Grundlast berechnen: So dimensionieren Sie Ihr Balkonkraftwerk richtig

Grundlast ermitteln - Methode zur Grundlastermittlung um zu prüfen welche Leistung Balkonkraftwerk haben sollte
Marco A.15 Min. Lesezeit

Die Grundlast eines Haushalts ist der Stromverbrauch, der rund um die Uhr anfällt – auch wenn niemand zu Hause ist. Typische Verursacher sind Kühlschrank, Router, Heizungspumpe und Stand-by-Geräte. In deutschen Haushalten liegt die Grundlast typischerweise bei 50–250 Watt; der Durchschnitt liegt bei ca. 150 Watt. Das entspricht einem Jahresverbrauch von 1.314 kWh allein durch Dauerverbraucher – bei einem Strompreis von 34 Ct/kWh sind das über 450 Euro pro Jahr. In Häusern mit Wärmepumpe steigt die Grundlast auf 200–500 Watt, weil die Wärmepumpensteuerung und Umwälzpumpen dauerhaft Strom ziehen. Die Grundlast zu kennen, ist der Schlüssel zur richtigen Dimensionierung eines Balkonkraftwerks: Je genauer der Wert, desto höher der Eigenverbrauch und desto schneller die Amortisation. Dieser Ratgeber erklärt drei Messmethoden, liefert ein konkretes Rechenbeispiel, listet typische Geräteverbrauchswerte und gibt Dimensionierungsempfehlungen. Zuletzt aktualisiert: März 2026.

Was ist die Grundlast?

Die Grundlast ist der Ruhepuls Ihres Haushalts: die minimale elektrische Leistung, die Ihr Zuhause zu jeder Sekunde benötigt – auch nachts, wenn Sie schlafen, oder tagsüber, wenn niemand zu Hause ist. Sie wird verursacht durch Geräte, die dauerhaft oder in regelmäßigen Zyklen laufen: Kühlschrank und Gefriertruhe (zyklisch, ca. 10–20 W Durchschnitt), WLAN-Router und Netzwerkgeräte (dauerhaft, 8–15 W), Heizungspumpe (saisonabhängig, 20–80 W), Stand-by-Geräte wie Fernseher, Receiver, Spielkonsole (je 0,5–15 W) sowie smarte Geräte wie Sprachassistenten, Smarthome-Hub und Ladestationen (je 2–10 W).

Wichtig ist die Unterscheidung: Die Grundlast ist nicht Ihr Gesamtverbrauch. Sie ist nur der konstante Sockel, auf dem der schwankende Tagesverbrauch (Kochen, Waschen, Beleuchtung) aufsetzt. Ein Balkonkraftwerk, das exakt auf die Grundlast dimensioniert ist, erreicht den höchsten Eigenverbrauch – denn dieser Strom wird garantiert sofort verbraucht und muss nicht ins Netz abgegeben werden.

Einfach erklärt – Grundlast vs. Gesamtverbrauch

Stellen Sie sich Ihren Stromverbrauch wie einen Fluss vor. Die Grundlast ist der stets gleichbleibende Wasserstand – auch bei Trockenheit fließt immer eine gewisse Menge. Wenn Sie kochen, waschen oder fernsehen, steigt der Pegel vorübergehend an (das ist der Tagesverbrauch). Ein Balkonkraftwerk ohne Speicher liefert am besten, wenn es genau den Grundpegel abdeckt – dann fließt kein Strom ungenutzt über.

Warum die Grundlast für Ihr BKW entscheidend ist

Die Grundlast bestimmt direkt Ihren Eigenverbrauch – und damit die Wirtschaftlichkeit Ihres Balkonkraftwerks. Die Zusammenhänge:

Grundlast hoch (200–400 W), BKW 800 Wp: An sonnigen Tagen verbrauchen Sie fast den gesamten erzeugten Strom direkt. Eigenverbrauch ohne Speicher: 40–50 %. Amortisation: 2–3 Jahre. Ein Speicher bringt hier weniger Zusatznutzen, da bereits viel direkt verbraucht wird.

Grundlast niedrig (50–100 W), BKW 800 Wp: An sonnigen Tagen erzeugen Sie deutlich mehr als Sie verbrauchen – der Überschuss fließt ungenutzt ins Netz. Eigenverbrauch ohne Speicher: nur 20–30 %. Amortisation: 4–6 Jahre. Hier lohnt sich entweder ein kleineres Set (400–500 Wp) oder ein Speicher, um den Überschuss zu puffern. Mehr dazu: Balkonkraftwerk mit Speicher – wann lohnt es sich?

Die Faustregel: Je näher die Dauerleistung Ihres Balkonkraftwerks an Ihrer Grundlast liegt, desto höher der Eigenverbrauch ohne Speicher. Wer mit Speicher plant, kann größer dimensionieren – dann speichert der Akku den Überschuss für den Abend.

Drei Methoden, Ihre Grundlast zu messen

Methode 1 – Nachtmessung am Stromzähler (am genauesten)

Schalten Sie abends alle bewusst genutzten Geräte aus (Licht, Fernseher, Computer). Lassen Sie nur die Dauerverbraucher laufen (Kühlschrank, Router, Heizungspumpe, Stand-by). Notieren Sie den Zählerstand vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen. Die Berechnung:

Grundlast (W) = (Zählerstand morgens – Zählerstand abends) ÷ Stunden × 1.000

Beispiel: Zählerstand 23:00 Uhr = 5.240,0 kWh. Zählerstand 07:00 Uhr = 5.241,2 kWh. Differenz: 1,2 kWh in 8 Stunden. Grundlast: 1,2 ÷ 8 × 1.000 = 150 Watt.

Führen Sie die Messung an 3–5 Abenden durch und bilden den Durchschnitt. So gleichen Sie Schwankungen (z. B. Abtauzyklen des Kühlschranks) aus.

Methode 2 – Digitaler Stromzähler ablesen (am schnellsten)

Moderne digitale Zähler zeigen die aktuelle Leistungsaufnahme in Watt direkt auf dem Display an. Schalten Sie abends alle aktiven Verbraucher aus und lesen Sie den angezeigten Watt-Wert ab – das ist Ihre momentane Grundlast. Vorteil: sofortiges Ergebnis. Nachteil: Momentaufnahme, die nicht den Durchschnitt über die Nacht zeigt (Kühlschrank-Zyklen fehlen).

Methode 3 – Geräte auflisten und addieren (Schätzung)

Listen Sie alle Geräte auf, die dauerhaft am Stromnetz hängen. Suchen Sie den Stand-by-Verbrauch im Datenblatt oder messen Sie ihn mit einem Energiemessgerät (ab ca. 15 Euro). Addieren Sie die Werte. Diese Methode ist ungenauer, weil Herstellerangaben oft vom realen Verbrauch abweichen – sie gibt aber eine brauchbare Ersteinschätzung.

Ingenieur Deep Dive

Warum Grundlast nicht gleich Grundlast ist

Die Grundlast ist kein statischer Wert, sondern eine gemittelte Größe, die über den Tag und das Jahr schwankt. Ein Kühlschrank zieht nicht konstant 15 W, sondern läuft in Zyklen: Der Kompressor springt für 10–20 Minuten an (40–80 W), pausiert dann 30–60 Minuten (ca. 1–3 W für Elektronik und Licht). Der Durchschnitt liegt bei 10–20 W, aber die Spitzenlast beim Kompressorstart kann kurzzeitig 80 W erreichen.

Im Winter steigt die Grundlast häufig, weil Heizungspumpen und -steuerungen durchlaufen (20–80 W). Im Sommer sinkt die Heizungslast, dafür steigt die Kühlschrankgrundlast leicht (wärmere Umgebung = häufigere Kompressorzyklen). Für die Dimensionierung eines Balkonkraftwerks ist die Sommergrundlast entscheidend, weil im Sommer die meiste Solarenergie erzeugt wird.

Eine Präzisionsmessung gelingt mit einem Smart-Meter-Gateway oder einem Shelly 3EM: Diese Geräte messen den Gesamtverbrauch sekundengenau und zeigen die Grundlast als Minimum der letzten 24 Stunden. Einige BKW-Speicher (Anker Solix Solarbank 3, Solakon ONE) liefern diese Daten bereits über ihre App.

Rechenbeispiel: Grundlast für einen 3-Personen-Haushalt

Familie Müller wohnt in einem Einfamilienhaus und möchte die Grundlast berechnen, um das passende Balkonkraftwerk zu wählen. So gehen sie vor:

Schritt 1: Dauerverbraucher auflisten

GerätVerbrauchLaufzeit
Kühl-Gefrier-Kombi (2020, Klasse C)18 W (Durchschnitt)24/7
WLAN-Router + Mesh-Repeater14 W24/7
Heizungspumpe (Hocheffizienz)12 WHeizsaison, im Sommer aus
Fernseher + Soundbar (Stand-by)4 W24/7
Spielkonsole (Stand-by)6 W24/7
Smarter Lautsprecher (2×)8 W24/7
Telefon-Basisstation (DECT)3 W24/7
Laptop-Netzteil (eingesteckt)2 W24/7
Warmwasser-Zirkulation (getaktet)10 W (Durchschnitt)24/7

Schritt 2: Addieren

Sommergrundlast (ohne Heizungspumpe): 18 + 14 + 4 + 6 + 8 + 3 + 2 + 10 = 65 W

Wintergrundlast (mit Heizungspumpe): 65 + 12 = 77 W

Schritt 3: Kontrollmessung (Nachtmessung)

Zählerstand 23:00 = 12.480,3 kWh. Zählerstand 07:00 = 12.481,0 kWh. Differenz: 0,7 kWh in 8 Stunden.

Gemessene Grundlast: 0,7 ÷ 8 × 1.000 = 88 Watt

Die Nachtmessung liegt etwas höher als die Schätzung (88 vs. 77 W) – das ist normal. Geräte wie der Kühlschrank haben Verbrauchsspitzen in Kompressor-Zyklen, und einzelne Stand-by-Verbraucher werden beim Auflisten leicht vergessen. Die Nachtmessung ist zuverlässiger.

Ergebnis für Familie Müller

Grundlast ca. 90 W (Sommer). Bei dieser Grundlast deckt bereits ein 400-Wp-Modul den Dauerverbrauch an Sonnentagen ab. Ein 800-Wp-Set erzeugt bei Sonnenschein deutlich mehr als die Grundlast – ideal, wenn tagsüber zusätzlich Laptop, Waschmaschine oder Spülmaschine laufen. Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch bei ca. 25–35 %. Mit einem 2-kWh-Speicher steigt er auf 60–70 %. Individuelle Berechnung: Balkonkraftwerk-Rechner.

Grundlast-Rechner: Jetzt Ihre Grundlast berechnen

Nutzen Sie unseren interaktiven Rechner, um Ihre individuelle Grundlast zu ermitteln. Wählen Sie die Geräte aus, die bei Ihnen dauerhaft am Netz hängen, und passen Sie die Watt-Werte an. Der Rechner berechnet Ihre Grundlast, die jährlichen Kosten und empfiehlt die passende Balkonkraftwerk-Größe.

Hinweis zum Rechner

Die Watt-Werte sind Durchschnittswerte. Passen Sie diese an, wenn Sie den Verbrauch Ihres konkreten Geräts kennen (Datenblatt oder eigene Messung). Für eine präzisere Grundlast empfehlen wir zusätzlich die Nachtmessung am Zähler.

Typische Grundlasten nach Haushaltstyp

HaushaltstypTypische GrundlastJahresverbrauch (nur Grundlast)Kosten/Jahr (34 Ct/kWh)
Singlehaushalt, sparsam50–80 W440–700 kWh150–240 Euro
Singlehaushalt, normal80–150 W700–1.314 kWh240–450 Euro
Paarhaushalt100–200 W876–1.752 kWh298–596 Euro
Familie (3–4 Personen)150–300 W1.314–2.628 kWh450–894 Euro
Großer Haushalt / Homeoffice200–400 W1.752–3.504 kWh596–1.191 Euro
Haus mit Wärmepumpe200–500 W1.752–4.380 kWh596–1.489 Euro
Richtwerte auf Basis von Verbrauchsdatenerhebungen und Feldmessungen. Die tatsächliche Grundlast hängt von Anzahl und Alter der Geräte, Heizungstyp und individuellen Gewohnheiten ab. Messen Sie Ihre Grundlast immer selbst für eine verlässliche Dimensionierung.

Ein oft übersehener Posten: Alte Heizungspumpen. Ungeregelte Pumpen aus den 1990er- und 2000er-Jahren verbrauchen 40–80 W im Dauerbetrieb. Moderne Hocheffizienzpumpen (Energielabel A) benötigen nur 5–15 W. Der Tausch einer alten Pumpe kann die Grundlast um 30–70 W senken – das spart 90–210 kWh pro Jahr.

Sonderfall Haus mit Wärmepumpe: Wärmepumpen erhöhen die Grundlast erheblich, weil Steuerelektronik, Umwälzpumpe und bei manchen Modellen ein Frostschutz-Heizbetrieb dauerhaft laufen. Die Wärmepumpe selbst (Kompressor) zählt nicht zur Grundlast – sie springt nur bei Heizbedarf an. Aber allein die Nebenverbraucher können 50–150 W dauerhaft ziehen. In einem Haus mit Wärmepumpe lohnt sich ein Balkonkraftwerk deshalb besonders, weil die höhere Grundlast den Eigenverbrauch steigert.

Gerätetabelle: Was verbraucht wie viel im Stand-by?

GerätDauerverbrauch / Stand-byKategorie
WLAN-Router8–15 W (dauerhaft)Dauerverbraucher
Kühlschrank (A/B)10–20 W (Durchschnitt)Zyklisch
Kühlschrank (alt, A+ oder schlechter)20–40 W (Durchschnitt)Zyklisch
Gefriertruhe / Gefrierschrank15–25 W (Durchschnitt)Zyklisch
Heizungspumpe (ungeregelt, alt)40–80 W (dauerhaft, Heizsaison)Dauerverbraucher
Heizungspumpe (Hocheffizienz, A)5–15 W (dauerhaft, Heizsaison)Dauerverbraucher
Wärmepumpe (Steuerung + Umwälzpumpe)50–150 W (dauerhaft)Dauerverbraucher
Fernseher (Stand-by)0,5–3 WStand-by
Receiver / Set-Top-Box5–15 W (scheinbar aus)Stand-by
Spielkonsole (Stand-by)2–10 WStand-by
Smarter Lautsprecher (Alexa, Google)2–6 W (dauerhaft)Dauerverbraucher
Smarthome-Hub / Bridge2–5 W (dauerhaft)Dauerverbraucher
Telefon-Basisstation (DECT)2–5 W (dauerhaft)Dauerverbraucher
Laptop-Netzteil (eingesteckt, ohne Laptop)0,5–3 WStand-by
NAS / Heimserver15–40 W (dauerhaft)Dauerverbraucher
Aquarium (Pumpe + Heizung)30–100 W (dauerhaft)Dauerverbraucher
Warmwasser-Zirkulationspumpe15–40 W (dauerhaft oder getaktet)Dauerverbraucher
Wallbox (Stand-by)3–10 WStand-by
Werte: typische Bereiche auf Basis von Herstellerangaben und eigenen Messungen mit Energiemessgeräten. Der tatsächliche Verbrauch variiert je nach Modell und Alter. Messen Sie im Zweifel mit einem Energiemessgerät (z. B. Brennenstuhl, ca. 15 Euro).

Von der Grundlast zur richtigen BKW-Größe

Aus der Grundlast lässt sich die optimale Anlagengröße ableiten. Die folgende Tabelle zeigt die Empfehlung abhängig von Ihrer Grundlast und der Frage, ob Sie einen Speicher planen.

Ihre GrundlastEmpfehlung ohne SpeicherEmpfehlung mit Speicher
Unter 100 W400–500 Wp (1 Modul) – mehr erzeugt hauptsächlich Überschuss800 Wp (2 Module) + 1,6–2 kWh Speicher
100–200 W800 Wp (2 Module) – optimaler Kompromiss800–1.000 Wp + 2 kWh Speicher
200–350 W800–1.000 Wp (2 Module) – fast alles wird direkt verbraucht2.000 Wp (4 Module) + 2–2,7 kWh Speicher
Über 350 W2.000 Wp (4 Module) – selbst bei voller Sonne wenig Überschuss2.000 Wp + 2,7–5 kWh Speicher
Empfehlungen für Südausrichtung, 30° Neigung. Bei senkrechter Balkongeländermontage (55–65 % Ertrag) können Sie eine Stufe größer wählen. Individuelle Ertragsberechnung: Balkonkraftwerk-Rechner.

Sobald Sie Ihre Grundlast kennen und die passende BKW-Größe gewählt haben: Die Anmeldung im Marktstammdatenregister dauert nur 10–15 Minuten und ist die einzige Pflicht.

Bevor Sie bestellen: Im Preisvergleich sehen Sie aktuelle Preise der Sets, die zu Ihrer Grundlast passen.

Grundlast senken: 6 sofort umsetzbare Tipps

1. Stand-by-Verbraucher eliminieren. Schaltbare Steckdosenleisten für Entertainment-Bereich (TV, Receiver, Konsole, Soundbar). Einsparung: 10–40 W, je nach Gerätepark.

2. Alte Heizungspumpe tauschen. Eine ungeregelte Pumpe (40–80 W) gegen eine Hocheffizienzpumpe (5–15 W) tauschen. Einsparung: 30–70 W Dauerlast – das allein spart 90–210 kWh/Jahr. Viele Energieversorger bezuschussen den Tausch.

3. Alten Kühlschrank ersetzen. Ein Kühlschrank von 2005 verbraucht oft doppelt so viel wie ein aktuelles Gerät (Klasse A/B nach neuem EU-Label). Einsparung: 10–20 W Dauerlast.

4. WLAN-Router nachts ausschalten. Ein Timer schaltet den Router von 0:00 bis 6:00 Uhr aus. Einsparung: ca. 8–15 W × 6 Stunden = 48–90 Wh pro Nacht. Beachten Sie: Einige Smarthome-Systeme, IP-Telefone und Updates benötigen den Router durchgehend.

5. Netzteile ausstecken. Ladegeräte für Laptop, Tablet, Handy, E-Zigarette – eingesteckte Netzteile ziehen 0,5–3 W, auch wenn kein Gerät angeschlossen ist.

6. Warmwasser-Zirkulationspumpe takten. Eine per Zeitschaltuhr gesteuerte Zirkulationspumpe (nur morgens und abends) statt Dauerbetrieb spart 10–30 W Grundlast.

Häufige Fragen zur Grundlast

Für einen durchschnittlichen deutschen Haushalt liegt die Grundlast bei 50–250 W, typischerweise bei ca. 150 W. Ein sparsamer Singlehaushalt kommt auf 50–80 W, eine Familie mit vielen vernetzten Geräten auf 200–400 W. Werte über 300 W deuten auf versteckte Dauerverbraucher hin (alte Heizungspumpe, NAS, Aquarium).

Am einfachsten mit der Nachtmessung: Zählerstand abends notieren, morgens erneut ablesen. Differenz in kWh geteilt durch die Stundenzahl, mal 1.000 – das ergibt die Grundlast in Watt. Beispiel: 0,96 kWh in 8 Stunden = 120 Watt Grundlast. Wiederholen Sie die Messung an 3–5 Abenden und bilden Sie den Durchschnitt.

Am schnellsten: Digitalen Stromzähler abends ablesen, wenn alle aktiven Geräte aus sind – der angezeigte Watt-Wert ist Ihre momentane Grundlast. Am genauesten: Nachtmessung über 8 Stunden (Zählerstand abends notieren, morgens erneut, Differenz durch Stunden teilen und mit 1.000 multiplizieren). Empfehlung: 3–5 Nächte messen und Durchschnitt bilden.

Ja, meistens. Ein Haus hat in der Regel eine höhere Grundlast als eine Wohnung, weil zusätzliche Dauerverbraucher hinzukommen: eigene Heizungsanlage mit Pumpe und Steuerung (20–80 W), Warmwasser-Zirkulationspumpe (15–40 W), ggf. Wärmepumpe (50–150 W Steuerung), Außenbeleuchtung, Garagentorantrieb (Stand-by 3–5 W) und Lüftungsanlage. In einer Mietwohnung hingegen stellt der Vermieter Heizung und Warmwasser bereit – diese Verbraucher fallen auf dem eigenen Zähler nicht an.

Alles. Die Grundlast ist der Strom, den Ihr Haushalt zu jeder Sekunde benötigt. Solange Ihr Balkonkraftwerk weniger erzeugt als die Grundlast, wird 100 % des erzeugten Stroms sofort verbraucht – nichts fließt ins Netz. Erst wenn die Erzeugung die Grundlast übersteigt, entsteht Überschuss. Deshalb gilt: Je höher Ihre Grundlast, desto höher Ihr Eigenverbrauch ohne Speicher.

Ja, erheblich. Auch wenn die Wärmepumpe nicht heizt, ziehen Steuerelektronik, Umwälzpumpe und bei manchen Modellen ein Frostschutz-Heizbetrieb dauerhaft 50–150 W. Das erhöht die Grundlast eines Hauses auf 200–500 W – und macht ein Balkonkraftwerk besonders wirtschaftlich, weil mehr Solarstrom direkt verbraucht wird. Bei solchen Grundlasten lohnt sich ein 800-Wp-System oft auch ohne Speicher.

Für die BKW-Dimensionierung: im Sommer. Im Sommer erzeugt Ihr Balkonkraftwerk den meisten Strom, und die Grundlast ist typischerweise niedriger (keine Heizungspumpe). Die Sommergrundlast ist deshalb der maßgebliche Wert für die Frage, wie viel Überschuss entsteht. Im Winter ist die Grundlast oft höher, dafür erzeugt das BKW weniger – der Eigenverbrauch ist dann ohnehin hoch.

Ja, teilweise. Die Mittellast sind Verbraucher, die tagsüber zusätzlich zur Grundlast laufen (Laptop, Monitor, Küchengeräte). Ein 800-Wp-BKW bei Sonnenschein erzeugt 400–700 W – genug für die Grundlast plus einen größeren Tagesverbraucher. Tipp: Verbraucher gezielt starten, wenn die Sonne scheint. Ertrag in Echtzeit prüfen: BKW-Rechner.

Nicht zwingend, aber hilfreich. Die Nachtmessung am Zähler liefert die Gesamtgrundlast. Ein Energiemessgerät (z. B. Brennenstuhl PM 231 E, ca. 15 Euro) hilft, einzelne Geräte zu identifizieren, die überraschend viel im Stand-by verbrauchen. Besonders lohnend bei hoher Grundlast (über 200 W), um die größten Verbraucher zu finden und zu eliminieren.

MA

Marco A.

Gründer und Technik-Redakteur · elektronik-zeit.de

Marco betreibt elektronik-zeit.de als unabhängiges Fachportal für Photovoltaik, Elektromobilität und 12-V-Ladetechnik. Grundlast-Empfehlungen basieren auf eigenen Messungen und Feldstudien der HTW Berlin.

Diese Berechnung dient der unverbindlichen Orientierung. Tatsächliche Werte können abweichen. Keine Haftung für die Richtigkeit.