Die Grundlast eines Haushalts ist der Stromverbrauch, der rund um die Uhr anfällt – auch wenn niemand zu Hause ist. Typische Verursacher sind Kühlschrank, Router, Heizungspumpe und Stand-by-Geräte. In deutschen Haushalten liegt die Grundlast typischerweise bei 50–250 Watt; der Durchschnitt liegt bei ca. 150 Watt. Das entspricht einem Jahresverbrauch von 1.314 kWh allein durch Dauerverbraucher – bei einem Strompreis von 34 Ct/kWh sind das über 450 Euro pro Jahr. In Häusern mit Wärmepumpe steigt die Grundlast auf 200–500 Watt, weil die Wärmepumpensteuerung und Umwälzpumpen dauerhaft Strom ziehen. Die Grundlast zu kennen, ist der Schlüssel zur richtigen Dimensionierung eines Balkonkraftwerks: Je genauer der Wert, desto höher der Eigenverbrauch und desto schneller die Amortisation. Dieser Ratgeber erklärt drei Messmethoden, liefert ein konkretes Rechenbeispiel, listet typische Geräteverbrauchswerte und gibt Dimensionierungsempfehlungen. Zuletzt aktualisiert: März 2026.
Inhalt
- Was ist die Grundlast?
- Warum die Grundlast für Ihr BKW entscheidend ist
- Drei Methoden zum Messen
- Rechenbeispiel: Grundlast für einen 3-Personen-Haushalt
- Grundlast-Rechner: Jetzt Ihre Grundlast berechnen
- Typische Grundlasten nach Haushaltstyp
- Gerätetabelle: Was verbraucht wie viel?
- Von der Grundlast zur richtigen BKW-Größe
- Grundlast senken: 6 sofort umsetzbare Tipps
- Häufige Fragen
Was ist die Grundlast?
Die Grundlast ist der Ruhepuls Ihres Haushalts: die minimale elektrische Leistung, die Ihr Zuhause zu jeder Sekunde benötigt – auch nachts, wenn Sie schlafen, oder tagsüber, wenn niemand zu Hause ist. Sie wird verursacht durch Geräte, die dauerhaft oder in regelmäßigen Zyklen laufen: Kühlschrank und Gefriertruhe (zyklisch, ca. 10–20 W Durchschnitt), WLAN-Router und Netzwerkgeräte (dauerhaft, 8–15 W), Heizungspumpe (saisonabhängig, 20–80 W), Stand-by-Geräte wie Fernseher, Receiver, Spielkonsole (je 0,5–15 W) sowie smarte Geräte wie Sprachassistenten, Smarthome-Hub und Ladestationen (je 2–10 W).
Wichtig ist die Unterscheidung: Die Grundlast ist nicht Ihr Gesamtverbrauch. Sie ist nur der konstante Sockel, auf dem der schwankende Tagesverbrauch (Kochen, Waschen, Beleuchtung) aufsetzt. Ein Balkonkraftwerk, das exakt auf die Grundlast dimensioniert ist, erreicht den höchsten Eigenverbrauch – denn dieser Strom wird garantiert sofort verbraucht und muss nicht ins Netz abgegeben werden.
Stellen Sie sich Ihren Stromverbrauch wie einen Fluss vor. Die Grundlast ist der stets gleichbleibende Wasserstand – auch bei Trockenheit fließt immer eine gewisse Menge. Wenn Sie kochen, waschen oder fernsehen, steigt der Pegel vorübergehend an (das ist der Tagesverbrauch). Ein Balkonkraftwerk ohne Speicher liefert am besten, wenn es genau den Grundpegel abdeckt – dann fließt kein Strom ungenutzt über.
Warum die Grundlast für Ihr BKW entscheidend ist
Die Grundlast bestimmt direkt Ihren Eigenverbrauch – und damit die Wirtschaftlichkeit Ihres Balkonkraftwerks. Die Zusammenhänge:
Grundlast hoch (200–400 W), BKW 800 Wp: An sonnigen Tagen verbrauchen Sie fast den gesamten erzeugten Strom direkt. Eigenverbrauch ohne Speicher: 40–50 %. Amortisation: 2–3 Jahre. Ein Speicher bringt hier weniger Zusatznutzen, da bereits viel direkt verbraucht wird.
Grundlast niedrig (50–100 W), BKW 800 Wp: An sonnigen Tagen erzeugen Sie deutlich mehr als Sie verbrauchen – der Überschuss fließt ungenutzt ins Netz. Eigenverbrauch ohne Speicher: nur 20–30 %. Amortisation: 4–6 Jahre. Hier lohnt sich entweder ein kleineres Set (400–500 Wp) oder ein Speicher, um den Überschuss zu puffern. Mehr dazu: Balkonkraftwerk mit Speicher – wann lohnt es sich?
Die Faustregel: Je näher die Dauerleistung Ihres Balkonkraftwerks an Ihrer Grundlast liegt, desto höher der Eigenverbrauch ohne Speicher. Wer mit Speicher plant, kann größer dimensionieren – dann speichert der Akku den Überschuss für den Abend.
Drei Methoden, Ihre Grundlast zu messen
Methode 1 – Nachtmessung am Stromzähler (am genauesten)
Schalten Sie abends alle bewusst genutzten Geräte aus (Licht, Fernseher, Computer). Lassen Sie nur die Dauerverbraucher laufen (Kühlschrank, Router, Heizungspumpe, Stand-by). Notieren Sie den Zählerstand vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen. Die Berechnung:
Grundlast (W) = (Zählerstand morgens – Zählerstand abends) ÷ Stunden × 1.000
Beispiel: Zählerstand 23:00 Uhr = 5.240,0 kWh. Zählerstand 07:00 Uhr = 5.241,2 kWh. Differenz: 1,2 kWh in 8 Stunden. Grundlast: 1,2 ÷ 8 × 1.000 = 150 Watt.
Führen Sie die Messung an 3–5 Abenden durch und bilden den Durchschnitt. So gleichen Sie Schwankungen (z. B. Abtauzyklen des Kühlschranks) aus.
Methode 2 – Digitaler Stromzähler ablesen (am schnellsten)
Moderne digitale Zähler zeigen die aktuelle Leistungsaufnahme in Watt direkt auf dem Display an. Schalten Sie abends alle aktiven Verbraucher aus und lesen Sie den angezeigten Watt-Wert ab – das ist Ihre momentane Grundlast. Vorteil: sofortiges Ergebnis. Nachteil: Momentaufnahme, die nicht den Durchschnitt über die Nacht zeigt (Kühlschrank-Zyklen fehlen).
Methode 3 – Geräte auflisten und addieren (Schätzung)
Listen Sie alle Geräte auf, die dauerhaft am Stromnetz hängen. Suchen Sie den Stand-by-Verbrauch im Datenblatt oder messen Sie ihn mit einem Energiemessgerät (ab ca. 15 Euro). Addieren Sie die Werte. Diese Methode ist ungenauer, weil Herstellerangaben oft vom realen Verbrauch abweichen – sie gibt aber eine brauchbare Ersteinschätzung.
Ingenieur Deep Dive
Warum Grundlast nicht gleich Grundlast ist
Die Grundlast ist kein statischer Wert, sondern eine gemittelte Größe, die über den Tag und das Jahr schwankt. Ein Kühlschrank zieht nicht konstant 15 W, sondern läuft in Zyklen: Der Kompressor springt für 10–20 Minuten an (40–80 W), pausiert dann 30–60 Minuten (ca. 1–3 W für Elektronik und Licht). Der Durchschnitt liegt bei 10–20 W, aber die Spitzenlast beim Kompressorstart kann kurzzeitig 80 W erreichen.
Im Winter steigt die Grundlast häufig, weil Heizungspumpen und -steuerungen durchlaufen (20–80 W). Im Sommer sinkt die Heizungslast, dafür steigt die Kühlschrankgrundlast leicht (wärmere Umgebung = häufigere Kompressorzyklen). Für die Dimensionierung eines Balkonkraftwerks ist die Sommergrundlast entscheidend, weil im Sommer die meiste Solarenergie erzeugt wird.
Eine Präzisionsmessung gelingt mit einem Smart-Meter-Gateway oder einem Shelly 3EM: Diese Geräte messen den Gesamtverbrauch sekundengenau und zeigen die Grundlast als Minimum der letzten 24 Stunden. Einige BKW-Speicher (Anker Solix Solarbank 3, Solakon ONE) liefern diese Daten bereits über ihre App.
Rechenbeispiel: Grundlast für einen 3-Personen-Haushalt
Familie Müller wohnt in einem Einfamilienhaus und möchte die Grundlast berechnen, um das passende Balkonkraftwerk zu wählen. So gehen sie vor:
Schritt 1: Dauerverbraucher auflisten
| Gerät | Verbrauch | Laufzeit |
|---|---|---|
| Kühl-Gefrier-Kombi (2020, Klasse C) | 18 W (Durchschnitt) | 24/7 |
| WLAN-Router + Mesh-Repeater | 14 W | 24/7 |
| Heizungspumpe (Hocheffizienz) | 12 W | Heizsaison, im Sommer aus |
| Fernseher + Soundbar (Stand-by) | 4 W | 24/7 |
| Spielkonsole (Stand-by) | 6 W | 24/7 |
| Smarter Lautsprecher (2×) | 8 W | 24/7 |
| Telefon-Basisstation (DECT) | 3 W | 24/7 |
| Laptop-Netzteil (eingesteckt) | 2 W | 24/7 |
| Warmwasser-Zirkulation (getaktet) | 10 W (Durchschnitt) | 24/7 |
Schritt 2: Addieren
Sommergrundlast (ohne Heizungspumpe): 18 + 14 + 4 + 6 + 8 + 3 + 2 + 10 = 65 W
Wintergrundlast (mit Heizungspumpe): 65 + 12 = 77 W
Schritt 3: Kontrollmessung (Nachtmessung)
Zählerstand 23:00 = 12.480,3 kWh. Zählerstand 07:00 = 12.481,0 kWh. Differenz: 0,7 kWh in 8 Stunden.
Gemessene Grundlast: 0,7 ÷ 8 × 1.000 = 88 Watt
Die Nachtmessung liegt etwas höher als die Schätzung (88 vs. 77 W) – das ist normal. Geräte wie der Kühlschrank haben Verbrauchsspitzen in Kompressor-Zyklen, und einzelne Stand-by-Verbraucher werden beim Auflisten leicht vergessen. Die Nachtmessung ist zuverlässiger.
Grundlast ca. 90 W (Sommer). Bei dieser Grundlast deckt bereits ein 400-Wp-Modul den Dauerverbrauch an Sonnentagen ab. Ein 800-Wp-Set erzeugt bei Sonnenschein deutlich mehr als die Grundlast – ideal, wenn tagsüber zusätzlich Laptop, Waschmaschine oder Spülmaschine laufen. Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch bei ca. 25–35 %. Mit einem 2-kWh-Speicher steigt er auf 60–70 %. Individuelle Berechnung: Balkonkraftwerk-Rechner.
Grundlast-Rechner: Jetzt Ihre Grundlast berechnen
Nutzen Sie unseren interaktiven Rechner, um Ihre individuelle Grundlast zu ermitteln. Wählen Sie die Geräte aus, die bei Ihnen dauerhaft am Netz hängen, und passen Sie die Watt-Werte an. Der Rechner berechnet Ihre Grundlast, die jährlichen Kosten und empfiehlt die passende Balkonkraftwerk-Größe.
Die Watt-Werte sind Durchschnittswerte. Passen Sie diese an, wenn Sie den Verbrauch Ihres konkreten Geräts kennen (Datenblatt oder eigene Messung). Für eine präzisere Grundlast empfehlen wir zusätzlich die Nachtmessung am Zähler.
Typische Grundlasten nach Haushaltstyp
| Haushaltstyp | Typische Grundlast | Jahresverbrauch (nur Grundlast) | Kosten/Jahr (34 Ct/kWh) |
|---|---|---|---|
| Singlehaushalt, sparsam | 50–80 W | 440–700 kWh | 150–240 Euro |
| Singlehaushalt, normal | 80–150 W | 700–1.314 kWh | 240–450 Euro |
| Paarhaushalt | 100–200 W | 876–1.752 kWh | 298–596 Euro |
| Familie (3–4 Personen) | 150–300 W | 1.314–2.628 kWh | 450–894 Euro |
| Großer Haushalt / Homeoffice | 200–400 W | 1.752–3.504 kWh | 596–1.191 Euro |
| Haus mit Wärmepumpe | 200–500 W | 1.752–4.380 kWh | 596–1.489 Euro |
Ein oft übersehener Posten: Alte Heizungspumpen. Ungeregelte Pumpen aus den 1990er- und 2000er-Jahren verbrauchen 40–80 W im Dauerbetrieb. Moderne Hocheffizienzpumpen (Energielabel A) benötigen nur 5–15 W. Der Tausch einer alten Pumpe kann die Grundlast um 30–70 W senken – das spart 90–210 kWh pro Jahr.
Sonderfall Haus mit Wärmepumpe: Wärmepumpen erhöhen die Grundlast erheblich, weil Steuerelektronik, Umwälzpumpe und bei manchen Modellen ein Frostschutz-Heizbetrieb dauerhaft laufen. Die Wärmepumpe selbst (Kompressor) zählt nicht zur Grundlast – sie springt nur bei Heizbedarf an. Aber allein die Nebenverbraucher können 50–150 W dauerhaft ziehen. In einem Haus mit Wärmepumpe lohnt sich ein Balkonkraftwerk deshalb besonders, weil die höhere Grundlast den Eigenverbrauch steigert.
Gerätetabelle: Was verbraucht wie viel im Stand-by?
| Gerät | Dauerverbrauch / Stand-by | Kategorie |
|---|---|---|
| WLAN-Router | 8–15 W (dauerhaft) | Dauerverbraucher |
| Kühlschrank (A/B) | 10–20 W (Durchschnitt) | Zyklisch |
| Kühlschrank (alt, A+ oder schlechter) | 20–40 W (Durchschnitt) | Zyklisch |
| Gefriertruhe / Gefrierschrank | 15–25 W (Durchschnitt) | Zyklisch |
| Heizungspumpe (ungeregelt, alt) | 40–80 W (dauerhaft, Heizsaison) | Dauerverbraucher |
| Heizungspumpe (Hocheffizienz, A) | 5–15 W (dauerhaft, Heizsaison) | Dauerverbraucher |
| Wärmepumpe (Steuerung + Umwälzpumpe) | 50–150 W (dauerhaft) | Dauerverbraucher |
| Fernseher (Stand-by) | 0,5–3 W | Stand-by |
| Receiver / Set-Top-Box | 5–15 W (scheinbar aus) | Stand-by |
| Spielkonsole (Stand-by) | 2–10 W | Stand-by |
| Smarter Lautsprecher (Alexa, Google) | 2–6 W (dauerhaft) | Dauerverbraucher |
| Smarthome-Hub / Bridge | 2–5 W (dauerhaft) | Dauerverbraucher |
| Telefon-Basisstation (DECT) | 2–5 W (dauerhaft) | Dauerverbraucher |
| Laptop-Netzteil (eingesteckt, ohne Laptop) | 0,5–3 W | Stand-by |
| NAS / Heimserver | 15–40 W (dauerhaft) | Dauerverbraucher |
| Aquarium (Pumpe + Heizung) | 30–100 W (dauerhaft) | Dauerverbraucher |
| Warmwasser-Zirkulationspumpe | 15–40 W (dauerhaft oder getaktet) | Dauerverbraucher |
| Wallbox (Stand-by) | 3–10 W | Stand-by |
Von der Grundlast zur richtigen BKW-Größe
Aus der Grundlast lässt sich die optimale Anlagengröße ableiten. Die folgende Tabelle zeigt die Empfehlung abhängig von Ihrer Grundlast und der Frage, ob Sie einen Speicher planen.
| Ihre Grundlast | Empfehlung ohne Speicher | Empfehlung mit Speicher |
|---|---|---|
| Unter 100 W | 400–500 Wp (1 Modul) – mehr erzeugt hauptsächlich Überschuss | 800 Wp (2 Module) + 1,6–2 kWh Speicher |
| 100–200 W | 800 Wp (2 Module) – optimaler Kompromiss | 800–1.000 Wp + 2 kWh Speicher |
| 200–350 W | 800–1.000 Wp (2 Module) – fast alles wird direkt verbraucht | 2.000 Wp (4 Module) + 2–2,7 kWh Speicher |
| Über 350 W | 2.000 Wp (4 Module) – selbst bei voller Sonne wenig Überschuss | 2.000 Wp + 2,7–5 kWh Speicher |
Sobald Sie Ihre Grundlast kennen und die passende BKW-Größe gewählt haben: Die Anmeldung im Marktstammdatenregister dauert nur 10–15 Minuten und ist die einzige Pflicht.
Bevor Sie bestellen: Im Preisvergleich sehen Sie aktuelle Preise der Sets, die zu Ihrer Grundlast passen.
Grundlast senken: 6 sofort umsetzbare Tipps
1. Stand-by-Verbraucher eliminieren. Schaltbare Steckdosenleisten für Entertainment-Bereich (TV, Receiver, Konsole, Soundbar). Einsparung: 10–40 W, je nach Gerätepark.
2. Alte Heizungspumpe tauschen. Eine ungeregelte Pumpe (40–80 W) gegen eine Hocheffizienzpumpe (5–15 W) tauschen. Einsparung: 30–70 W Dauerlast – das allein spart 90–210 kWh/Jahr. Viele Energieversorger bezuschussen den Tausch.
3. Alten Kühlschrank ersetzen. Ein Kühlschrank von 2005 verbraucht oft doppelt so viel wie ein aktuelles Gerät (Klasse A/B nach neuem EU-Label). Einsparung: 10–20 W Dauerlast.
4. WLAN-Router nachts ausschalten. Ein Timer schaltet den Router von 0:00 bis 6:00 Uhr aus. Einsparung: ca. 8–15 W × 6 Stunden = 48–90 Wh pro Nacht. Beachten Sie: Einige Smarthome-Systeme, IP-Telefone und Updates benötigen den Router durchgehend.
5. Netzteile ausstecken. Ladegeräte für Laptop, Tablet, Handy, E-Zigarette – eingesteckte Netzteile ziehen 0,5–3 W, auch wenn kein Gerät angeschlossen ist.
6. Warmwasser-Zirkulationspumpe takten. Eine per Zeitschaltuhr gesteuerte Zirkulationspumpe (nur morgens und abends) statt Dauerbetrieb spart 10–30 W Grundlast.
