom in Hundert Ampere. 408 = 400 A prüfstromfähig (nach EN). Manche Hersteller interpretieren hier die dritte Stelle abweichend, daher immer auch den aufgedruckten CCA-Wert abgleichen.
- Dritter Block: Ausführungsmerkmale (Baugröße, Polung, Entgasung, Bodenleiste). Hier ist ein Blick ins Hersteller-Datenblatt Pflicht, weil die Codierung pro Hersteller variiert.
Aus der EN-Nummer alleine lässt sich damit zuverlässig Kapazität und CCA ablesen. Die mechanische Passform muss über Baugröße, Polbelegung und Bodenleiste verifiziert werden.
Polbelegung 0 und 1: Die häufigste Fehlerquelle
Auf der Längsseite mit den Polen kann der Pluspol entweder rechts oder links liegen:
- Polbelegung 0: Pluspol rechts (Standard bei den meisten deutschen Pkw-Herstellern, VW-Konzern, Opel, Mercedes).
- Polbelegung 1: Pluspol links (typisch bei vielen asiatischen Fahrzeugen und Ford, teilweise BMW).
Ein Tausch von 0 auf 1 ist in fast allen Fahrzeugen nicht möglich, weil das Pluskabel zu kurz wird oder nicht isoliert über die Batterie gelegt werden darf. Wer sich unsicher ist: Im Zweifel das alte Batterie-Typenschild abfotografieren und 1:1 bestellen.
Bodenleiste B0, B1, B3 und B13
Die Bodenleiste ist ein umlaufender Steg an der Unterkante, über den die Batterie in der Halterung fixiert wird. Vier Varianten sind gängig:
- B0: keine Bodenleiste, Fixierung per Niederhalter oben
- B1: Bodenleiste 10,5 mm an Stirn- und Rückseite (klassisch deutscher Pkw)
- B3: Bodenleiste rundum (schmaler)
- B13: flache Bodenleiste für Fahrzeuge mit flacher Halterung (Ford, PSA)
Die Bodenleiste muss zur Halterung des Fahrzeugs passen. Bei Nachrüstung von Start-Stopp-AGM-Batterien ist dies die zweithäufigste Inkompatibilität (nach der Polbelegung).
DIN vs. JIS vs. BCI: Regionale Standards
| Standard | Region | Typische Bezeichnung | Merkmal |
|---|---|---|---|
| DIN / EN | Europa | H5, H6, H7, H8 | Genormt nach DIN EN 50342-2 |
| JIS | Japan, Asien | NS40, NS60, 55B24, 80D26 | Kleinere Gehäuse, andere Polform |
| BCI | USA, Kanada | Group 34, Group 65, Group 75 | Top-Post oder Side-Post, CCA nach SAE |
Fahrzeuge mit Asien-Import (Honda, Toyota, Mazda) verwenden häufig JIS-Batterien. Diese haben dünnere Rundpole mit Adaptern und abweichende Baugröße. Bei Ersatz unbedingt JIS-Entsprechung wählen, sonst passen Polklemmen nicht.
Fahrzeug zu Baugröße: Typische Zuordnung
Die folgenden Richtwerte gelten für Benzin/Diesel-Fahrzeuge ohne Sonderausstattung. Fahrzeuge mit Start-Stopp oder Mild-Hybrid-System benötigen immer EFB oder AGM in identischer Baugröße.
- Kleinwagen (H4 bis H5): VW Polo, Opel Corsa, Ford Fiesta, Fiat Panda, Renault Clio
- Kompaktklasse (H5 bis H6): VW Golf, Audi A3, Opel Astra, Ford Focus, Renault Megane
- Mittelklasse (H6 bis H7): VW Passat, Audi A4, BMW 3er, Mercedes C-Klasse, Opel Insignia
- Oberklasse und SUV (H7 bis H8): Audi A6, BMW 5er/X5, Mercedes E/GLE, VW Touareg
- Premium-Oberklasse (H8 bis H9): Audi A8, BMW 7er, Mercedes S-Klasse, Porsche Panamera
- Wohnmobil Starter: H7 bis H8, oft zusätzlich AGM-Variante für 20 Ah mehr Kapazität
Für den Austausch ist immer der Fahrzeugschein Pflicht. Sonderausstattungen wie Standheizung, Hifi-Anlage oder zusätzlicher Verbraucher können die geforderte Kapazität um eine Baugröße erhöhen.
Start-Stopp: Gleiche Baugröße, andere Chemie
Start-Stopp-Systeme verlangen zyklenfeste Batterien. Die Außenmaße bleiben identisch zu Standard-Blei, die Chemie ist anders:
- EFB (Enhanced Flooded Battery): Verbesserte Nass-Batterie mit dickeren Platten und Scrim-Gewebe. Zyklenfestigkeit etwa doppelt so hoch wie Standard-Blei.
- AGM (Absorbent Glass Mat): Elektrolyt in Glasvlies gebunden, auslaufsicher, für hochwertige Start-Stopp-Systeme mit Rekuperation und Start-Stopp-Automatik.
Wichtig: Ein Fahrzeug mit werksseitig AGM darf nicht auf EFB oder Standard-Blei zurückgestuft werden, weil das Batteriemanagement (BMS) die Ladekennlinie an AGM angepasst hat. Umgekehrt ist ein Upgrade von EFB auf AGM meist unproblematisch, wenn die Baugröße passt.
Vertiefung unter Nassbatterie, EFB und Kalzium und AGM-Batterie-Vergleich.
Häufige Fragen zu Autobatterie-Größen
Wie finde ich die Größe meiner Autobatterie heraus?
Vier Wege: (1) Typenschild auf der aktuellen Batterie abfotografieren, (2) Fahrzeugschein mit Schlüsselnummer beim Batterie-Shop einscannen, (3) Herstelleranleitung/Betriebshandbuch, (4) Motorraum öffnen und Baulänge, Polposition und Bodenleiste vergleichen.
Kann ich eine H6 in einen Platz für H5 einbauen?
Nur wenn mindestens 36 mm mehr Bauraum in Fahrtrichtung vorhanden ist und die Pluskabel-Länge ausreicht. Höhenunterschied H5 (175 mm) zu H6 (190 mm) kann zusätzlich das Schließen der Motorhaube oder der Batterieabdeckung verhindern.
Was bedeutet die EN-Nummer auf der Batterie?
Die ersten drei Ziffern geben die Kapazität an (z.B. 560 = 60 Ah), die mittleren drei den Kaltstartstrom in Hundert Ampere (408 = 400 A nach EN), die letzten drei sind herstellerspezifische Ausführungsmerkmale.
Darf ich eine Batterie mit mehr Ah einbauen?
Bis zu 10 % mehr Ah sind in der Regel unproblematisch. Größere Sprünge belasten die Lichtmaschine, weil der Ladestrom und die Ladezeit steigen. Bei Fahrzeugen mit BMS sollte der Batteriewechsel zusätzlich registriert werden, damit die Ladekennlinie angepasst wird.
Ist Polbelegung 0 und 1 gleich viel wert?
Technisch ja. Der einzige Unterschied ist die Anordnung von Plus- und Minuspol auf der Längsseite. Preise und Kapazität sind identisch. Entscheidend ist nur, dass die Polbelegung zum Fahrzeug passt.
Welche Baugröße passt in meinen VW Golf 7?
Je nach Motorisierung und Ausstattung H5 (52–63 Ah, Benzin ohne Start-Stop), H6 EFB (70 Ah, Benzin mit Start-Stop) oder H6 AGM (70 Ah, Diesel mit Start-Stop und Rekuperation). Die konkrete Variante steht im Fahrzeugschein oder im Serviceheft.