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Sie öffnen nach der Winterpause die Motorhaube Ihres Oldtimers, klemmen das Multimeter an, und lesen 11,9 V. Die Batterie ist drei Jahre alt, eine klassische Nassbatterie mit Antimon-Legierung. Neue Batterie kaufen oder doch erst den Recond-Modus Ihres CTEK-Ladegeräts probieren? Genau diese Entscheidung steht jedes Frühjahr in tausenden Garagen an. Um sie fundiert treffen zu können, müssen Sie verstehen, was bei der Rekonditionierung elektrochemisch passiert, und wo die Grenzen liegen.
Was bei der Entladung in der Batterie passiert, und warum Sulfatierung entsteht
Bei jeder Entladung einer Blei-Säure-Batterie reagieren sowohl die negative Bleiplatte (Pb) als auch die positive Bleidioxidplatte (PbO2) mit der Schwefelsäure (H2SO4) im Elektrolyten. Das Reaktionsprodukt ist in beiden Fällen Bleisulfat (PbSO4). Dieses Bleisulfat bildet zunächst feine, amorphe Kristalle auf der Plattenoberfläche, ein vollkommen normaler und reversibler Vorgang.
Beim anschließenden Laden kehrt sich die Reaktion um: Das Bleisulfat wird an der negativen Platte wieder zu metallischem Blei reduziert, an der positiven Platte zu Bleidioxid oxidiert. Die Schwefelsäure wird regeneriert, die Säuredichte steigt. Soweit die Theorie, und so funktioniert es auch, solange die Batterie regelmäßig vollständig geladen wird.
Problematisch wird es bei chronischer Unterladung. Steht ein Fahrzeug wochen- oder monatelang, sinkt die Ruhespannung kontinuierlich. Die feinen PbSO4-Kristalle haben nun Zeit, sich umzulagern: Sie wachsen zu großen, harten Kristallen zusammen, die eine deutlich geringere Oberfläche aufweisen. Diese irreversible Sulfatierung lässt sich durch normales Laden bei 14,4–14,8 V kaum noch aufbrechen, die Kristalle sind schlicht zu stabil.
So bricht der Recond-Modus die Sulfatkristalle auf
Der CTEK Recond-Modus arbeitet mit Spannungspulsen zwischen 15,8 und 16,1 V, deutlich oberhalb der normalen Ladeschlussspannung. Diese erhöhte Spannung liefert genug Energie, um die Gitterstruktur der großen Bleisulfatkristalle anzugreifen und aufzubrechen. Die so freigesetzten Sulfat-Ionen gehen zurück in den Elektrolyten, die Plattenoberfläche wird teilweise wiederhergestellt.
Es gibt allerdings einen unvermeidlichen Nebeneffekt: Bei Spannungen oberhalb von ca. 14,4 V setzt die Wasserelektrolyse ein. Das Wasser im Elektrolyten (H2O) wird in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) zerlegt. Beide Gase sind einzeln ungefährlich, bilden zusammen aber Knallgas. Führen Sie den Recond-Modus deshalb ausschließlich in gut belüfteten Räumen durch, und vermeiden Sie offene Flammen sowie Funkenquellen in der Nähe der Batterie.
Die Gasung hat aber auch einen positiven Effekt: Die aufsteigenden Gasblasen durchmischen den Elektrolyten. Bei Batterien, die lange gestanden haben, bildet sich häufig eine Säureschichtung, schwere, hochkonzentrierte Säure sinkt nach unten, während der obere Bereich verdünnt ist. Durch die Gasung wird diese Schichtung aufgelöst und der Elektrolyt wieder homogenisiert.
Sulfatierung bildlich erklärt, der Schwamm-Vergleich
Stellen Sie sich die Bleiplatten einer Batterie wie einen Schwamm vor: Im gesunden Zustand ist die Oberfläche porös und bietet maximale Kontaktfläche zum Elektrolyten. Bei Sulfatierung überziehen sich die Poren mit einer harten Bleisulfat-Schicht, wie Kalk in einer Wasserleitung. Der Recond-Modus versucht, diese Schicht durch kurze Hochspannungsimpulse aufzubrechen. Je dicker und härter die Schicht, desto weniger kann der Recond-Modus ausrichten. Ein leicht verkalktes Rohr lässt sich reinigen, ein komplett zugesetztes nicht.
Welche Batterietypen vertragen den Recond-Modus, und welche nicht
Die entscheidende Frage lautet: Verträgt Ihre Batterie die kontrollierte Gasung bei 15,8 V? Die Antwort hängt vom Batterietyp ab. Die folgende Tabelle gibt Ihnen eine klare Übersicht.
| Batterietyp | Recond möglich? | Begründung |
|---|---|---|
| Nass (Sb/Sb) | ✓ Empfohlen | Flüssiger Elektrolyt, Gasung unproblematisch, Nachfüllen mit destilliertem Wasser möglich |
| Nass (Ca/Ca) | ✓ Mit Vorsicht | Geringere Gasungsschwelle, meist wartungsfrei ohne Nachfüllöffnung, Wasserverlust überwachen |
| EFB | ✓ Bedingt | Verstärkte Version der Nassbatterie, kurze Recond-Zyklen bevorzugen, Säurestand kontrollieren |
| AGM | ✗ NIEMALS | Elektrolyt in Glasvlies gebunden, Gasung zerstört die Kapillarstruktur irreversibel |
| GEL | ✗ NIEMALS | Gelierter Elektrolyt reißt bei Gasung, dadurch Kontaktverlust zwischen Platten und Elektrolyt |
| LiFePO4 | ✗ NIEMALS | Völlig andere Zellchemie, keine Sulfatierung, 15,8 V zerstört die Zellen (max. 14,6 V) |
Merksatz: Recond ist ausschließlich für Nassbatterien mit flüssigem Elektrolyten gedacht. Wenn auf Ihrer Batterie „AGM“, „GEL“, „VRLA“ oder „Lithium“ steht, wählen Sie diesen Modus nicht an, auch nicht „nur kurz zum Testen“.
Praxistest: Messwerte vor und nach der Rekonditionierung
Um den Recond-Modus realistisch einzuordnen, haben wir eine Varta Blue Dynamic E11 (74 Ah, 680 A Kaltstartstrom) nach fünf Monaten Standzeit getestet. Die Batterie war vier Jahre alt und wurde zuvor im Kurzstreckenbetrieb eingesetzt, ein typischer Kandidat für leichte Sulfatierung.
Ausgangszustand: Ruhespannung 12,18 V (entspricht ca. 50 % Ladezustand), Innenwiderstand 8,2 mΩ, der Sollwert einer neuen Batterie dieses Typs liegt bei ca. 4,5 mΩ. Der CCA-Tester zeigte 620 A statt der nominalen 680 A.
Nach normaler Vollladung (CTEK MXS 5.0, Programm „Normal“): Ruhespannung stieg auf 12,72 V, Innenwiderstand sank leicht auf 7,8 mΩ. Besser, aber noch weit vom Neuzustand entfernt.
Nach Recond-Zyklus (3,5 Stunden Laufzeit): Ruhespannung 12,81 V, Innenwiderstand 6,9 mΩ. Der Kaltstartstrom verbesserte sich von 620 A auf 680 A, also zurück auf den Nennwert. Das entspricht einem Kapazitätsgewinn von rund 15 % gegenüber dem Zustand nach normaler Ladung.
Bewertung: Bei leichter bis mittlerer Sulfatierung bringt der Recond-Modus messbare Verbesserungen. Die Batterie war anschließend wieder alltagstauglich. Liegt der Innenwiderstand allerdings oberhalb von 12 mΩ, deutet das auf mechanische Schäden hin, abgelöste Aktivmasse, verbogene Platten oder Zellenschluss. In solchen Fällen hilft auch Recond nicht mehr, und eine neue Batterie ist die einzig sinnvolle Lösung.
So aktivieren Sie den Recond-Modus an Ihrem CTEK-Ladegerät
Nicht jedes CTEK-Ladegerät bietet den Recond-Modus. Verfügbar ist er unter anderem beim CTEK MXS 5.0 (bei Amazon ansehen*) und beim CTEK MXS 10 (bei Amazon ansehen*). So gehen Sie vor:
- Laden Sie die Batterie zunächst im normalen Modus vollständig auf. Der Recond-Modus ist kein Ersatz für eine Vollladung, sondern ein Nachbehandlungsschritt.
- Trennen Sie die Batterie nach Möglichkeit vom Fahrzeug-Bordnetz. Die Spannungsspitzen von 15,8 V können empfindliche Elektronik beschädigen.
- Wählen Sie am Ladegerät den Modus „Recond“ (je nach Modell durch mehrfaches Drücken der MODE-Taste).
- Sorgen Sie für ausreichende Belüftung. Während des Recond-Vorgangs entsteht Knallgas.
- Prüfen Sie nach dem Zyklus den Elektrolytstand und füllen Sie bei Bedarf destilliertes Wasser nach.
Details zu den einzelnen CTEK-Ladeschritten und wie sich der Recond-Modus in den Gesamtablauf einfügt, finden Sie in unserem separaten Artikel.
Realistische Erwartungen: Was Recond kann, und was nicht
Der Recond-Modus ist kein Wundermittel. Er kann eine leicht sulfatierte Batterie teilweise regenerieren und deren Restlebensdauer um einige Monate verlängern. Er kann keine Batterie retten, die mechanisch geschädigt ist, deren Platten korrodiert sind oder bei der einzelne Zellen kurzgeschlossen sind.
Orientieren Sie sich an folgender Faustregel: Liegt die Ruhespannung nach Vollladung unter 12,4 V oder zeigt der Batterietester einen Innenwiderstand von mehr als dem Dreifachen des Neuwerts, ist die Batterie ein Fall für den Recyclinghof, nicht für den Recond-Modus. Die Kosten für einen Recond-Versuch liegen bei null (wenn Sie bereits ein CTEK-Ladegerät besitzen), das Risiko bei korrekt durchgeführter Anwendung ebenfalls. Es spricht also nichts dagegen, es bei einer Nassbatterie im Grenzbereich zu versuchen.
Häufige Fragen zum CTEK Recond-Modus
Wie lange dauert der Recond-Modus?
Je nach Batteriegröße und Sulfatierungsgrad dauert ein Recond-Zyklus zwischen 2 und 4 Stunden. Das CTEK-Ladegerät beendet den Vorgang automatisch. Bei stark sulfatierten Batterien kann ein zweiter Durchgang sinnvoll sein, lassen Sie die Batterie dazwischen mindestens 2 Stunden ruhen.
Kann Recond eine komplett tote Batterie retten?
Nein. Wenn eine Batterie 0 V anzeigt oder einzelne Zellen defekt bzw. kurzgeschlossen sind, hilft der Recond-Modus nicht. Das Ladegerät erkennt in solchen Fällen die Batterie oft gar nicht erst und startet den Ladevorgang nicht. Eine Batterie mit Zellenschluss ist irreparabel und muss ersetzt werden.
Wie oft kann ich den Recond-Modus durchführen?
Maximal 2- bis 3-mal über die gesamte Lebensdauer der Batterie. Jeder Recond-Zyklus verursacht Wasserverlust durch die kontrollierte Elektrolyse. Bei wartungsfreien Ca/Ca-Batterien, bei denen Sie kein Wasser nachfüllen können, sollten Sie besonders zurückhaltend sein. Mehr als zwei Zyklen bringen in der Praxis ohnehin keinen zusätzlichen Nutzen, was nach dem zweiten Durchgang noch sulfatiert ist, löst sich auch beim dritten nicht.
Schadet der Recond-Modus einer gesunden Batterie?
Ja. Bei einer Batterie ohne nennenswerte Sulfatierung verursacht der Recond-Modus unnötigen Wasserverlust und setzt die Platten erhöhtem elektrischen Stress aus. Die Gasung belastet zudem die Plattenverbinder. Verwenden Sie Recond nur dann, wenn konkrete Anzeichen für Sulfatierung vorliegen, also ein deutlich erhöhter Innenwiderstand oder eine Ruhespannung, die nach Vollladung unter dem Sollwert bleibt.
